Erwachsenenbildung

Erwachsenenbildung von Corona geplagt

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordert einen Schutzschirm für die Beschäftigten in der Erwachsenenbildung. Die VHS in der Kreisstadt und die Bildungsstätte Bredbeck rechnen mit großen Einnahmeausfällen.
07.08.2020, 05:43
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Von Bernhard Komesker und Christian Valek
Erwachsenenbildung von Corona geplagt

Die Volkshochschule VHS Osterholz-Scharmbeck, Hambergen, Schwanewede startete nach der Corona-Pause im Mai mit eingeschränktem Betrieb, die Bildungsstätte Bredbeck folgte im Juni.

Christian Valek

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) sorgt sich um die Zukunft der niedersachsenweit 57 Volkshochschulen und 23 Heimvolkshochschulen. Matthias Büschking, Sprecher des Landesverbands, erklärte in einer Pressemitteilung, die Einrichtungen bräuchten einen eigenen Schutzschirm nach dem Erwachsenenbildungsgesetz. Kosten für Hygienekonzepte und Verluste durch weniger Teilnehmende müssten ausgeglichen werden. Besonders betroffen seien die Honorarkräfte, die zur Beschäftigungssicherung einen Schutzschirm benötigten. Das Land tue da zu wenig, so Büschking. In Hildesheim hat der Landkreis die VHS im Juli vorerst mit einer Finanzspritze vor der Insolvenz retten müssen; der Deutsche Volkshochschulverband hat einen Hilferuf an die Bundesregierung gerichtet.

Als eine der 23 Heimvolkshochschulen in Niedersachsen ist auch die Bildungsstätte Bredbeck von der Corona-Pandemie betroffen. Leiterin Kirsten Dallmann sagte auf Anfrage unserer Zeitung, sie rechne infolge der Schließung und wegen der nun auch weiterhin reduzierten Auslastung mit tiefroten Zahlen am Jahresende. Noch sei unklar, wie groß das Defizit ausfalle und wie es beglichen werde. Dallmanns Hoffnung: „Wir prüfen gerade, ob wir den Sonderfonds für finanziell gefährdete Einrichtungen anzapfen können.“ Das Land hat insgesamt 5,5 Millionen Euro bereitgestellt. Alternativ, so Dallmann kämen auch Überbrückungshilfen in Betracht.

Arbeit am Jahresprogramm ab September

Im Juni gab es in der kreiseigenen Bildungsstätte wieder die ersten Belegungen, und auch das Küchenpersonal ist inzwischen nicht mehr in Kurzarbeit. „Das ist natürlich sehr gut für die Moral der Mannschaft“, so die Bredbeck-Chefin. Sie gehe davon aus, dass nach den Ferien auch die übrigen Beschäftigten nicht mehr kurzarbeiten müssen. „Das wäre jedenfalls gut für das allgemeine Stresslevel.“ Im September müsse schließlich auch mit der Arbeit am neuen Jahresprogramm begonnen werden. Wegen der Abstandsregeln und weil es nach wie vor vergleichsweise wenig Anmeldungen gebe, befänden sich meist nur 20 bis 40 Teilnehmer auf dem Gelände, wo es sonst oft 70 oder 90 waren. „Die Unsicherheit bleibt“, erklärte Dallmann und meint damit den Betrieb und seine Zielgruppen: Bredbecks Angebote würden sonst ja auch viel von Schulen oder auch von Risikogruppen genutzt.

Eine Möglichkeit, den Honorardozenten zumindest übergangsweise helfen, habe die Bildungsstätte mithilfe des Landes nun immerhin bereits nutzen können: Binnen kürzester Zeit sei das Kinderferienprogramm „Lern-Räume“ auf die Beine gestellt worden. Die Mitarbeitenden seien anfragt worden und hätten übers Wochenende mehr als 100 Angebotsskizzen eingereicht. Am Ende kamen 28 Veranstaltungen zustande, was nun den Dozenten und den daheim gebliebenen Familien gleichermaßen helfe.

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Ihno Schild von der Volkshochschule Osterholz-Scharmbeck/Hambergen/Schwanewede unterstützt die Forderungen von Verdi. Der stellvertretende Leiter der Einrichtung rät, genau hinzusehen, denn die Volkshochschulen sind unterschiedlich organisiert. Einige seien Vereine, andere seien als GmbH unterwegs. Die aktuelle Situation belaste die Heimvolkshochschule besonders, da sie den Kunden ein Komplettpaket inklusive Übernachtung anböten. Das Vorhalten dieses Angebots gehe mit höherer finanzieller Belastung einher.

Kleinere Lerngruppen

Kein Zweifel: Die VHS Osterholz-Scharmbeck leidet unter der aktuellen Situation. Zwar sei Interesse an Kursen vorhanden, aber die Veranstaltungen könnten aufgrund der geltenden Schutzbestimmungen nur zur Hälfte gefüllt werden. Wie viele Personen in einem Raum unterrichtet werden, hängt nicht allein von der Raumgröße ab. Auch der Zuschnitt der Räumlichkeiten entscheide, wo welcher Tisch stehen kann, um den geforderten Mindestabstand sicherzustellen. In einem Integrationskursus könnten statt 20 jetzt nur 13 Teilnehmer mitmachen. In einem Deutsch- Kursus sind statt 16 nur noch sieben Personen in einem Raum.

Auch die Terminannahme laufe deutlich schleppender. Denn jeder müsse einzeln eintreten. Die Einordnung des Sprachniveaus brauche ebenfalls mehr Zeit, da Einzelgespräche stattfänden. Das alles führe dazu, dass bis Jahresende mit finanziellen Einbußen zu rechnen sei. Wie hoch das Defizit ausfalle, könne erst nach dem dritten und vierten Quartal ermittelt werden, sagt Ihno Schild.

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