Ritterhuder Grüne und FDP fordern Photovoltaikanlagen in großem Stil / Wirtschaftsbetriebe wollen nur die Hälfte finanzieren

"Für Sonnenenergie notfalls verschulden"

Ritterhude. Die "Prügel", die sie wegen ihres Vorstoßes einstecken könnten, scheuen sie nicht. "Wenn nicht jetzt, wann dann?" argumentieren Peter Wolters (Grüne) und Waldemar Orthmann (FDP) angesichts der Atomreaktorkatastrophe in Japan und fordern, bei der Installation der Dächer von öffentlichen Ritterhuder Gebäuden mit Photovoltaikanlagen nicht nur halbherzig vorzugehen. Notfalls müsse sich die Gemeinde um weitere 1,2 Millionen Euro verschulden.
23.03.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald

Ritterhude. Die "Prügel", die sie wegen ihres Vorstoßes einstecken könnten, scheuen sie nicht. "Wenn nicht jetzt, wann dann?" argumentieren Peter Wolters (Grüne) und Waldemar Orthmann (FDP) angesichts der Atomreaktorkatastrophe in Japan und fordern, bei der Installation der Dächer von öffentlichen Ritterhuder Gebäuden mit Photovoltaikanlagen nicht nur halbherzig vorzugehen. Notfalls müsse sich die Gemeinde um weitere 1,2 Millionen Euro verschulden.

Wie berichtet, hatten die Servicebetriebe im vergangenen Jahr 14 Dachflächen von Schulen, Kindergärten, Dorfgemeinschafts- und Feuerwehr-Gerätehäusern für geeignet befunden, mit Solarkraftwerken bestückt zu werden. Und als der Ritterhuder Photovoltaik-Guru Holger Laudeley dem Finanzausschuss im Dezember vorrechnete, dass die Gemeinde mit Hilfe der Sonne nicht nur gefahrlos Strom produzieren, sondern zugleich die Kasse erheblich entlasten könne, war die große Mehrheit der Ratspolitiker Feuer und Flamme. Schließlich wissen sie um die ausgesprochen positive Resonanz der Bürger auf das vor zwei Jahren in Betrieb genommene Solarkraftwerk auf dem Hamme-Forum.

Für die potenziellen neuen Anlagen errechnete Laudeley Gewinnmargen zwischen 1,9 und 8,9 Millionen Euro. Je nach Laufzeit und Eigennutzung seitens der Gemeinde. Laudeley empfahl den großen Wurf, nämliche alle 14 ausgeguckten Dächer auf einen Schlag mit Modulen zu bestücken. Kosten: rund 2,4 Millionen Euro. Als geeigneter Betreiber der umwelt- und haushaltsfreundlichen Energieproduzenten wurden die Ritterhuder Wirtschaftsbetriebe ausgeguckt. Einstimmig bei einer Enthaltung segneten die Finanzpolitiker der Gemeinde am 6. Dezember vergangenen Jahres einen Antrag des SPD-Fraktionsvorsitzenden Jürgen Kuck ab, wonach die Wirtschaftsbetriebe prüfen sollen, in welcher Betriebsform die Photovoltaikanlagen zu realisieren seien. Doch das kommunale Unternehmen hat jetzt für Ernüchterung gesorgt. Ihr Geschäftsführer Christian Meyer-Hammerström ließ noch einmal von eigenen Gutachtern Wirtschaftlichkeitsberechnungen anstellen. Und die kamen zu dem Ergebnis, dass sich seine GmbH nur mit 1,2 Millionen

Euro an dem 2,4-Millionen-Projekt beteiligen sollte.

Neue Berechnungen

Meyer-Hammerström, der auch an der Spitze der Osterholzer Stadtwerke steht, spricht von einer ausgewogenen und guten Entscheidung. Den beiden Fraktionsvorsitzenden von Grünen und FDP im Gemeinderat reicht das nicht aus. Nicht nur mit Blick auf Japan, sondern auch unter Hinweis auf die viel beschworene Energiewende 2030, die den Landkreis Osterholz energetisch autark machen soll, plädieren sie weiterhin für den "großen Wurf". Zumal die Zeit dränge, da die jetzt noch geltende großzügige Einspeisevergütung am 30. Juni auslaufe. Orthmann: "Wobei sich auch eine geringere Vergütung für die Gemeinde allemal noch lohnen würde."

Das sieht auch Wolters so, der eigentlich jede sich bietende Chance nutzt, um die hohe Verschuldung der Gemeinde zurückzudrehen. Das Gesamtdefizit liegt gegenwärtig bei 45 Millionen Euro. Doch mittel- und langfristig, so Wolters, sorge die Sonnenenergie auf dem Dach auch für Aufhellungen in der Kasse des Kämmerers. Orthmann ergänzt: "Es gibt also gute Gründe dafür, dass sich die Gemeinde noch einmal mit 1,2 Millionen Euro an Schubkraft für die viel beschworene Energiewende 2030 beteiligt." Auch Wolters erinnert in diesem Zusammenhang an die Worte von Bürgermeisterin Susanne Geils, die auf einer Informationsveranstaltung kurz vor Weihnachten im Rathaus erklärt hatte, dass Osterholz in Sachen Energie ein autarker Landkreis werden solle. Wörtlich: "Wir wollen Energie sparen, wir wollen Energie erzeugen."

Nachdem sich die Wirtschaftsbetriebe positioniert haben, muss sich der Finanz- und Wirtschaftsausschuss des Rates nach Auffassung von Wolters und Orthmann jetzt erneut mit der Thematik befassen. Die beiden Ratspolitiker fordern, noch einmal Sachverständige zu Rate zu ziehen.

Die Zeit drängt, denn Anfang Mai dürften die Aufträge für die Installation der "Sonnenfenster" auf den Dächern öffentlicher Gebäude vergeben werden. Aber auch auf den Dächern der privaten Hausbesitzer in der Hammegemeinde zeichnen sich erhebliche Veränderungen ab. Weil das Interesse an der Solarenergie groß ist, soll am kommenden Donnerstag, 24. März, in der Zeit von 14 bis 18 Uhr der "2. Ritterhuder Solar-Infotag" im Kundenzentrum der Stadtwerke, Riesstraße 57, stattfinden.

Mit einem "mutigem Programm" auf den eigenen Dächern könnte die Gemeinde, so Peter Wolters und Waldemar Orthmann, ebenfalls überzeugende Antworten geben.

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