Japanische Organistin Shinon Nakagawa spielt in St. Willehadi

Examen am „idealen Platz“

Osterholz-Scharmbeck. "Soloabend mit Barockorchester" stand zwar auf dem Programm, aber das Konzert im Rahmen des Konzertexamens von Shinon Nakagawa fand am vergangenen Freitag schon am Nachmittag in der St.-Willehadi-Kirche statt. Die Solistin ist Schülerin von Professor Hans Davidsson in der Klasse "Alte Musik Orgel" an der Hochschule für Künste Bremen (HfK). Er freue sich, dass Shinon Nakagawa das Prüfungskonzert auf der Erasmus Bielfeld-Orgel spielen könne, sagte Davidsson, einem Instrument, das genau zu der Zeit (1731 bis 1734) erbaut worden sei, in der Georg Friedrich Händel seine Orgelkonzerte komponiert habe (1735 bis 1739). "Instrument und Musik passen ideal zusammen", so der Professor.
14.11.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Peter Otto

Osterholz-Scharmbeck. "Soloabend mit Barockorchester" stand zwar auf dem Programm, aber das Konzert im Rahmen des Konzertexamens von Shinon Nakagawa fand am vergangenen Freitag schon am Nachmittag in der St.-Willehadi-Kirche statt. Die Solistin ist Schülerin von Professor Hans Davidsson in der Klasse "Alte Musik Orgel" an der Hochschule für Künste Bremen (HfK). Er freue sich, dass Shinon Nakagawa das Prüfungskonzert auf der Erasmus Bielfeld-Orgel spielen könne, sagte Davidsson, einem Instrument, das genau zu der Zeit (1731 bis 1734) erbaut worden sei, in der Georg Friedrich Händel seine Orgelkonzerte komponiert habe (1735 bis 1739). "Instrument und Musik passen ideal zusammen", so der Professor.

Zudem vermittle die Architektur der Kirche einen präzisen Klang. Professor Harald Vogel pflichtete seinem Kollegen bei und meinte, die St.-Willehadi-Kirche sei weltweit der ideale Platz für Händels Orgelkonzerte. Auf dem Programm standen neben zwei Händel-Konzerten noch Orgelkompositionen des frühen Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750).

Mit einem lebhaften, jugendfrischen Präludium eröffnete die Organistin das Konzert. In zehn Variationen über den Choral "Ach, was soll ich Sünder machen" zeigte die Solistin durch kluge Registrierung die Vielfarbigkeit der einzelnen Teile. Besonders glänzte die letzte Fantasie mit rasanten Manual- und Tempowechseln. Anrührend war die mehrteilige Toccata e-Moll, ein Kunstwerk von filigranen Fugen über einer melancholischen Grundstimmung.

Georg Friedrich Händel entwickelte zu Beginn des 18. Jahrhunderts das Orgelkonzert als neue Gattung. Als Vorbild dienten ihm dabei die Solokonzerte für Streich- und Blasinstrumente. Zu Händels frühen Orgelkonzerten gehört das B-Dur Konzert. Während diese Komposition noch ein munterer Gedankenaustausch zwischen Orgel und Streichorchester ist, tritt die Orgel in dem später entstandenen F-Dur-Konzert stärker solistisch und teilweise improvisierend in Erscheinung. Sehr reizvoll hier die Thematik von Kuckuck und Nachtigall, die Händel aus einem Capriccio von Caspar Kerll virtuos verarbeitete.

Orchester und Orgel waren wunderbar aufeinander abgestimmt und bildeten einen homogenen Klang. Das aus elf Streichern bestehende Barockorchester der HfK leitete Professor Thomas Albert. Es musizierte authentisch und begleitete die Solistin kongenial. Die Organistin Shinon Nakagawa stammt aus Japan und absolvierte ihr Masterstudium an der Universität der Künste Tokio. Ein Zusatzstudium an der HfK Bremen in der Klasse "Alte Musik Orgel" schloss sie mit Bestnote ab. Ein Stipendium des Norddeutschen Orgelzentrums ermöglichte ihr einen Studienaufenthalt in den USA. Zwischenzeitlich errang sie bei nationalen und internationalen Wettbewerben erste Preise und Auszeichnungen. Als Organistin war sie in Tokio und an der Matthäus-Gemeinde in Bremen-Huchting tätig. Das Examenskonzert begeisterte die Zuhörer ebenso wie die Professoren.

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