Fußball spielt beim Austausch an der Kooperativen Gesamtschule eher eine Rolle als Europapolitik Eurokrise geht an Jugendlichen vorbei

Schulter an Schulter kämpfen Kanzlerin Angela Merkel und ihr französischer Kollege Nicolas Sarkozy für die Rettung des Euro und gegen die Krise in Europa. Für die deutsch-französische Zusammenarbeit engagieren sich auch Pädagogen aus Tarmstedt und Marsannay-la-Côte und ihre Schüler.
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Von Johannes Kessels

Schulter an Schulter kämpfen Kanzlerin Angela Merkel und ihr französischer Kollege Nicolas Sarkozy für die Rettung des Euro und gegen die Krise in Europa. Für die deutsch-französische Zusammenarbeit engagieren sich auch Pädagogen aus Tarmstedt und Marsannay-la-Côte und ihre Schüler.

Tarmstedt. Am Freitag voriger Woche sind sie angereist, 20 Acht- und Neuntklässler vom Collège Marcel Aymé in Marsannay-la-Côte, einem Vorort von Dijon, etwa 260 Kilometer südöstlich von Paris. Empfangen wurden sie von 20 Schülern der achten und neunten Jahrgangsstufe der KGS mit ihrem Französischlehrer Holger Lienemann - alle Schüler waren, da das Einschulungsalter in Frankreich und Deutschland etwa gleich ist, zwölf bis 14 Jahre alt, und auch die jeweilige Fremdsprache lernten sie gleich lange, nämlich seit der sechsten Klasse. Nach einem Wochenende in den Gastfamilien haben die Jugendlichen dann die Schulsysteme verglichen. Dabei stellten sie einige Unterschiede fest: In Frankreich dauert eine Schulstunde 60 Minuten, und Schule ist bis 17 oder gar 18 Uhr - nur mittwochs ist nachmittags frei. Außerdem sei der französische Unterricht recht frontal, hat Deutschlehrer Jean-Philippe Cretim festgestellt. Und es herrsche mehr Disziplin, meint sein deutscher Kollege

Holger Lienemann: "Da stromern keine Schüler in Freistunden durch das ganze Gebäude." Stattdessen gibt es das "Permanence", eine "Aufbewahrungsstelle" mit Betreuern, die auch bei Hausaufgaben helfen.

Jean-Philippe Cretim hat zwar eine Zeitlang in Mainz studiert, Norddeutschland kannte er aber bisher nicht. Hamburg sei vielleicht im Kulturleben der Vorzug zu geben, glaubt er, aber Bremen habe er sehr nett gefunden. "Das ist eine Art Studentenstadt", die Menschen seien unkompliziert, während die Hamburger ihm eher zugeknöpft erschienen. Den französischen Jugendlichen sind von Bremen die Stadtmusikanten in Erinnerung geblieben; das Märchen kannten natürlich viele von ihnen.

Am Donnerstag ging es mit der KGS-Lehrerin Erika Otten auf den Moorlehrpfad - ähnliche Gegenden gebe es bei Dijon nicht, erklärt Jean-Philippe Cretim, aber im Südwesten. Abends hieß es dann schon fast Abschied nehmen: Im Vereinsheim des TuS Tarmstedt wurde zu einem großen Buffet geladen. "Au revoir" hieß es dort, und das war wörtlich zu nehmen, denn nächstes Jahr fahren die KGS-Schüler nach Marsannay-la-Côte. Vielleicht sprechen sie dann auch über die EU; in ihrem jetzigen Alter interessiert es sie noch nicht so. "Non - nee - nein!" Die Antwort auf die Frage nach Politik erklingt gleich dreisprachig. Wissen sie denn etwas über die Eurokrise? "Das schon", meint Jacob. "Aber davon merkt man doch kaum was."

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