Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg: In der HNO-Klinik werden auch die Folgen der Evolution behandelt

Früher oder später beginnt jeder zu schnarchen

Rotenburg.Warum ein Facharzt für Hals, Nasen und Ohren (HNO) gleich für drei Bereiche zuständig ist, kann Björn Clasen leicht aus der Evolution des Menschen erklären. „Im Grunde ist das ein Organ, das durch die Schleimhaut des Atemtraktes verbunden ist“, sagt der Chefarzt der HNO-Klinik am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg.
01.11.2013, 00:00
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Früher oder später beginnt jeder zu schnarchen
Von Andreas D. Becker
Früher oder später beginnt jeder zu schnarchen

Der Chefarzt der Hals-, Nasen- und Ohrenklinik des Rotenburger Diakonieklinikums, Björn Clasen (links), demonstriert mit Saskia Wendeburg eine Ohruntersuchung.

FOCKE STRANGMANN

Warum ein Facharzt für Hals, Nasen und Ohren (HNO) gleich für drei Bereiche zuständig ist, kann Björn Clasen leicht aus der Evolution des Menschen erklären. „Im Grunde ist das ein Organ, das durch die Schleimhaut des Atemtraktes verbunden ist“, sagt der Chefarzt der HNO-Klinik am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg. Gemeint sind Nase, Nebenhöhlen und Ohren. In der Entwicklung des Menschen von den amphibischen Vorfahren seien die Ohren in die damaligen Nasennebenhöhlen hineingewandert.

Der Nase kommt laut Clasen dabei eine wichtige Filterfunktion für die Lungen zu. Dabei werden Schmutzteilchen und Krankheitserreger aus der Atemluft gefiltert. „Der Schleim ist im Grunde die Hohlraumversiegelung“, erklärt Clasen das Prinzip. Er ist laufend voller Bakterien, wird geschluckt und im Verdauungstrakt entsorgt. „Atem- und Verdauungstrakt kreuzen sich am Kehlkopf“, sagt der Chefarzt. Im Kopf sei eine ganze Anzahl von Hohlräumen vorhanden, damit der Schädel nicht so schwer sei. Die ausgeprägten Nebenhöhlen kommen laut Clasen nur beim Menschen vor, entstanden sind sie durch die Ausprägung des Gehirns.

Bei einer Erkrankung des HNO-Bereichs kann ein bekanntes Bakterium der Auslöser sein, das ein geschwächtes Immunsystem ausnutzt und den Organismus angreift. „Eine Halsentzündung etwa kommt nicht von außen, sondern von den Nebenhöhlen“, sagt der Chefarzt. Im Falle einer Erkältung sei vor allem wichtig, viel zu trinken und den Schleim zu verflüssigen. Clasen empfiehlt zwei Liter Flüssigkeit pro Tag. „Ohne Kaffee und Alkohol gerechnet“, rät er. Schnarcher sollten einen Liter Wasser täglich mehr trinken. Denn neben der Filterfunktion hat die Nase die Aufgabe, die Atemluft anzuwärmen und mit Wasserdampf zu sättigen. „Kein mechanischer Filter kann das, was die menschliche Nase leistet“, sagt Björn Clasen voller Bewunderung. Das Problem ist nur, dass die Nasenmuscheln auch im Erwachsenenleben weiterwachsen und die Luftversorgung deshalb immer schlechter wird. Das führt nach Angaben des Experten dazu, dass nahezu alle Menschen im zunehmenden Alter anfangen zu schnarchen – früher oder später. „Wenn man durch den Mund atmet, wie es beim Schnarchen der Fall ist, verliert man nachts rund einen Liter Wasser“, sagt Clasen. Das führe dazu, dass der Wasserhaushalt permanent gestört sei, außerdem rieche es wegen der großen Feuchtigkeit in Schlafzimmern häufig muffig.

Zur Volkskrankheit sei mittlerweile die Entzündung der Nebenhöhlen geworden. „Irgendwann erwischt es jeden, und viele merken es nicht einmal“, so der Chefarzt. Schließlich sei die Schleimhaut so groß wie der Fußboden eines Zimmers, und entsprechend viele Bakterien seien darauf verteilt. Viele Menschen bekommen im Laufe ihres Lebens Probleme mit den Mandeln. „Diese Immunorgane sind eigentlich chronisch entzündet, was mit ihren Aufgaben zusammenhängt. Aber wenn die Entzündung zu stark wird und die Mandeln anfangen, Bakterien zu streuen, müssen sie raus“, erzählt Clasen. Entwickelt sich ein Abszess in oder hinter den Mandeln, müssen die befallenen Organe sofort entfernt werden.

Weit verbreitet sind auch Polypen, die sich vor allem im Kindesalter an der Rachenhinterwand entwickeln. Die Betroffenen bekommen schlecht Luft und sprechen durch die Nase. „Bis zur Pubertät bilden sie sich wieder zurück“, sagt der Chefarzt. Ein Gefahrenpotenzial entstehe laut Clasen durch übertriebene Hygiene. „Weil Viren, die gefährlichen Viren Konkurrenz machen würden, abgetötet werden“, sagt er. Mit Blick auf die kommende Grippesaison empfiehlt er: Bettruhe, viel trinken und Vitamine.

In der Rotenburger HNO-Klinik arbeiten außer Clasen drei Ober- und vier Assistenzärzte. Jährlich gibt es rund 3000 bis 3200 Eingriffe.

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