Feuerwehrstatistik Bruchhausen-Vilsen

Feuer und Flamme für die Zeit nach Corona

Stabile Personalzahlen, deutlich weniger Einsätze und kaum noch Möglichkeiten, die Kameradschaft zu pflegen - der Jahresbericht der Gemeindefeuerwehr Bruchhausen-Vilsen menschelt sehr.
22.04.2021, 07:00
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Feuer und Flamme für die Zeit nach Corona
Von Micha Bustian
Feuer und Flamme für die Zeit nach Corona

Solide Zahlen und Corona-Frust: Gemeindebrandmeister Michael Ullmann (links) und Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann stellten den Feuerwehr-Jahresbericht vor.

Vasil Dinev

Bruchhausen-Vilsen. Michael Ullmann wedelt mit dem Jahresbericht der Feuerwehr der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen über seinem Kopf. „Etwas dünner als letztes Jahr“, sagt der Gemeindebrandmeister mit einem süffisanten Grinsen. Welch Wunder, dass der Umfang des Papiers für das Jahr 2020 geringer geworden ist. Wettbewerbe? Nichts. Ehrungen? Auch nichts. Jugendfeuerwehr und Alterskameraden? Nur sporadisch. Alles, was den Brandbekämpfern in Corona-Zeiten geblieben ist, sind die Einsätze, „und die haben wir ohne Einschränkungen abgearbeitet“.

Zehn Din-A4-Seiten umfasst das Schreiben, in dem die Flammenbändiger ihre Aktivitäten beschrieben haben. Es geht um Personalbestand und -entwicklung, um Ausrüstung und Ausbildung. Und natürlich um Einsätze.

Womit wir bereits mittendrin wären. 187 Mal mussten die insgesamt zehn Ortswehren der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen ausrücken. Heißt: Die Einsatzkräfte aus Asendorf, Bruchhausen-Vilsen, Engeln, Hustedt, Kleinenborstel, Martfeld, Ochtmannien, Schwarme, Süstedt und Uenzen mussten 95 Einsätze weniger fahren als im Jahr 2019. Letztmals 2016 waren die Zahlen so niedrig. Aber: Dazwischen lagen auch drei Hitzesommer. 2020 indes „hat es während der Haupterntezeit immer mal wieder geregnet“, erinnert sich Michael Ullmann. „Erst danach wurde es so richtig trocken.“

Der Gemeindebrandmeister - bei der Pressekonferenz zum Jahresbericht unterstützt von seinem Stellvertreter Gerd Schröder, Pressesprecher Cord Brinker, Bürgermeister Bernd Bormann und Ralf Rohlfing, Sachgebietsleiter Feuerwehren - erinnert sich an ein paar besonders schwere Fälle, bei denen die Ortswehren eingreifen mussten. Den Zusammenstoß zweier 40-Tonner auf der Bundesstraße 6 beispielsweise, „bei dem wir immerhin den Fahrer gerettet haben“, so Michael Ullmann. Oder den Brand einer ehemaligen Gaststätte in Asendorf, „wo wir eine 100-jährige Bewohnerin aus dem Gebäude retten mussten“. Nur 53 der 187 Einsätze hatten auch mit Feuer zu tun, 134 waren Hilfeleistungen und ähnliches. Am häufigsten musste die Ortswehr Bruchhausen-Vilsen ausrücken (65), am wenigsten zu tun hatten die Kameraden aus Hustedt (4).

Über die Einsätze hinaus gab es für die Ortswehren wenig zu tun. Keine Wettbewerbe, dabei steht 2022 wieder die Feuerwehr-Olympiade auf dem Programm. Keine Ehrungen, keine Versammlungen. Und kein Kreisjugend-Feuerwehrzeltlager. Das wurde - ebenso wie die Auflage 2021 - abgesagt. Die Gerätschaften dafür haben die Vilser Brandbekämpfer, die 2022 mit der Ausrichtung an der Reihe sind, bereits aus Cornau abgeholt. In guter Hoffnung auf Besserung bis zum kommenden Sommer.

„Wir sind aber darauf angewiesen, für unsere Einsätze zu trainieren“, stellt Michael Ullmann klar. „Schwierig“ sei das, aber nicht unmöglich. Fahrzeuge seien regelmäßig bewegt worden, damit sie im Notfall auch anspringen, Gerätschaften wurden geprüft, Atemschutzgeräte gecheckt, die Wasserentnahmestellen kontrolliert. „Das alles in ganz kleinem Rahmen und mit viel Abstand“, versicherte der Gemeindebrandmeister im Hinblick auf die Corona-Vorgaben. Ausbildung sei online angeboten und „gut angenommen“ worden. Besonders bei den Sprechfunkern sei das kein Problem gewesen. Insgesamt aber „ersetzt das die Dienste nicht“.

Das Coronavirus setzt den Flammenbändigern aber auch auf andere Art zu. „In Sachen Kameradschaft passiert zurzeit überhaupt nichts“, bedauert Ralf Rohlfing. Das wäre vor allem für die Alterskameraden bitter, aber auch den Kindern und Jugendlichen könne man zurzeit nichts anbieten. „Da fehlen uns Werbemöglichkeiten.“ Die Zahlen sanken dennoch nur in normalem Maß auf 426 aktive Mitglieder, davon 50 Frauen.

Damit die Zahlen nicht weiter sinken, hoffen die Brandbekämpfer der Samtgemeinde auf ein baldiges Ende der Pandemie. Oder auf einen baldigen Start der Impfungen in ihren Reihen. Den Feuerwehrleuten, ebenso wie Polizisten oder Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks, hätte seiner Meinung nach längst das Vakzin gespritzt werden müssen. Auch ohne wurde bisher keine Ansteckung in der Truppe bekannt. So bleibt Ullmannn der „Stolz auf unsere Mannschaft. Das Bewusstsein über die Ansteckungsgefahr ist ganz offensichtlich sehr hoch.“ Und: „Die Truppe brennt darauf, wieder loszulegen.“

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