Acht Behindertensportler der Leester Delme-Werkstätten tragen die Fackel am Sonnabend von Weyhe nach Bremen

Feuer und Flamme für die Special Olympics

Weyhe. Acht Behindertensportler der Leester Delme-Werkstätten tragen die Fackel am Sonnabend von Weyhe nach Bremen zu den Special Olympics für Menschen mit geistiger Behinderung, die vom 14. bis 19. Juni in der Hansestadt ausgetragen werden.
09.06.2010, 06:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Gaby Wolf

Weyhe. Zu Olympischen Spielen gehört ein Fackellauf - und warum sollte das bei den Special Olympics für Menschen mit geistiger Behinderung anders sein? Die nationalen Spiele finden in diesem Jahr vom 14. bis 19. Juni in Bremen statt, doch das olympische Flair wird auch nach Weyhe herüberwehen. Und dass nicht nur, weil sich acht Beschäftigte der Leester Delme-Werkstätten in das 4500 Athleten starke Teilnehmerfeld der Sommerspiele einreihen. Der finale Abschnitt des Fackellaufs nach Bremen startet am Sonnabend, 12. Juni, um 9 Uhr vor dem Weyher Rathaus.

'Die Delme-Werkstätten sind als Gesamtorganisation Mitglied bei Special Olympics Deutschland, und weil wir in Leeste die am nächsten an Bremen gelegenen Behindertenwerkstätten in Niedersachsen haben, sind die Organisatoren an uns mit der Frage herangetreten, ob wir den Fackellauf wohl machen wollen', berichtet Heiner Hustedt, Betriebsleiter der Leester Werkstätten. Da habe es kein langes Überlegen gegeben: 'Natürlich machen wir das.'

Damit das am Sonnabend auch möglichst viele mitbekommen, wird die betriebseigene Sambagruppe, die sich die Delme-Sambistas nennt, gehörig auf die Trommeln hauen. Die Fackel entzünden wird die Vorsitzende des Special Olympics Landesverbandes Niedersachsen, Andrea Liebich, mit Hilfe von Weyhes Vize-Verwaltungschef Andreas Bovenschulte. Der wird die Fackel an die Athleten aus Weyhe weiterreichen: Robert Burmeister, Martin Cordes, Melanie Evers, Jendrik Landsiedel, Björn Meder, Tim Ossmer-Rottmann, Henner Ott und Tanja Schweermann.

'Das ist eine Ehre für uns', sagt der 33-jährige Henner Ott stellvertretend für die Läuferschar, in die sich auch die beiden Betreuer Heidi Willer-Rohlfing und Manfred Kaiser einreihen. Damit jeder die Fackel einmal in Händen halten durfte, wird sie während des 2,3-Kilometer-Laufs bis zu den Leester Werkstätten durchgereicht. Auch Bovenschulte sieht die Beteiligung der Gemeinde an der Fackelübergabe als 'große Ehre', vor allem 'da man auf eine gute Zusammenarbeit mit den in Leeste ansässigen Delme-Werkstätten zurückblicken und damit auch diese Sportlerinnen und Sportler direkt unterstützen kann'.

Gegen 10 Uhr, so sieht es der Plan vor, treffen die Läufer an der Straße Am Weidufer 30 ein - der zweiten Weyher Station, bevor die Fackel später Richtung Bremen weitergereicht wird. 'Damit soll eine Verbindung über die Landesgrenze Niedersachsen-Bremen hinweg hergestellt werden', erläutert Benedikt Heche, Sprecher des National Games Büros Bremen. Zuvor sei die 'Flamme der Hoffnung' bereits quer durch die Bundesrepublik gereist. 'Offizieller Start war am 26. Mai in Berlin vor dem Reichstag, weitere Fackelläufe gab es in Mannheim, München, Fulda, Erfurt, Neuss und Altenburg in Sachsen, wo 2011 die Winterspiele ausgetragen werden', zählt Heche auf. Gleichzeitig mit dem Weyher Fackellauf werde am 12. Juni auch durch Bitburg eine Fackel getragen, Gastgeber der Special Olympics Rheinland-Pfalz 2011.

