Syker Theaterwerkstatt feiert Premiere Frecher Pfleger weckt Mordgelüste

Syke. "Minsch arger dich nicht" heißt die neue Komödie der Theaterwerkstatt Syke. Im Mittelpunkt des Stückes stehen die agilen Bewohner eines Seniorenheims, die gegen ihren Pfleger ein Mordkomplott schmieden.
01.03.2010, 17:32
Lesedauer: 2 Min
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Von Dagmar Voss

Syke. Nicht etwa auf der Bühne startete die neue Komödie der Theaterwerkstatt Syke, der Vorhang blieb erstmal geschlossen. Aus dem Hintergrund waren laute Stimmen zu hören, die über etwas Unergründliches palaverten. Dann erschien ein alter Herr mit Seemannskluft und Gehstock in Begleitung einer Pflegerin. Nachdem sie den Herrn hinter die Bühne verfrachtet hatte, begrüßte sie die Anwesenden höchst vergnügt zum "Tag der offenen Tür in der Seniorenresidenz".

Vom Angebot, sich bei Interesse in die ausliegenden Listen einzutragen, hat an dem Abend auf der Diele des Kreismuseums niemand Gebrauch gemacht. Schließlich wollte man sich amüsieren - und das gelang ganz vorzüglich. Mit dem Stück 'Minsch arger di nich' von Florian Battermann hatte sich die Laienspielgruppe eine äußerst humorvolle Aufführung ausgewählt, der die Lacher gewiss waren.

In richtig alte Herrschaften hatten sich die Mitspieler bei der Premiere am Sonnabend verwandelt und spielten mit Freude und Temperament. Zum Inhalt: In der Seniorenresidenz Sonnenblick leben die Bewohner ihren beschaulichen Alltag und pflegen ihre Marotten. Der pensionierte Offizier von Rottow (Frank Mithöfer) hängt alten Schlachten nach, der Ex-Schauspieler Beckmann (Christian Schröder) schwärmt von seiner Glanzzeit am Oldenburger Schauspielhaus und die Damen Klingenberg und Paul (Maren Kanther und Sigrid Schmidt) genießen die Rosen im Garten, stricken, lesen ihre geliebten Krimis und naschen Pralinen - gemeinsam wird ab und zu eine Partie 'Mensch ärgere dich nicht' gespielt. Nur der Seemann vom Beginn bleibt unsichtbar, er ist auf Tauchstation in seinem U-Boot, sprich unter dem Bett.

Bewohner schmieden Komplott

Außerdem proben sie gerade Shakespeares Stück 'Romeo und Julia', bei dem Beckmann seine Zuneigung zu seiner Julia, sprich Käthe Paul, entdeckt. Ihr Lebensabend könnte so schön friedlich und gemütlich verlaufen, wäre da nicht dieses ständige Ärgernis, der Pfleger Max (Hilmar Dunekacke). Er ist respektlos und frech, er kommandiert die Bewohner herum, präsentiert zum täglichen Kaffee den immer gleichen Topfkuchen und stiehlt den Damen ihre Pralinen. Als er dann auch noch Tina (Karen Wülbers), die Enkelin des Obersts, angrapscht, ist das Maß voll. Jeder der Bewohner hat einen guten Grund, Max ganz weit weg zu wünschen, am besten unter die Erde. Ein Mordkomplott wird geschmiedet. Und auch wenn sich Beckmann anfänglich noch etwas ziert, weil er den Rest seiner Tage nicht im Gefängnis verbringen will, so ist er doch bald überzeugt.

Mit Hilfe von Frau Pauls guter Kenntnis der Kriminalliteratur fassen die Verschwörer einen Plan: Alles soll wie Selbstmord aussehen. Zunächst werden die Pralinen vergiftet, dann wollen sie den Körper im Garten an einem Baum aufknüpfen. Sie verfassen einen Abschiedsbrief, der den Selbstmord belegen soll - urkomisch, wie sie sich da ans Werk machen. Am nächsten Morgen sieht man tatsächlich Max im Garten baumeln. Tina taucht auf und benachrichtigt sofort die Polizei, die 'Täter' bekommen es mit der Angst zu tun, doch dann machen sie eine seltsame Entdeckung: Es fehlt keine der vergifteten Pralinen. Wie ist Max nur gestorben? Vielleicht tatsächlich Selbstmord? Oder sein schwaches Herz? Das überraschende Ende soll hier nicht verraten werden, Interessierte können sich noch fünf Aufführungen im März im Kreismuseum anschauen.

Mit vielen Lachern und begeistertem Applaus dankte das Publikum in der proppevollen Diele des Kreismuseums den Darstellern. Noch in der Pause schmunzelte man über Beckmanns Schwärmerei: 'Ihre Teen? sin as Sterne!' und Käthe ganz trocken: 'Jo, abends kümmt se rut.' Nach der Aufführung wurden die Stühle beiseite geräumt für eine kleine Premierenfeier.

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