Bürgerinitiativen kritisieren Entscheidung Fracking im Landkreis Verden bleibt erlaubt

Landkreis Verden. Die Niedersächsischen Minister für Umwelt und Wirtschaft haben mitgeteilt, auch zukünftig Fracking zu erlauben, jedoch nicht in Schiefergestein. Sandsteinschichten dürfen in Niedersachsen weiter gefrackt werden.
19.03.2014, 00:00
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Fracking im Landkreis Verden bleibt erlaubt
Von Michael Kerzel

Die Niedersächsischen Minister für Umwelt und Wirtschaft haben mitgeteilt, auch zukünftig Fracking zu erlauben, jedoch nicht in Schiefergestein. Sandsteinschichten dürfen in Niedersachsen weiter gefrackt werden, um Erdgas zu fördern. Bürgerinitiativen kritisieren das.

In der Region darf weiterhin gefrackt werden, um Erdgas zu fördern, wenn es nach den Niedersächsischen Ministern Stefan Wenzel (Grüne, Umwelt) und Olaf Lies (SPD, Wirtschaft) geht. In einem Erlass lehnen die Minister Erdgasförderung aus Schiefergestein ab, erlauben jedoch Fracking in Sandgestein ab 2500 Meter Tiefe. Das bedeutet, dass in Völkersen, Intschede und Bötersen Fracking-Technologie eingesetzt werden darf. Die hiesigen Bürgerinitiativen kritisieren das, Langwedels Bürgermeister Andreas Brandt (SPD) zeigt sich enttäuscht.

Wenzel und Lies formulierten in ihrer Mitteilung zudem das Ziel, das mit Benzol und Quecksilber belastete Lagerstättenwasser (Lawa) in die geologischen Formationen zu verpressen, aus denen es gefördert wurde. „Ich habe große Bedenken, Lagerstättenwasser nur einen Kilometer von Trinkwasserressorts entfernt zu verpressen“, sagte Brandt. Bisher sei Lawa noch nie in Havelsandstein in 5 000 Meter Tiefe verpresst worden. „Wenn da was schief geht, kann man das nicht mehr aufhalten“, meinte er. Es müsse in jedem Fall eine wissenschaftliche Begleitung geben, wenn das Lawa verpresst werde. „Das Lagerstättenwasser ist sehr viel giftiger als die Frackflüssigkeit“, sagte Brandt. Das Lawa sei das eigentliche Problem in Völkersen. Er sei enttäuscht über den Erlass. „Das hilft uns hier nicht weiter“, sagte Langwedels Bürgermeister.

Sprecher der Bürgerinitiativen (BI) „No Fracking“, „Langwedel gegen Gasbohren“ und „Wesermarsch ohne Bohrtürme“ kritisierten die Rot-Grüne Landesregierung. Der Erlass könne „in keiner Weise als Fortschritt gegenüber der derzeit als äußerst problematisch einzustufenden Art der Erdgasförderung angesehen werden“. Er sei sogar im Gegenteil geeignet, die bereits aufgetretenen und erkannten Probleme zu legitimieren. „Wir lehnen den Erlass daher in der jetzt vorgelegten Form ab“, teilten die BI-Sprecher mit.

Die RWE Dea begrüßt es, „dass gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden sollen, um die konventionelle Erdgasförderung in Niedersachsen zu sichern“, teilte Konzern-Sprecherin Caroline Flemming mit. Erdgas als Energieträger sei, sagen Lies und Wenzel, ein wichtiger Baustein für die Übergangsphase bis zur Umstellung auf erneuerbare Energien. „Auf seit 30 Jahren bewährte Erdgasfördertechniken in Niedersachsen, also auf die Förderung aus tiefem Sandgestein, können und wollen wir nicht verzichten“, sagte Lies.

Fracking-Folgen unerforscht

Wenzel meinte, dass Erdgasförderung und Umweltschutz nicht gegeneinander ausgespielt werden dürften. „Erdgas als Energieträger ist wesentlich klimafreundlicher als alle anderen fossilen Brennstoffe wie etwa Braun- oder Steinkohle“, sagte Wenzel. Deshalb bleibe dieser Industriezweig noch auf Jahre hinaus ein bedeutender Wirtschaftsfaktor – allerdings nur, wenn die mit der Förderung verbundenen Risiken berücksichtigt würden. Beide Minister lehnten die Erdgasförderung aus Schiefergestein beziehungsweise Tongestein (Fracking aus unkonventionellen Lagerstätten) grundsätzlich ab, da die Risiken derzeit nicht abschätzbar seien. Andreas Brandt bezeichnete das als mutig, da in diesen Gesteinschichten die größten Erdgasvorkommen erwartet werden. Jedoch gebe es im Landkreis Verden keine Schiefergesteinsschichten, aus denen Erdgas gefördert werden könnte. Bürgerinitiativen kritisieren, dass sich die Minister nicht damit auseinandersetzten, ob Fracking in konventionellen Lagerstätten überhaupt eingesetzt werden sollte. Fracking-Folgen seien bis dato unerforscht.

Positiv sieht Brandt, dass die Beweislastumkehr bei Schäden durch Erdbeben zugunsten der Bürger im Bergrecht verankert werden soll. „Das heißt aber nicht, dass die Konzerne alle Schäden bezahlen. Es geht darum, wer die Gutachter bezahlt“, sagte Brandt. In Langwedel habe die RWE Dea die Kosten für den Gutachter in Folge des Bebens im Jahr 2012 freiwillig übernommen. Wichtig sei, dass die vom Wirtschaftsminister versprochene Schiedsstelle eingerichtet werde, sagte Brandt.

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