Verzicht auf Erkundungen im Kreis Osterholz

Erdgasförderer zieht sich zurück

Der Erdgasförderer Wintershall Dea wird im Landkreis Osterholz auf absehbare Zeit nicht nach Erdgas suchen. Das Unternehmen gab eine entsprechende Erlaubnis zurück.
15.10.2020, 18:27
Lesedauer: 3 Min
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Erdgasförderer zieht sich zurück
Von André Fesser

Landkreise Osterholz/Rotenburg. Der Erdöl- und Erdgasförderer Wintershall Dea wird seine Aktivitäten im Großraum Bremen deutlich reduzieren. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, gibt es die bergrechtlichen Erlaubnisse für zwei große Gebiete in der Region an das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) zurück. Damit verzichtet es auf die Möglichkeit, in diesen Gebieten nach Erdöl und Erdgas zu suchen.

Bei den Gebieten handelt es sich um die sogenannten Erlaubnisfelder „Unterweser“ und „Werder“. Das Gebiet „Unterweser“ umfasst eine Fläche von knapp 790 Quadratkilometern, von der rund 40 Prozent im Bundesland Bremen liegen. Der Rest erstreckt sich nördlich und östlich von Bremen im Dreieck zwischen Schwanewede, Tarmstedt und Achim. Das Gebiet „Werder“ ist mit 85 Quadratkilometern deutlich kleiner und umfasst Teile Achims und Thedinghausens.

In beiden Gebieten verfügte Wintershall Dea in den vergangenen Jahren über die Exklusivrechte für die Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen. Dabei ging es zunächst einmal darum, Potenziale zu erkunden. Für eine Bohrung oder gar eine spätere Förderung der Rohstoffe wären weitere Genehmigungen des niedersächsischen Landesamts erforderlich gewesen. Wintershall Dea ist seit rund 20 Jahren in der Region aktiv und an anderen Stellen schon viel weiter. Nach Unternehmensangaben unterhält es in benachbarten Erlaubnisfeldern im Landkreis Verden 18 Anlagen zur Förderung von Erdgas.

Derartige Aktivitäten wird es seitens Wintershall Dea beispielsweise im Landkreis Osterholz nach dem Teilrückzug nun aber nicht geben. Wie Dirk Warzecha, Leiter des Deutschlandgeschäfts des Unternehmens, mitteilt, habe man zuletzt die inländischen Aktivitäten auf den Prüfstand gestellt und entschieden, den Fokus auf die bereits bestehende Erdgas- und Erdölförderung in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu legen.

Geringe Erfolgsaussichten

Für die Gebiete „Unterweser“ und „Werder“ fasst es Unternehmenssprecher Heinz Oberlach noch konkreter: Demnach habe man festgestellt, dass dort nur eine geringe Wahrscheinlichkeit bestehe, ein neues Erdgasfeld zu entdecken, aus dem wirtschaftlich erfolgreich gefördert werden kann. Offenbar ist dies auch ein Ergebnis einer veränderten Strategie des Unternehmens, das erst im vergangenen Jahr aus dem Zusammenschluss der Deutschen Erdoel AG (Dea) und dessen Wettbewerber Wintershall hervorgegangen war. Laut Oberlach waren daraufhin weltweit die Aktivitäten auf ihre Wirtschaftlichkeit hin überprüft worden. Dazu hätten auch die beiden betroffenden Erlaubnisfelder gehört: „Wir haben uns angesehen, wie die Erfolgsaussichten aussehen, dort etwas zu finden, und festgestellt, dass es sich für uns nicht lohnt. Daher haben wir die Erlaubnis zurückgegeben.“ Nach Angaben des Sprechers sind die Aktivitäten des Unternehmens in diesen Gebieten damit ab sofort „komplett eingestellt“.

Seitens des zuständigen Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover wurde der Eingang des Verzichtsschreibens am Donnerstagnachmittag bestätigt, wie Sprecher Björn Völlmar auf Nachfrage sagte. Der Verzicht muss nach seinen Angaben nun in den sogenannten Ministerialblättern veröffentlicht werden. Anschließend seien die Aufsuchungserlaubnisse für die beiden Gebiete aufgehoben.

Nur wenige Minuten nach Bekanntwerden des Verzichts äußerte der Landtagsabgeordnete Axel Miesner in einer Mitteilung seine Zufriedenheit: Demnach begrüße er die Rückgabe der Erlaubnisse ausdrücklich und richtete seinen Dank an das Unternehmen, die Meinungsbildung in den Landkreisen Osterholz und Verden ernst zu nehmen. Miesner richtete sich aber auch an die Mitbürgerinnen und Mitbürger. Sie hätten mit ihrer Geschlossenheit zum Ausdruck gebracht, „dass sich unsere dicht besiedelten Landkreise nicht für die Erdgasförderung eignen“.

Bekanntermaßen hatte sich vor gut zwei Jahren nach Bekanntwerden der Pläne des Gasförderers, zunächst mithilfe sogenannter Vibrotrucks die Region unter anderem im Raum Grasberg nach Gasvorkommen zu untersuchen, breiter Widerstand formiert. Anwohner äußerten die Befürchtung, dass ihre Häuser durch die Untersuchungen Schaden nehmen könnten. Vor allem aber trieb die Menschen die Sorge um, dass die Umwelt durch eine Gasförderung geschädigt werden könnte. Zudem hatte sich längst herumgesprochen, dass es im Landkreis Verden infolge der Förderung zu Erdbeben gekommen war.

Bürgerinitiative will abwarten

So sorgt der Teilrückzug von Wintershall Dea aus der Region bei der damals entstandenen Bürgerinitiative No Moor Gas zunächst auch mal für Zufriedenheit, wie Sprecherin Birgit Münkner am Donnerstag sagte: Sie begrüßte, dass das Unternehmen festgestellt habe, dass eine Gasförderung nicht wirtschaftlich sei. „Und wir sind froh, dass wir so lange zusammengehalten und Unterstützung erhalten haben.“ Ganz trauen wollte sie der Entwicklung im ersten Moment aber noch nicht. Man müsse nun abwarten, was mit dem Aufsuchungsgebiet weiter geschieht. Denn es sei möglich, dass sich andere Unternehmen für die Region interessieren und hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit einer Förderung zu einem anderen Ergebnis kommen als Wintershall Dea. Daher werde die Bürgerinitiative ihre Arbeit auch fortführen und die Entwicklung weiter beobachten.

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