Forscher züchten milde Sorte

Hasenhans, der weiß es wohl, am allerbesten schmeckt der Kohl.“ Für die Schüler der „Häschenschule“ mag das zutreffen, für viele andere Kinder wohl eher nicht. Ihnen ist der Grünkohl oft zu bitter. Forscher der Universität Oldenburg möchten das ändern.
08.11.2015, 00:00
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Forscher züchten milde Sorte

Dokotrand Christoph Hahn forscht an der Uni Oldenburg mit Grünkohlpflanzen. Die Forscher interessieren sich für die guten Inhaltsstoffe.

China Hopson

Hasenhans, der weiß es wohl, am allerbesten schmeckt der Kohl.“ Für die Schüler der „Häschenschule“ mag das zutreffen, für viele andere Kinder wohl eher nicht. Ihnen ist der Grünkohl oft zu bitter. Forscher der Universität Oldenburg möchten das ändern. Sie untersuchen seit 2011 verschiedene Kohlsorten auf ihre Inhaltsstoffe und vergleichen sie – dabei haben sie große Unterschiede festgestellt. Ihr Ziel: Durch Kreuzungen verschiedener Pflanzen eine Grünkohlsorte zu züchten, die alle gesunden Inhaltsstoffe enthält, ohne bitter zu schmecken.

Wenn es nach dem Evolutionsbiologen am Institut für Biologie und Umweltwissenschaften, Dirk Albach, geht, soll die neue Oldenburger Superpalme, die Brassica oleracea cv. Oldenburgia , in ein paar Jahren in den norddeutschen Gärten gedeihen.

Wuchsen im Botanischen Garten in Oldenburg in der vergangenen Saison schon 40 verschiedene Grünkohlsorten, so hat das Team um den Biologen Albach in diesem Herbst auf 70 Sorten aufgestockt: blassgrüne, dunkelgrüne, sogar rote sind darunter. „Natürlich wollen wir deutlich machen, welche Vielfalt es gibt“, erläutert Dirk Albach. Ein türkischer Doktorand versuche derzeit, Grünkohl aus der Türkei herbeizuschaffen, erzählt er.

Genau wie bei anderen Obst- oder Gemüsesorten ist auch die Vielfalt beim Grünkohl eigentlich sehr groß. „Wenn Sie in einen Supermarkt oder auf den Wochenmarkt gehen und einen Apfel verlangen, wird man ratlos gucken. Weil es so viele unterschiedliche Sorten gibt“, sagt Albach. Beim Grünkohl sei es derzeit das genaue Gegenteil. Fast überall gibt es im Winter herkömmlichen, kommerziellen, krausen Grünkohl zu kaufen. Aber wer kennt schon den Winnetou oder den Roten Federkohl?

Für die Forscher dienen die vielen Sorten dazu, sie besser miteinander vergleichen zu können. Interessant ist vor allem die Frage, was in ihnen steckt. „Wir unterscheiden dabei drei Stoffgruppen“, erläutert der Biologe. Die im Grünkohl enthaltenen Senfölglykoside dienen der Pflanze als Abwehr gegen Fressfeinde. Aber sie spielen auch eine Rolle bei der Krebsprävention, weil sie die körpereigene Selbstreinigung fördern. Die Flavonoide zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen und wirken antioxidativ, also entzündungshemmend. Auch sie sind nützlich für die Krebsforschung und helfen zudem beim Abbau von Cholesterin. Die Carotinoide sind Vorläufer für das Vitamin A und damit unter anderem gut für die Augen. Wie viel von den einzelnen Gruppen im Kohl steckt, sei stark sortenabhängig, sagt Albach.

Dirk Albach ist Evolutionsbiologe am Institut für Biologie und Umweltwissenschaften in Oldenburg. Er möchte aus Kreuzungen einen neuen Grünkohl züchten, der alle gesunden Inhaltsstoffe hat, ohne bitter zu schmecken. Im Botansischen Garten wachsen derzeit an die 70 Sorten.

Dirk Albach ist Evolutionsbiologe am Institut für Biologie und Umweltwissenschaften in Oldenburg. Er möchte aus Kreuzungen einen neuen Grünkohl züchten, der alle gesunden Inhaltsstoffe hat, ohne bitter zu schmecken. Im Botansischen Garten wachsen derzeit an die 70 Sorten.

Foto: China Hopson

Der Forschung vorausgegangen war eine Bachelorarbeit des Biologie-Studenten Christoph Hahn. Der untersuchte Unterschiede von alten ostfriesischen und neuen, kommerziellen Grünkohlsorten. Hahn betrachtete unter anderem die Entstehung der Krausigkeit des Blattes, er verglich wie schnell die Pflanzen wachsen und dokumentierte die verschiedenen Blattfarben. In seiner Masterarbeit beschäftigte sich der gebürtige Oldenburger mit den Inhaltsstoffen von 40 verschiedenen Sorten.

Eine Lieblingskohlsorte hat Dirk Albach nicht. Schon aus Prinzip. Wobei er den Grünkohl lieber kurz gegart isst als lange auf der Flamme weich gekocht. „Roh unterscheiden sich die Sorten schon“, sagt er. Ob in Salat, auf Pizza oder als blanchiertes Gemüse: Für jedes Rezept bietet sich eine andere Kohlsorte an. „Spannend wird es sein, das Verbraucherpotenzial der unterschiedlichen Sorten zu vermarkten.“

Der italienische Grünkohl Palmizio hat bislang die wenigsten Bitterstoffe und wird daher sogar als Zutat bei der Herstellung einer Praline verwendet. Leider hat er aber auch weniger gesunde Anteile. „Es gibt noch nicht den Grünkohl, der alles kann“, räumt der Biologe Dirk Albach ein.

Aber das soll sich ja nun ändern.

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