Entwässerungsgraben nach Starkregen im Juni nicht geräumt / Anwohner kämpft nun mit Wasser im Keller

Flutopfer fühlt sich im Stich gelassen

An den Starkregen vom 21. Juni 2013 wird Jürgen Heidemann täglich erinnert. Das Flutopfer kämpft nicht nur mit den Schäden, die Wasser, Schlamm und Fäkalien hinterlassen haben. Der Graben neben seinem Haus ist nicht geräumt. Wasser drückt in seinen Keller. Die Schuld dafür sieht er bei der Gemeinde und dem Wasser- und Bodenverband.
11.01.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Flutopfer fühlt sich im Stich gelassen
Von Brigitte Lange

An den Starkregen vom 21. Juni 2013 wird Jürgen Heidemann täglich erinnert. Das Flutopfer kämpft nicht nur mit den Schäden, die Wasser, Schlamm und Fäkalien hinterlassen haben. Der Graben neben seinem Haus ist nicht geräumt. Wasser drückt in seinen Keller. Die Schuld dafür sieht er bei der Gemeinde und dem Wasser- und Bodenverband.

Auf den ersten Blick ist von der Katastrophe, die Jürgen Heidemann und seine Familie in den Morgenstunden des 21. Juni 2013 heimsuchte, nichts mehr zu sehen. Aber mit den Folgen des Starkregens, der die Straße Am Wasserwerk und sein Grundstück in einen reißenden Fluss verwandelte, der Keller, Garage sowie Werkstatt mit Schlamm und Fäkalien flutete, kämpft der Hamberger bis heute.

Zwar hat er vieles in Eigenleistung repariert. „Doch jetzt kommt das Wasser stellenweise im Keller hoch“, berichtet er. Die Schuld dafür sieht er beim örtlichen Wasser- und Bodenverband Hambergen und der Gemeinde. Er fühlt sich im Stich gelassen, die Grenzen seiner Geduld sind erreicht. „Wenn hier wieder was passiert, dann ziehe ich vor Gericht“, erklärt er. Auf Nachfrage der Redaktion erklären sowohl Verband als auch Gemeinde, von den aktuellen Wasserproblemen nichts gewusst zu haben und wollen nach Lösungen suchen.

Die Berichterstattung über den Stand der Entwässerungs-Pläne der Gemeinde Hambergen, „stieß mir sauer auf“, erklärt Heidemann der Redaktion. Denn während Politik und Verwaltung verschiedene Varianten prüfen, um das Oberflächenwasser aus dem Ortskern rauszuhalten, habe sich an seiner Situation nichts geändert. „Das Geröll liegt nach wie vor im Graben“, erklärt er. Der Dreck war von den Fluten am 21. Juni in den Entwässerungsgraben neben seinem Haus gerissen worden. „Seitdem steht das Wasser dort ständig 50 bis 60 Zentimeter hoch“, sagt er. Der Boden rings ums Haus sei so gesättigt, dass das Wasser von unten in sein Haus drücke. Pfützen haben sich dort auf dem Boden gebildet. „Das war vor dem Starkregen nicht so“, betont Jürgen Heidemann.

Auch der Durchlass unter der Straße Am Wasserwerk sei bisher durch kein neues Rohr mit größerem Durchmesser ersetzt worden, kritisiert er. Sollte es erneut zu einem solchen Starkregen-Ereignis kommen, würde sich das Wasser wieder seinen Weg über statt unter der Straße hindurch suchen und sein Grundstück in einen Fluss verwandeln, glaubt Heidemann. „1000 Leute sind hier rumgelaufen; schlau geguckt haben sie; aber passiert ist nichts“, sagt er. Bürgermeister Reinhard Kock habe ihm damals in Aussicht gestellt, dass schnell was gemacht werde. Nun habe sein Sohn erfahren, dass sich die Gemeinde erst im Frühjahr 2014 um den Durchlass kümmern werde. Im Winter ginge das nicht. Und um den Graben kümmere sich nicht die Gemeinde, sondern der Wasser- und Bodenverband Hambergen, hieß es.

„Die Gewässerschau war bereits“, berichtet der Vorsitzende des örtlichen Wasser- und Bodenverbandes, Martin Torneden, auf Nachfrage der Redaktion. Dass dort etwas im Argen liege, überrascht ihn. Als sie den Graben begutachteten, sei das Wasser abgelaufen. Das Problem sieht Torneden im Durchlass. Der sei zu klein. Mit Heidemanns Kritik konfrontiert, sagt er: „Dann müssen wir uns noch mal vor Ort beratschlagen. Das Wasser muss ja ablaufen.“ Dem Verband könne nicht daran gelegen sein, dass einem Hamberger durch gestautes Wasser im Graben geschadet werde. „Wir können kurzfristig einen Termin vor Ort vereinbaren“, sagt Torneden.

Bauamt soll Geröll entfernen

„Wir müssen uns dort mit Herrn Heidemann treffen“, erklärt auch Bürgermeister Reinhard Kock. Heidemann habe jetzt die Probleme, da müssten sie ihm auch jetzt im Rahmen ihrer Möglichkeiten helfen. Von dem Wasser, das von unten in den Keller drückt, habe er nichts gewusst.

Auf den Durchlass angesprochen, räumt Kock ein, dass dieser eigentlich zum Herbst hin vergrößert werden sollte. Allerdings lagen da erst die Prüfungsergebnisse vor. Warum deren Zusammenstellung so lange gedauert hat, kann er nicht sagen. Von einer direkten Umsetzung nahm die Gemeinde auf Anraten des Planers Abstand. „Er riet dazu, den Durchlass erst im Frühjahr auszutauschen“, sagt Reinhard Kock. Zurzeit sei es zu nass; das schade der Qualität. Kock: „Die wollte ich nicht gefährden.“ Auch sei der Durchlass so eigentlich völlig intakt, sagt der Bürgermeister. Probleme gebe es ja nur bei einem Starkregen wie im Juni. Eine Priorität hätten sie dort deshalb nicht gesehen.

Hinsichtlich des Gerölls, das den Graben verstopft, bemerkt er: „Ich habe das Bauamt direkt gebeten, es kommende Woche zu entfernen.“ Das Grundwasser-Problem im Keller hält Kock damit aber nicht für gelöst. „Wir müssen dort insgesamt was machen“, vermutet er – nachdem ihm Heidemann berichtet hat, dass irgendwann das Profil des Grabens verändert wurde. Seitdem könne das Regenwasser nicht mehr durch sein Regenrohr in den Kanal abfließen. Kock geht davon aus, dass entweder die Solschalen im Graben tiefer oder eine extra Regenwasser-Leitung gelegt werden müsste. Kock: „Das müssen wir alle zusammen klären“, und meint damit: Gewässerverband, Gemeinde und Flutopfer.

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