Tierschutzverein benötigt mehr Geld

Höherer Zuschuss nur im Gleichklang

Der Tierschutzverein kümmert sich, wenn in Lilienthal, Grasberg und Worpswede herrenlose Tiere aufgegriffen werden. Die Zuschüsse, die die Gemeinden dafür zahlen, decken bei weitem nicht die Kosten.
29.11.2020, 08:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Lutz Rode
Höherer Zuschuss nur im Gleichklang

Für die Versorgung von Fundtieren benötigt der Tierschutzverein Lilienthal, Worpswede und Grasberg mehr Geld von den drei Gemeinden. Die Zuschüsse decken die Kosten beim Weitem nicht ab.

CARMEN JASPERSEN

Lilienthal. Schon vor einem Jahr hat der Tierschutzverein Lilienthal, Worpswede und Grasberg Alarm geschlagen: Die Zuschüsse, die er für die Versorgung von Fundtieren von den drei Gemeinden bekommt, reichen hinten und vorne nicht aus. In Lilienthal sind nun vorsorglich 30 000 Euro und damit 10 000 Euro mehr als im Vorjahr als Zuwendung in den Entwurf für den Haushalt 2021 eingeplant worden. Damit würde die Gemeinde genau die 1,55 Euro pro Einwohner beisteuern, die laut Verein nötig sind, um die Kosten einigermaßen zu decken. Ob es so weit kommt, hängt davon ab, ob Grasberg und Worpswede mitziehen. Doch dort reagiert man zögerlich und sieht noch weiteren Gesprächsbedarf.

Verein schlägt Kompromiss vor

Der Lilienthaler Tierschutzverein möchte mit den drei Gemeinden einen Vertrag schließen, wie ihre finanzielle Beteiligung künftig aussehen soll. Laut dem Vorsitzendem Sven Peters liegt ein Entwurf vor, der als Kompromiss anzusehen ist: Auf den einen Euro pro Einwohner, der aktuell von den drei Gemeinden bezahlt wird, sollen in den nächsten drei Jahren sieben Prozent Mehrwertsteuer und eine fünfprozentige Erhöhung hinzukommen. Auf weitere Sicht müsse der Schlüssel von 1,55 Euro pro Einwohner angewendet werden.

Die Defizite, gegen die sich der Verein mit viel ehrenamtlichem Engagement und Zuwendungen anderer Art gestemmt hat, ließen sich nicht endlos ausgleichen. Die Grenze des Machbaren ist laut Verein erreicht. Rund 42 000 Euro hat das Minus betragen, das der Tierschutzverein bei der Versorgung der Fundtiere im Jahr 2018 nach eigener Berechnung verzeichnet hat, im Jahr darauf waren es sogar 65 000 Euro, die nicht ausgeglichen werden konnten, wenn man die Zuschüsse sowie die Einnahmen aus der Vermittlung von den entstandenen Kosten abzieht. Der Verein will diese Last nicht länger tragen und verweist darauf, dass er eine Aufgabe erfüllt, für die laut Gesetz die Kommunen zuständig sind. In den Rathäusern gibt es keinen Zweifel, dass es wohl viel teurer wäre, wenn sich die Verwaltung in Eigenregie um die Fundtiere kümmern müsste.

Lilienthal schließt Alleingang aus

2019 sind in den drei Gemeinden insgesamt 156 Katzen, 26 Hunde und sieben Kleintiere von der Schildkröte bis zum Hamster vom Tierschutzverein aufgenommen worden. In diesem Jahr sind es bisher etwas weniger Katzen, dafür aber mehr Hunde. Ihre Versorgung mit Futter, aber vor allem die oft notwendige tierärztliche Versorgung gehen kräftig ins Geld. Die Corona-Pandemie habe die finanzielle Situation zusätzlich verschärft, weil in die Hygieneausstattung investiert und auch Schulungen der Helfer bezahlt werden müsse. Zugleich verzeichnet der Verein einen Rückgang der Geldspenden.

Im Lilienthaler Rathaus zeigt man Verständnis für die finanziellen Nöte des Tierschutzvereins. Vorsorglich hat die Verwaltung die Aufstockung des Zuschusses um ein Drittel im Entwurf für den Haushaltsplan 2021 mit aufgenommen. Fachbereichsleiter Jürgen Weinert machte am Donnerstag bei den Beratungen im Ausschuss für Bürger- und Innere Dienste zugleich deutlich, dass es einen Alleingang von Lilienthal nicht geben wird. „Wir machen das alles nur im Einklang mit Grasberg und Worpswede. Es kann nicht sein, dass Lilienthal 1,55 Euro in den Topf wirft und die beiden anderen Gemeinden bei ihrem bisherigen Anteil bleiben.“ Von dem Kompromiss-Vorschlag des Tierschutzvereins, sich erst einmal auf eine kleinere Lösung für die nächsten drei Jahre zu verständigen und dann die nächste Stufe zu zünden, war in der öffentlichen Runde der Ratspolitiker keine Rede.

In der Gemeinde Grasberg hält man bei den aktuellen Haushaltsberatungen an dem Budget fest, was im Mai 2020 beschlossen worden ist: Nach einiger Diskussion rang sich der Gemeinderat im Frühjahr dazu durch, den Zuschuss von bis dahin 50 Cent auf einen Euro pro Einwohner zu erhöhen, unterm Strich jährlich 7800 Euro. Bürgermeisterin Marion Schorfmann verweist auf diese nach wie vor bestehende Beschlusslage und kündigt an, dass der Betrag auch 2021 unverändert im Haushaltsplan-Entwurf verzeichnet ist. Nächste Woche will der Grasberger Gemeinderat den Etat fürs nächste Jahr beschließen. Schorfmann sieht noch weiteren Klärungsbedarf mit dem Tierschutzverein. In Sachen Zuschuss macht sie klar, dass sich die Grasberger von den Entscheidungen in den beiden Nachbargemeinden nicht abhängig machen wollen.

Schorfmann sieht durchaus Möglichkeiten, die ehrenamtlichen Tierschützer auf andere als die finanzielle Art zu entlasten: So könnte das Grasberger Rathaus die Forderungen verfolgen, die gegenüber den Besitzern von Fundtieren bestehen. Nicht selten komme es vor, dass die Besitzer dem Tierschutzverein die kalte Schulter zeigen, wenn es um die Erstattung von Kosten für die Versorgung der Fundtiere und mögliche Arztkosten geht. Schorfmann hält es für möglich, dass die Gemeinde dem Tierschutzverein das Geld erstattet und die Verwaltung dann die Forderungen gegenüber den Tierbesitzern selbst einzutreiben versucht. Auch in anderen Bereichen sei praktische Hilfe denkbar. Die Bürgermeisterin verweist auf die angespannte Finanzlage und das Defizit von einer Million Euro, das die Kommune für das nächste Jahr erwartet.

Worpswedes Bürgermeister Stefan Schwenke setzt auf eine einvernehmliche Lösung mit dem Tierschutzverein und den anderen Gemeinden. So sei es verabredet worden. Bei den Vertragsverhandlungen müssen laut Bürgermeister noch einige Details mit dem Tierschutzverein geklärt werden. Um handlungsfähig zu sein, plant Worpswede vorsorglich mit einem Betrag von bis zu 1,50 Euro pro Einwohner.

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