Stadtbibliothek in Achim „Es müsste schon ein Liebhaber kommen“

Achim. Was passiert mit dem alten Stadtbibliotheksgebäude in Achim? Die Frage beschäftigt viele Bürger, die Politik und die Verwaltung in der Weserstadt. Die Chancen, einen Investor zu finden, der das Haus saniert, sind denkbar schlecht.
26.07.2014, 00:00
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„Es müsste schon ein Liebhaber kommen“
Von Felix Weiper

Was passiert mit dem alten Stadtbibliotheksgebäude in Achim? Die Frage beschäftigt viele Bürger, die Politik und die Verwaltung in der Weserstadt. Die Chancen, einen Investor zu finden, der das Haus saniert, sind denkbar schlecht. Das zeigt eine Expertise des Sachverständigen Uwe Ehrhorn aus Achim.

Die Achimer mögen das alte Fachwerkhaus, in dem derzeit noch die Stadtbibliothek untergebracht ist. Seit 230 Jahren prägt es das Bild des Zentrums. Umso härter und unerbittlicher klingt das Urteil, das Gutachter Uwe Ehrhorn jetzt über das Haus fällte: „Der Erhalt des alten Gebäudes rentiert sich nicht“, erklärte er am Freitag in einem Pressegespräch im Achimer Rathaus. Im Klartext bedeutet das: Es wäre aus wirtschaftlicher Sicht die beste Lösung, das Haus abzureißen und einen Neubau an gleicher Stelle hochzuziehen.

Als Sachverständiger hat Ehrhorn das Gebäude im Auftrag der Stadt unter die Lupe genommen, den Verkehrswert ermittelt und Kosten für mögliche Nutzungsvarianten hochgerechnet. Der Hintergrund: Die Bibliothek wird noch im Laufe dieses Jahres umziehen – in einen Gebäudetrakt, der gerade neu entsteht und in das benachbarte Rathaus integriert wird.

Nach einem Beschluss des Rates soll das alte Bibliotheksgebäude, das der Kommune gehört, im Stadtbild erhalten bleiben. Die Stadt möchte Investoren gewinnen, die das Haus sanieren und dabei zumindest die Fassade mit ihrem Fachwerk-Charme bewahren. Das Haus, so heißt es in dem Beschluss, solle dann möglichst „für gastronomische sowie für publikumswirksame Zwecke“ genutzt werden.

Auf der Pressekonferenz machte Uwe Ehrhorn klar, dass sich kaum ein Geschäftsmann dazu bewegen lassen wird, für die Sanierung Geld auszugeben. Er müsste dazu fast 500 000 Euro in die Hand nehmen. Ein solches Investment würde sich nicht lohnen – zu erwartende Mieteinnahmen im Erdgeschoss für Laden- oder Gaststättenflächen sowie im Obergeschoss für eine Wohnung oder ein Büro seien zu niedrig. Der Verkehrswert der Immobilie – sofern das Gebäude stehen bleibt – beläuft sich den Angaben Ehrhorns zufolge auf lediglich einen symbolischen Euro. Bei einem Abriss belaufe sich der Verkehrswert auf 48000 Euro. Das Grundstück allein sei rund 84000 Euro wert, erklärte Ehrhorn. Davon müssten aber die Abrisskosten in Höhe von 36 000 Euro abgezogen werden.

„Die Ergebnisse des Gutachtens gehen jetzt in die politische Diskussion und in den Beteiligungsprozess für die Innenstadtentwicklung ein“, erklärte Erster Stadtrat Bernd Kettenburg auf der Pressekonferenz. Die Expertise zeige, dass die Stadt mit ihrer Entscheidung richtig gelegen habe, eine neue Bibliothek im Rathaus zu bauen.

Einig war sich Kettenburg mit dem Gutachter Ehrhorn, dass eine Sanierung des alten Fachwerkhauses wohl nur für einen Liebhaber solcher Gebäude infrage komme. So recht glauben mochte er daran aber nicht.

Viele Achimer Bürger dürften die schlechten Perspektiven für das alte Haus bedauern. Simone Neddermann, von der Stadt beauftragte Moderatorin für den Prozess der Innenstadtentwicklung, betonte, es sei die vorherrschende Meinung in Achim, dass die alte Bibliothek für das Stadtbild einen besonderen Wert habe.

Auf jeden Fall hat das Bauwerk eine lange Geschichte – und ist ein fester Bestandteil der Achimer Innenstadt. Das 1784 errichtete Fachwerkhaus war zunächst Stallung und Wagenschuppen für den obersten Beamten des Gohgerichts in der Weserstadt.

Im weiteren Verlauf seiner bewegten Historie diente das Haus als Lagerstätte für Torf und war Unterstand für Kühe und Pferde. In jüngeren Jahren nutzte die Stadt das Gebäude als Feuerwehrhaus, bevor dort 1989, nach einer gründlichen Renovierung, die Stadtbibliothek einzog, die zuvor im Clüverhaus beheimatet war.

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