Johann Büsens comichafte Werke sind in der Galerie am Stall zu sehen / 40 Gäste bei der Vernissage

Ganz nah an den Pop-Art-Künstlern

Mit Johann Büsen hat Ausstellungsmacher Frank L. Giesen für seine Galerie am Stall einen spannenden jungen Künstler entdeckt. Büsen, der in Bremen bei Peter Bialobrzeski an der Hochschule für Künste studiert hat, zeigt in Hude auch viele neue Arbeiten. Seine Bilder erinnern an die Pop-Art der 1960er-Jahre. Aber Büsen hat die comichafte Erzählweise in seinen Werken zeitgemäß weiterentwickelt.
25.06.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Simone Becker
Ganz nah an den Pop-Art-Künstlern

Der Bremer Künstler und Wahl-Berliner Johann Büsen vor seinem Bild „Analysis“. Der junge Mann, der bei Peter Bialobrzeski an der Hochschule für Künste studiert hat, zeigt in Hude auch viele neue Arbeiten. Sie erinnern an die Pop-Art der 1960er-Jahre.

Sme· Simone Becker

Mit Johann Büsen hat Ausstellungsmacher Frank L. Giesen für seine Galerie am Stall einen spannenden jungen Künstler entdeckt. Büsen, der in Bremen bei Peter Bialobrzeski an der Hochschule für Künste studiert hat, zeigt in Hude auch viele neue Arbeiten. Seine Bilder erinnern an die Pop-Art der 1960er-Jahre. Aber Büsen hat die comichafte Erzählweise in seinen Werken zeitgemäß weiterentwickelt.

Hude. "Worum geht es in Johann Büsens Kunst? Er zeigt Menschen, manchmal hinter Masken, Erotik, Medizin, Medien, wissenschaftliche Zeichnungen und immer wieder Gewalt", sagte Dieter Begemann, der zur Vernissage der Ausstellung "Re:Sort" in der kleinen Galerie am Stall das Werk von Johann Büsen einordnete. Rund 40 Besucher waren gekommen, um die Werke zu sehen, darunter auch der Künstler selbst. Ein guter Anlass für ihn, der in Berlin lebt und arbeitet, alte Freunde aus Bremer Studientagen wiederzusehen.

"Ein Großteil der Bilder in dieser Ausstellung sind erst in diesem Jahr entstanden", erzählt Büsing, der sein Atelier in der Nähe des Tiergartens hat. Dort druckt er die am Computer gemalten Bilder auf Leinwand aus, der digital arbeitende Künstler verwendet für seine Malerei noch ein analoges Medium. Da ist Büsen ganz nah an den Pop-Art-Künstlern, die noch mit Siebdruck gearbeitet haben, während er einen fast klaviergroßen Drucker mit Spezialtinte nutzt. Und auch mit Blick auf die Inspirationsquellen ist Büsen nah an den Pop-Art-Malern. Er sammelt Fotos und Grafiken, häufig auch aus dem Internet. Alles, was ihn fasziniert, wird erstmal archiviert. "Ich mache dann Collagen mit den Fotos."

Büsen montiert die Motive aber nicht einfach nebeneinander, er nutzt sie als Grundlage für seine Malerei. Wo andere einen Pinsel verwenden, arbeitet er mit digitalen Werkzeugen. Anfangs erinnerten seine wandfüllenden Bilder oft sehr an Graffiti von Häuserwänden, "wahre Wimmelbilder", wie Begemann sie beschrieb. Aber mittlerweile ist Büsen in seiner Bildsprache etwas ruhiger und strukturierter geworden. Es gibt zwar immer noch unendlich viele Details in seinen Bildern zu entdecken, aber sie wirken nicht mehr so kleinteilig und voll. Und Büsen habe eine "schräge, schöne Farbigkeit" entdeckt, sagte Begemann. Es ist eine fast schon fröhliche Buntheit, die bei Büsen so noch nicht zu sehen war. Und wo Büsen früher fast nur zweidimensional plakatartig seine Sammlungsstücke montiert hat, kehre nun auch in Ansätzen Perspektive in die Bilder ein.

Büsens Werke seien dabei vor allem auch erzählerisch, der Maler müsse auch als Autor gesehen werden. Seine Bildsprache erinnert durch die Verwendung der Fotos auch immer wieder an Zeichnungen, wie man sie aus Graphic Novels kennt. Büsen schafft eine ähnlich komplexe Aussagestruktur wie in einem "grafischen Roman", wobei die immer wieder auftauchenden militärischen Motive auffallen. Offiziere in langen Mänteln, die an NS-Befehlshaber erinnern, so auch im großformatigsten Werk der Ausstellung, dem aus drei Leinwänden zusammengesetzten "Analysis", in dem zudem eine Kurzstreckenrakete undetoniert zur Hälfte im Boden steckt. Comic-ähnlich ist auch das Motiv in dem Bild "Nurse", auf dem ein verstümmelter Godzilla zu sehen ist. Oben rechts im Bild befindet sich eine Krankenschwester, die einen reptilienartigen Säugling im Arm hält. Das sind wohl die Motive, die Begemann mit "Gewalt" beschrieb. Zimperlich geht Büsen in seinen Bildern jedenfalls nicht vor.

Die Ausstellung ist bis zum 22. Juli zu sehen – donnerstags und freitags 15 bis 19 Uhr, sonntags 11 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung, Telefon: 04408/ 8099848.

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