Landrat Bohlmann: Landkreis hat nichts zu sagen Erdgasfracking in Völkersen seit 2001

Verden. Hat das Erdbeben, das Anfang Mai in Verden registriert wurde, etwas mit dem umstrittenen Erdgas-Gewinnungsverfahren "Fracking" zu tun? Das und noch mehr möchte der Kreistagsabgeordnete Bernward Nüttgens (Die Linke) wissen, der daher eine Anfrage an die Kreisverwaltung gerichtet hat.
12.10.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Johannes Heeg

Verden. Hat das Erdbeben, das Anfang Mai in Verden registriert wurde, etwas mit dem umstrittenen Erdgas-Gewinnungsverfahren "Fracking" zu tun? Das und noch mehr möchte der Kreistagsabgeordnete Bernward Nüttgens (Die Linke) wissen, der daher eine Anfrage an die Kreisverwaltung gerichtet hat.

Zur Erdbeben-Frage - wie berichtet, wurden Erdstöße der Stärke 2,6 auf der Richterskala registriert - liefert Landrat Peter Bohlmann eine Antwort aus berufenem Munde. Er zitiert den Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung, wonach die Erde in der fraglichen Nacht in zehn Kilometer Tiefe gebebt habe. Das sei deutlich tiefer als die Erdgaslagerstätten in der Region.

Auch die übrigen Fragen von Nüttgens hat Bohlmann an das zuständige Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie weitergeleitet. Dies erklärt, dass im April 2001 erstmals ein Erdgasfeld in Völkersen gefract wurde - die 4990 Meter tiefe Bohrung Völkersen Nord Z4. Die vorerst letzte Fracking-Behandlung sei im Juni 2011 in der Bohrung Völkersen Nord Z5a erfolgt.

Die typische Fracking-Chemikalie bestehe zu 95 Prozent aus Wasser, dazu kämen drei Prozent Kaliumchlorid und zwei Prozent "weiterer Stoffe". Auf die Frage, ob diese Substanzen in Verbindung mit Trinkwasser gesundheitsgefährdend seien, heißt es von der Behörde: "Generell hat jeglicher Kontakt der Frac-Flüssigkeit mit den Grundwasser führenden Schichten zu unterbleiben. Dies wird über verschiedene technische Maßnahmen und die vorhandenen geologischen Barrieren erreicht." Einzelne Inhaltsstoffe der Frac-Flüssigkeit wie Essigsäure seien als "reizend" oder "entflammbar" (Isopropanol) gekennzeichnet. Aufgrund der starken Verdünnung sei die Frac-Flüssigkeit nicht als Gefahrstoff kennzeichnungspflichtig.

Benzol und Quecksilber

Nüttgens will auch wissen, wie sichergestellt wird, dass Trinkwasser und Boden nicht mit Benzol und Quecksilber verunreinigt werden, wie dies in den USA und in Niedersachsen geschehen sei. Laut Bergbaubehörde stünden die Bodenverunreinigungen in Niedersachsen nicht in Verbindung mit einer Frac-Behandlung. Es handele sich vielmehr um einen Schaden einer bodennah verlegten Leitung, der bei einer Routinekontrolle entdeckt worden sei. In dieser Leitung sei Lagerstättenwasser transportiert worden, das bei der Erdgasförderung mit anfalle und in einer Aufbereitungsanlage separiert und entsorgt werde. Das im Lagerstättenwasser enthaltene Benzol und Quecksilber stamme originär aus der Erdgaslagerstätte. "Es handelt sich um natürliche Begleitstoffe des Erdgases", so das Landesamt für Bergbau.

Kann der Landkreis die Fracking-Methode unterbinden?, fragt Nüttgens. Nein, sagt Bohlmann, in dieser Angelegenheit habe der Landkreis nichts zu sagen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+