Weihnachtsbaum-Verkauf Finale Chance auf den Wunschbaum

Immer wieder entscheiden sich Kunden auf den letzten Drücker für einen Weihnachtsbaum. Warum, das haben unserer Redaktion Händler aus der Region erzählt.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Finale Chance auf den Wunschbaum
Von Alexandra Penth

Landkreis Diepholz. Er gilt als ultimativer Weihnachtsschmuck. Nach wie vor greifen die allermeisten zum vergänglichen, grünen Original, um ihn über die Festtage in die heimische Stube zu stellen. Einige Familien kümmern sich schon weit im Voraus um den Weihnachtsbaum, andere lassen sich damit bis zum Schluss Zeit. Meist sind es wiederkehrende Verhaltensmuster, hat Heinrich Weber, Inhaber von Webers Puttenpark in Gessel, beobachtet. Da seien Familien, die mit den Großeltern im Schlepptau fünf Wochen vor Weihnachten durch die Baumreihen der Plantage gehen und ihren Favoriten nach sorgfältiger Begutachtung markieren. Manche seien wiederum Jahr für Jahr spät dran.

An Heiligabend hat das Gartendeko-Geschäft für den Last-Minute-Fall auch noch bis 12 Uhr geöffnet. Denn gerade ein derart festlicher Anlass ist oft anfällig für unvorhergesehene Zwischenfälle. „Lichterketten sind kaputt oder der Baumständer ist unauffindbar“, zählt Weber zwei Beispiele auf. Auch Spontankäufe seien keine Seltenheit. Etwa, wenn die Tochter die Mutter besuchen kommt und sie in letzter Minute doch noch zu einem Baumkauf überredet. Die Chance auf den Wunschbaum ist dann jedoch deutlich gering. Die reservierten Bäume werden zum größten Teil am 18. Dezember gefällt. „Wir gehen dann los mit der Säge“, sagt Weber. Auch danach werden Wunschbäume entwurzelt. Allmählich ist es aber zu spät dafür. Wenn es friert und der Baum kurz darauf in die warme Wohnung kommt, verliert er schneller seine Nadeln. „Zwei, drei Tage vorher muss er mindestens abgesägt werden“, rät Weber. In Baumärkten dürften potenzielle Baumbesitzer so kurz vor Weihnachten nur noch vereinzelt Glück haben. “Es sind optimistisch etwa zehn Stück“, schildert ein Mitarbeiter einer Stuhrer Filiale einer Baumarktkette. „Das Wochenende vor dem dritten Advent ist die Hauptzeit“, erzählt er, dass der große Andrang bereits vorbei ist.

„Auf den letzten Drücker kommen immer welche“, sagt hingegen Hanna Riedebusch, die seit Jahren den Stand an der Bremer Straße, gegenüber vom ZOB, in Brinkum betreibt. Nicht selten spekulieren die Käufer auf einen Rabatt. Gemeinsam mit ihrer Freundin Konny Grabedunkel ist sie seit dem 9. Dezember stets von 10 bis 18 Uhr für die Kunden da. Sie können in einer kreisförmigen Allee nach dem geeigneten Tannenbaum Ausschau halten. In der Mitte steht das Verkaufshäuschen, in das sich die Frauen zum Aufwärmen zurückziehen und Schutz vor dem Regen suchen. Hanna und ihr Mann Horst Riedebusch besitzen eine Tannenbaum-Plantage in Brinkum, seit Jahren sind sie mit ihrem Weihnachtsbaumverkauf auch in Bremen vertreten. „Auf dem Dorf ist das Kaufverhalten anders als in der Stadt“, weiß Riedebusch. In der Stadt würde das Geschäft meist spät anlaufen, da Kunden oft nicht über genügend Lagermöglichkeiten für den Tannenbaum verfügten. Ist kein Balkon vorhanden, muss der Baum direkt nach dem Einkauf seinen Platz in der Wohnung einnehmen. Auch die Wahl sei eine andere. In Bremen bieten die Riedebuschs auch Fichten und Blautannen an. In Brinkum sind es ausschließlich Nordmanntannen. Für gewöhnlich sind die Bäume zwischen 1,80 und 2,20 Metern am beliebtesten. Größere Tannen, wie die gestiftete vor der Brinkumer Kirche, bezieht das Ehepaar Riedebusch aus Bremerhaven. Weil Heiligabend direkt nach dem Wochenende kommt, kann die erfahrene Weihnachtsbaumverkäuferin das Last-Minute-Geschäft in diesem Jahr nur schwer einschätzen. „Es ist jetzt ein kleiner Überraschungseffekt“, sagt sie.

Das Kaufverhalten habe sich im Laufe der Jahrzehnte komplett gewandelt. Als die Rentnerin etwa Kind war, war die Stube an Heiligabend schmucklos. Erst, als die Familie aus der Kirche kam, stand da ein prächtig behangener Baum. „Heute treffen meist die Eltern die Entscheidung gemeinsam mit den Kindern“, hat die Stuhrerin beobachtet. Oft wird der Baum sogar ein paar Tage eher geschmückt, damit er länger bewundert werden kann. „Die Geheimnistuerei ist nicht mehr so groß wie früher.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+