In Weyhe wiederum werde die Flamme von den Leester Werkstätten aus - im schützenden Gehäuse einer Öllaterne - mit dem Bus zum Bootsanleger beim Café Sand gebracht und von dort per Fähre zum Anleger am Weserstadion. Dort übergeben die Weyher die Flamme an Bremer Athleten vom Martinshof. Wieder wird die Fackel entzündet. Gegen 11.55 Uhr starten die Läufer auf Höhe des Stadionbades - in Dreiergruppen. 'Immer ein Weyher zusammen mit einem Bremer und einem Polizisten von der International Police Association', bestätigt Delme-Sportlehrerin Heidi Willer-Rohlfing. Auf den 3,5 Kilometern bis zum Rathausplatz wird das Weserstadion umrundet, das Bürgerhaus Weserterrassen passiert und - immer am Weser-Ufer entlang - die Bremer Innenstadt angesteuert. Vor dem Rathaus nimmt Bürgermeister Jens Böhrnsen die Läufergruppen schließlich gegen 12.30 Uhr in Empfang.

Aufgeregt, aber motiviert

Klar, dass die Vorfreude in den Leester Delme-Werkstätten fast stündlich steigt. 'Unsere Behinderten freuen sich schon total darauf, das ist ein absolutes Highlight', erzählt Heiner Hustedt, der selbst ebenso Feuer und Flamme ist. 'Nur schade, dass Bundespräsident Horst Köhler zurückgetreten ist.' Der nämlich sollte eigentlich zusammen mit Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen die Sommerspiele am 14. Juni in Bremen gemeinsam eröffnen.

Der Begeisterung der Weyher Aktiven, die alle in der Leichtathletik starten, dürfte das wenig Abbruch tun. 'Sie sind sehr aufgeregt, aber auch sehr motiviert', beschreibt Heidi Willer-Rohlfing die Stimmung. Bereits seit dem vergangenen Jahr trainierten sie fleißig auf das Großereignis hin - zuletzt einmal in der Woche auf dem Sportplatz der KGS Leeste. Allesamt starten sie im 100-Meter-Lauf (auch Staffel). Martin Cordes tritt dazu noch im Weitsprung an, die anderen im Kugelstoßen.

Geburtstag bei den Sommerspielen

Wettkampfluft konnten die acht Teilnehmer schon im September bei der Qualifikation in Hamburg schnuppern. 'Gut finde ich, dass die Aktiven auch da schon in Leistungslevel eingeteilt waren, so hatten auch die Schwächeren ein Chance auf eine gute Platzierung', sagt die Sportlehrerin. Dennoch gehe es in erster Linie ums Teilnehmen und das gemeinsame Erlebnis. 'Aber der Ehrgeiz ist da - wir wollen schon sehen, was geht', gibt Gruppenleiter Manfred Kaiser als Losung aus. 'Wir gehen ja nicht dahin, um zu schlafen', kommentiert einer aus der Riege. Im Falle eines ersten Platzes wären die Sportler jedenfalls vorbereitet. 'Dann singen wir: So sehen Sieger aus', verrät der 23-jährige Björn Meder. 'Das haben wir schon in Hamburg geübt - da haben wir alle verputzt.' Aber auch wenn es nicht klappen sollte, haben die acht einen Grund zum Feiern. Denn Tim Ossmer-Rottmann wird am zweiten Tag der Sommerspiele 19 Jahre alt.

Aber auch mit Schlachtenbummlern werden die Delme-Werkstätten in Bremen vertreten sein. 'Es wird Fangruppen geben', kündigt Heiner Hustedt an. 'Wir werden jeden Tag mit etwa 20 Leuten unsere Athleten unterstützen - unsere anderen Betriebsstätten werden das ähnlich handhaben.' Denn: Auch von ihnen wollen Sportler in Bremen durchstarten: vier von den Werkstätten in Diepholz, fünf aus Sulingen, neun aus Ganderkesee, sieben aus Delmenhorst. Aus Bassum nehmen sieben teil: Norbert Adams, Matthias Alfke, Anne Bischoff, Cornelia Borchers, Ulf Büntemeyer, Kai-Uwe Krentscher und Mathias Voss.

Anfeuern geht aber auch schon in Weyhe beim Fackellauf. 'Alle Weyher Bürger sind dazu eingeladen', sagt Benedikt Heche. 'Und vielleicht bekommen sie ja dadurch Lust, sich die Wettbewerbe auch mal vor Ort anzuschauen.'

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+