Sicherheit im Stadion

"Fan-Käfig" derzeit kein Thema beim VSK

Osterholz-Scharmbeck. Seit der Hooligan-Randale vom November 2009 in Osterholz-Scharmbeck rückt das Thema Sicherheit im Waldstadion wieder in den Blick. Baulich ist im Stadion bisher nichts verändert worden.
28.03.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Lutz Rode

Osterholz-Scharmbeck. Der aktuelle Prozess um die Hooligan-Randale vom November 2009 in Osterholz-Scharmbeck rückt das Thema Sicherheit im Waldstadion wieder in den Blick. Seit dem Vorfall vor 16 Monaten hat der VSK Osterholz-Scharmbeck in Absprache mit dem Fußballverband und der Polizei etliche Maßnahmen ergriffen, damit Gewalt im Stadion keine Chance hat.

Die Fußball-Fans und Vereinsfunktionäre in der Region waren geschockt, als im November 2009 die Gewalt im städtischen Stadion eskalierte. Selbsternannte Fans von Eintracht Braunschweig hatten Polizisten mit Faustschlägen und Tritten attackiert und zudem beleidigt. Hinweise darauf, dass die Braunschweiger das Waldstadion zu ihrer Bühne der Gewalt machen würden, hatte es zuvor nicht gegeben. Die Partie war nicht als so genanntes Risiko-Spiel eingestuft worden.

Damit sich solche Szenen nicht wiederholen, hat der VSK sein Sicherheitskonzept für das Stadion noch einmal deutlich verfeinert. "Der Informationsaustausch zwischen den Beteiligten ist seither noch intensiver geworden", berichtet Ralf Strömer, Sicherheitsbeauftragter des VSK und zudem "szenekundiger Beamter" bei der Polizei. Stärker denn je werde darauf geachtet, dass bei der Vorbereitung der Spiele "ein Rad ins andere greife".

Strömer steht vor kritischen Partien in engem Kontakt zu seinen Kollegen aus den anderen Oberliga-Orten, um herauszufinden, inwieweit mit einem Aufmarsch gewaltbereiter Hooligans zu rechnen ist. Dementprechend wird bei Risikospielen auch der Einsatz der Polizei vor Ort und die Begleitung des Fan-Trosses bei der An- und Abreise im Zug intensiv vorbereitet. Auch beim Einsatz der Ordner wird im Vorfeld nichts dem Zufall überlassen, vor jeder Partie wird der Bedarf an Kräften genau ermittelt und gemeinsam mit einem ausgebildeten Security-Profi werden die konkreten Aufgaben verteilt. Beim VSK greift man auf die Unterstützung professioneller Ordner zurück, die bei Risiko-Spielen zum Beispiel Fans nach mitgebrachter Pyrotechnik oder sonstigen Waffen durchsuchen. "Die Professionellen kennen die Verstecke. Sie haben einen ganz anderen Zugang zu den Leuten", sagt Ralf Strömer.

Aktuell kein Thema beim VSK Osterholz-Scharmbeck ist die Errichtung einer festen Umzäunung für den Gästefanblock, den die Kenner kurz "Fan-Käfig" nennen. Bei Risikospielen wird ein mobiler Bauzaun auf der Waldtribüne auf der gegenüberliegenden Seite des Stadiongebäudes errichtet, mit separatem Wurst- und Getränkestand sowie eigenen Toiletten - ganz so, wie es die Statuten des Fußballverbandes vorsehen. Zweimal ist in der laufenden Saison dieser Zaun aufgebaut worden - bei der Oberliga-Partie gegen Meppen und gegen Oldenburg.

Mit dem Bauzaun erfüllt der VSK derzeit die Vorgaben des Niedersächsischen Fußballverbandes, was dem Umstand geschuldet ist, dass ein Passus aus den verschärften Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Oberligaspielen vom Verbandsvorstand ausgesetzt worden ist. Dieser Punkt der Richtlinien sieht eigentlich vor, dass an den Grenzen der Fanblöcke fest verankerte und mindestens 2, 20 Meter hohe Abtrennungen zu den übrigen Zuschauerbereichen anzubringen sind, die besonders stabil ausgebildet sein müssen. Auch muss es einen separaten Eingang für die Gästefans geben.

"Der Passus ist aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Fußball-Bundes vom Oktober 2010 zur Neuordnung der Regionalligen wieder ausgesetzt worden", erklärt Eckehard Schütt, Vorsitzender des Osterholzer Fußballverbandes und Mitglied der Kommission für Prävention und Sicherheit, die die im Juli 2010 verschärften Richtlinien des Verbandes ausgearbeitet hat. Schütt betont, dass die Vereine unabhängig von dieser Aussetzung natürlich gehalten seien, ihre Stadien in punkto Sicherheit gemäß der Richtlinie "auf Vordermann" zu bringen. Und auch über den "Fan-Käfig" werde erneut zu sprechen sein, wenn die Reform der Regionalliga in Kraft tritt.

Hinrich Breden, Leiter der Fußballabteilung des VSK, hält die jetzige Variante mit dem Bauzaun allerdings für völlig ausreichend. "Die Vereine haben sich zurecht gegen die Fan-Käfige gewehrt, die in der Richtlinie vorgesehen sind", erklärt er. Immerhin müssten dafür fünfstellige Summen aufgebracht werden - und das für Gruppen von vielleicht 20 Leuten, die zwei mal im Jahr bei Risikospielen auftauchen. "Ich finde es ohnehin besser, die Fans im Auge zu behalten, statt sie in Zäunen einzupferchen. Das fördert nur die Eskalation", meint der VSK-Manager.

Wie jedes Jahr üblich, wird sich Eckehard Schütt gemeinsam mit den Verantwortlichen des VSK in Kürze das Waldstadion im Hinblick auf die Sicherheit näher ansehen. Die Erteilung der Lizenz für die neue Saison ist auch an die Bedingung geknüpft, dass die Sicherheitsvorschriften eingehalten werden. Im Zweifel könne eine Genehmigung verweigert oder unter Auflagen erteilt werden. Einen baulichen Mangel hat Schütt im städtischen Stadion bereits entdeckt: Seiner Darstellung nach müssen auf der Gästetribüne so genannte Wellenbrecher installiert werden, die verhindern, dass Fans von den oberen Rängen nach unten gedrückt werden können.

Die verschärften Vorgaben, die Maßnahmen der Vereine und der Polizei haben nach Darstellung von Schütt dazu geführt, dass die Zahl der Vorfälle bei den Begegnungen in der Oberliga in der laufenden Saison zurück gegangen sind. Zur Halbzeit der Saison gab es bei 158 Partien 17 mit einem erhöhten Risiko, sechs Vorfälle wurden erfasst, einer davon bei einer Pokalbegegnung. In der Saison davor gab es bei 34 Mannschaften und 526 Begegnungen insgesamt 46 Risiko-Spiele, wobei 21 Vorfälle registriert wurden.

Die Zahlen zeigen Schütt, dass man auf dem richtigen Weg ist. Grund zum Ausruhen sieht der Sicherheitsfachmann für Stadien aber nicht. "Es gibt noch einiges zu verbessern. Die Frage der Sicherheit ist hochrangig anzusehen. Doch man darf dabei nicht das Augenmaß verlieren. Die Vereine müssen mitmachen", sagt er.

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