Verkaufsverbot für Feuerwerk Kein Licht am Horizont

Bis zum Schluss haben Marc Semmer und Jens Mindermann gehofft, dass sie 2020 doch noch Feuerwerk verkaufen dürfen. Das angekündigte Verbot ist für die Pyrotechniker aus dem Landkreis Verden ein schwerer Schlag.
22.12.2020, 14:56
Lesedauer: 3 Min
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Kein Licht am Horizont
Von Elina Hoepken

30 bis 50 Aufträge hat Jens Mindermann im Schnitt pro Jahr. Zumindest in einem gewöhnlichen Jahr. Aber 2020 ist eben alles andere als gewöhnlich und so konnte der Pyrotechniker in diesem Jahr lediglich ein einziges Feuerwerk veranstalten – „ein kleines Geburtstagsfeuerwerk im Sommer“, erinnert sich Mindermann. Die große Hoffnung ruhte bis vor einigen Tagen noch immer auf Silvester. Vorab startet Mindermann in Achim nämlich traditionell seinen großen Feuerwerksverkauf. „Der Dezember ist für uns der Monat im Jahr, in dem wir den meisten Umsatz machen.“ Doch auch hier gilt der Zusatz „in einem gewöhnlichen Jahr“. Denn Ende vergangener Woche hat der Bundesrat beschlossen, den Verkauf von Silvesterfeuerwerk vom 29. bis 31. Dezember zu verbieten. Damit fällt – so der aktuelle Stand am Dienstag – für den Pyrotechniker auch diese Einnahmequelle komplett weg.

Hoffnung bis zuletzt

„Ich habe bis zum Schluss noch gehofft, dass es nicht ganz so hart kommt und wir wenigstens noch ein bisschen was verkaufen dürfen“, sagt Mindermann. Große Hoffnung habe er beispielsweise in den Online-Verkauf gesetzt. Bis vor wenigen Tagen lief auf seiner Internetseite noch der Countdown bis zum Start des Silvesterfeuerwerksverkaufs. Doch der ist nun verschwunden. Ähnlich wie die Hoffnung, dass 2020 für ihn als Pyrotechniker doch noch einen guten Ausgang nehmen wird.

Unter die Hoffnungslosigkeit mischt sich bei Marc Semmer mittlerweile aber auch Wut. Der Langwedeler, der seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich als selbstständiger Pyrotechniker tätig ist, kann bei dem Hin und Her der vergangenen Wochen nur den Kopf schütteln. „Ich kann diesen Irrsinn und das Chaos der Gesetzgebung sowie das planlose und unabgestimmte Vorgehen definitiv nicht nachvollziehen“, sagt er. Nachdem zunächst im Oktober das geplante Verbot von Feuerwerk zu Silvester nicht mit den strengeren Lockdown-Maßnahmen ab November durchgesetzt wurde, habe er mit allen Vorbereitungen für den Verkauf begonnen. „Das bedeutet natürlich auch Investitionen in Ware, Werbung, Personal und Mieten sowie den Onlineshop“, berichtet er. „Man kann sich somit vorstellen, dass ich entsetzt war, als am 13. Dezember verkündet wurde, dass der Verkauf von Silvesterfeuerwerk vom 29. bis 31. Dezember nun doch verboten werden sollte.“

Verkäufe rückabwickeln

Als die Niedersächsische Landesregierung dann sogar nicht nur den Verkauf, sondern auch das Abbrennen von Feuerwerk unterbinden wollte, brach über Semmer eine Lawine von Kundenanfrage herein, die bereits im Onlineshop eingekauft hatten. „Ich selbst musste, nach rechtlicher Beratung, das gesamte bisher im Onlineshop durchgeführte Verkaufsgeschäft rückabwickeln - also Stornierung aller Bestellungen und Rückvergütung aller gezahlten Kaufpreise.“ Am 18. Dezember entschied sich der Bundesrat dann für ein bundesweites Verkaufs- und Überlassungsverbot. „Das bedeutet im Fazit auch in Niedersachsen: Die Menschen, die noch Reste vom Vorjahr gelagert haben, dürfen diese benutzen - wir als Fachhandel dürfen aber nichts verkaufen“, fasst Semmer den aktuellen Stand und die Misere für seine Branche zusammen.

Dabei halten sowohl Semmer als auch Mindermann mit Blick auf die aktuellen Infektionszahlen und die Belegung der Krankenhäuser gezielte Maßnahmen durchaus für sinnvoll und notwendig, sehen die jetzt beschlossenen Regeln aber kritisch. „Ein solches Verkaufsverbot fördert den Schwarzmarkt“, erklärt Mindermann seine Skepsis. Und bei illegal erworbenen Feuerwerkskörpern sei das Verletzungspotenzial eben weitaus höher. Man erreiche damit genau das Gegenteil, was eigentlich erreicht werden wollte. „Der seriöse Verkauf von geprüften pyrotechnischen Artikeln und die Beratung durch den Fachmann, so wie wir es in den letzten Jahren praktiziert haben, wurde verboten“, kritisiert auch Semmer.

Mit diesem Verbot wird für die beiden Pyrotechniker ein Schlusspunkt gesetzt, der charakteristisch für das Jahr 2020 ist. „Das Jahr war für mich, wie für alle Kollegen und Kolleginnen aus der Veranstaltungsbranche traurig und eine totale Katastrophe“, bringt es Semmer auf den Punkt. „Wann ich meinen Beruf wieder ausüben kann, ist für mich derzeit nicht abzusehen.“

Warten auf Besserung

Mindermann rechnet damit, dass es frühestens im Sommer kommenden Jahres für ihn wieder mit Höhenfeuerwerken losgehen könnte. „Alles hängt natürlich auch davon ab, wie sich die Leute in den kommenden Wochen verhalten. Es liegt also auch an uns selbst, wie es weitergeht“, sagt er. Und wenn es im kommenden Jahr dann tatsächlich wieder losgehen sollte, ist Mindermann auf jeden Fall gut gerüstet. „Die fertigen Shows für die Großfeuerwerke haben wir ja dann aus dem Jahr 2020 noch in der Schublade. Die Arbeit haben wir also immerhin schon geschafft“, versucht er, wenigstens etwas Positives an diesem Ausnahmejahr zu finden.

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