Ob Day of Caring oder Delicious Difference Week - gemeinnützige Einrichtungen profitieren Firmen spenden Arbeitskraft

Osterholz. Seit 2004 forciert die Freiwilligenagentur Bremen den in den USA geborenen Day of Caring, einen "Tag des Kümmerns und Sorgens". Ehrenamtliches Engagement und Spendenwesen genießen in den USA hohes Ansehen. Und auch hierzulande sind die Erfolge der Bremer Agentur mit dem Freiwilligentag sehr beachtlich. Die erfolgreichste Variante des Day of Caring ist, Firmen für einen Freiwilligenarbeitstag zur Förderung sozialer Institutionen oder Einrichtungen zu gewinnen.
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Von Edwin Platt

Osterholz. Seit 2004 forciert die Freiwilligenagentur Bremen den in den USA geborenen Day of Caring, einen "Tag des Kümmerns und Sorgens". Ehrenamtliches Engagement und Spendenwesen genießen in den USA hohes Ansehen. Und auch hierzulande sind die Erfolge der Bremer Agentur mit dem Freiwilligentag sehr beachtlich. Die erfolgreichste Variante des Day of Caring ist, Firmen für einen Freiwilligenarbeitstag zur Förderung sozialer Institutionen oder Einrichtungen zu gewinnen.

Dabei werden die Mitarbeiter vom Arbeitgeber einen Tag lang von den gewohnten Dienstpflichten freigestellt, um ihre Arbeitskraft für wohltätige Zwecke einzusetzen - wobei diese ganz andere Arbeit an einem ganz anderen Ort von manchen durchaus auch als Abwechslung vom gewohnten Stress oder Trott geschätzt wird.

Gleich neun Aktionen dieser Freiwilligenarbeit haben insgesamt 150 Kraft Foods Mitarbeiter jüngst in Kooperation mit der Freiwilligenagentur Bremen und mit dem Wohlwollen ihres Arbeitgebers bewerkstelligt, darunter eine im Mütterzentrum Osterholz-Tenever, eine weitere auf dem Kinderbauernhof der St. Petri Kinder und Jugendhilfe, wo Holzgebäude neue Anstriche bekamen. Im Mütterzentrum Osterholz-Tenever strahlen seit dem Besuch von zehn Kraft Foods-Mitarbeitern die Wände der Kindereinrichtung in frischen Farben, die Spielgeräte des Spielplatzes hinter dem Haus wurden zerlegt, morsches Holz wurde erneuert und alle Teile sind wieder wetterfest in bunten Farben gestrichen.

Wände kunstvoll aufgewertet

Den Zusammenbau der Spielgeräte erledigen später Beschäftigte des Mütterzentrums - nach hinreichendem Trocknen der Farben. Vom Fußweg am Ententeich, der durch den Autobahnbau entstand, schaut man nun auf eine kunstvoll in Altrosa aufgewertete Wand des Cafés, wo neue Porzellanelemente wie Henkel, Tassen oder Zuckertöpfe durch Frost zerstörte Dekorationen ersetzen.

Ein anderer Effekt dieser Einsätze ist, dass sich Mitarbeiter eines Unternehmens, die sich zuvor oft nur als Mail-Adresse bekannt waren, nun persönlich begegnen und ein Gesicht zum Namen bekommen. Während die Kollegen aus Marketing, Ideencenter oder Vertrieb sonst Gleitzeit genießen, müssen hier einmal alle gemeinsam beginnen und fertig werden. Erklärungen können schließlich nicht für jeden Einzelnen stattfinden. Dabei lässt die Fröhlichkeit der Kollegen im Umgang miteinander dann eher an einen Betriebsausflug denken, als an handwerkliche Anstrengungen. Doch es ist schon eine starke Leistung, die Felicitas Berg aus dem Einkauf, Annemarie Schmitz vom Marketing vollbringen, oder auch Verpackungs-Ingenieur Jens Griebel, der vom Schleifen und Schrauben gar nicht genug bekommen konnte. Im Vorweg der Aktion hatte Silvia Suchopar, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Mütterzentrums, über den Bewohnerfonds der Gewoba Gelder besorgt, für die Ersatzhölzer der Spielhäuser und die wetterfesten Farben.

Zudem stand Silvia Suchopar gleich mit eigenem Werkzeugkoffer bereit, um die Geräte abzubauen. Von Schraubendrehern über Steckschlüsselsätze bis zur Schleifmaschine reicht die persönliche Ausrüstung der nicht mehr jungen Dame.

Marco Beuck vom Mütterzentrum hatte dafür gesorgt, dass der Kinderhort weitgehend ausgeräumt war, dass Abdeckplanen gegen unerwünschte Farbtropfer und Terpentin zum Auswaschen von Pinseln bereitstanden, dass Kaffee und Brötchen auf dem Tisch des Café 17 standen und dass es mittags zur Stärkung Nudeln mit zweierlei Soßen gab. Ein Teil der Projektarbeit könne eben nicht abgegeben werden, das sollten interessierte Einrichtungen bedenken, bevor sie sich um einen Day of Caring bemühen, überlegt Ina Gandt als "Teamkäpten" der Kraft Foods-Crew.

Essen und Trinken nicht vergessen

In ihrem Betrieb werden ausgewählte Aktionen, die die Freiwilligenagentur anbietet, vorgestellt. Haben sich genügend Mitarbeiter gefunden, wird ein Teamkäpt'n bestimmt, der die Aktion weiter organisatorisch betreut und wichtige Fragen klärt: Wie kommen wir hin und zurück? Steht Werkzeug zur Verfügung? Gibt es Essen und wenn ja, auch für Vegetarier? Gibt es Erfrischendes oder Heißes zu trinken? Einiges kann oft durch die Freiwilligenagentur abgeklärt sein, denn die schaut sich die Projekte vorher an. Sie vermittelt häufig und lässt keine wichtigen Fragen offen, wie vielleicht die nach einem WC mit Waschmöglichkeit.

Als im Mütterzentrum noch einige Teile der Spielplatzgeräte abgeschmirgelt auf ihren Anstrich warten und andere zum Trocknen auf Böcken lagern, beginnt es zu regnen. Um solche Probleme, was passiert, wenn eine Arbeit nicht fertig wird, müssen sich Nutzer des Day of Caring vorher Gedanken machen. Doch an diesem Tag zieht die Wolke schnell über Osterholz hinweg. Erst nach getaner Arbeit werden die Pinsel ausgewaschen.

Christa Brämsmann bedankt sich bei den fleißigen Helfern, die Hand angelegt haben, wo die eigenen Kräfte des Mütterzentrums nicht ausreichten. Vor der frisch dekorierten Wand und dem noch leeren Platz, ohne die überarbeiteten Spielgeräte, sagt Ina Gandt: "Das hat Spaß gemacht. Hier weiß man, das kommt Leuten zugute, die unsere Hilfe brauchen können."

Bei Interesse zur Teilnahme am Day of Caring, als Spender oder Nutznießer, vermittelt die Freiwilligen-Agentur Bremen, Dammweg 18-20, Telefon 342080, www.freiwilligen-agentur-bremen.de.

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