Filialen im Kreis Verden, Bremen und Cuxhaven

Garde-Bäcker insolvent: Geschäfte laufen weiter

Die Achimer Stadtbäckerei Garde mit ihren 45 Filialen in der Region hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Die Löhne und Gehälter der aktuell 474 Mitarbeiter seien „für die nächsten Monate“ gesichert.
23.05.2019, 16:36
Lesedauer: 2 Min
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Garde-Bäcker insolvent: Geschäfte laufen weiter
Von Kai Purschke
Garde-Bäcker insolvent: Geschäfte laufen weiter

Die Achimer Stadtbäckerei hat Insolvenz angemeldet. Sie betreibt in der Region rund 45 Filialen unter dem Namen „Garde“.

Frank Thomas Koch

Die in Achim beheimatete Bäckerei Garde, die dort in ihrem Handwerksbetrieb Backwaren produziert, und in der Region insgesamt 45 angemieteten Filialen betreibt, hat eine Insolvenz angemeldet. Das bestätigte Geschäftsführer Karsten Jarick am Donnerstagmittag auf Nachfrage unserer Zeitung. „Die Geschäfte laufen erstmal weiter, alles Weitere wird das Verfahren ergeben“, sagte Jarick. Und er erklärte, dass aufgrund der Insolvenzanmeldung die Zukunft des neuen Cafés, das in der Achim Innenstadt ursprünglich bereits in diesem Frühjahr eröffnet werden sollte, nun offen sei.

Sanierung in Eigenverwaltung

Laut einer Pressemitteilung der vom Mittwochnachmittag hat die Achimer Stadtbäckerei GmbH & Co. KG beim zuständigen Amtsgericht in Verden einen Antrag auf Eröffnung eines Verfahrens zur Sanierung in Eigenverwaltung gestellt. "Das Gericht hat diesem entsprochen und die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet", heißt es. Der Geschäftsbetrieb werde uneingeschränkt fortgeführt. Die Löhne und Gehälter der aktuell 474 Mitarbeiter seien "für die nächsten Monate" gesichert.

Unterstützt wird die Geschäftsleitung des Unternehmens demnach durch die Rechtsanwälte Rouven Quick und Andreas Pantlen von BBL Bernsau Brockdorff. Umfangreiche Erfahrung hätten die Beiden auch in der Sanierung von Bäckereibetrieben (zuletzt die Sondermann Brot Gruppe in Drolshagen mit rund 600 Mitarbeitern und vier Vertriebsgesellschaften). Als vorläufigen Sachwalter setzte das Amtsgericht Verden - unterstützt durch die maßgeblichen Gläubiger – den Bremer Rechtsanwalt Malte Köster ein, der als Insolvenzverwalter und Sachwalter ebenfalls über langjährige Expertise in der Sanierung von Unternehmen verfüge, insbesondere auch aus der Bäckereibranche.

„In den kommenden Wochen werden wir Gespräche mit allen wesentlichen Beteiligten aufnehmen und einen Plan zur Neuaufstellung des Unternehmens erarbeiten“, wird Geschäftsführer Jarick in der Mitteilung zitiert. BBL-Anwalt Andreas Pantlen ergänzt: „Gemeinsam werden wir prüfen, ob das Unternehmen im Rahmen eines Insolvenzplans saniert werden kann und parallel einen Prozess zur Investorenansprache aufsetzen.“

Hintergrund des Insolvenzantrags seien demnach stark rückläufige Umsätze seit dem Frühjahr 2018 „sowie die nicht mehr ausreichend gewährleistete Zuführung von externen Mitteln, um alle geschäftlichen Verpflichtungen zu erfüllen und anstehende Investitionen zu realisieren“.

Insolvenz im Jahr 2013 überstanden

Bereits im Jahr 2013 war die Bäckerei in eine finanzielle Schieflage geraten und musste Insolvenz anmelden. Sie gehörte damals zur Siebrecht-Gruppe mit Sitz im nordrhein-westfälischen Brakel, die ein Filialnetz mit 300 Standorten in West-, Ost- und Norddeutschland unterhielt. Eine anhaltende Ertragskrise im Brakeler Stammbetrieb hatte das gesamte Unternehmen in die Misere gestürzt. „Die gut aufgestellten Standorte in Achim und Erfurt wurden mitgerissen“, erzählte Jarick damals. Glück für die diese beiden Betriebe sei gewesen, dass sie während der Insolvenz-Phase vom Hauptsitz in Brakel getrennt wurden. „Jetzt geht es dem Unternehmen besser als je zuvor“, hatte Jarick danach erklärt und die Chance auf einen Neuanfang gesehen.

Mit dem modernen Produktionsstandort in Achim-Uesen ist die Garde-Bäckerei mit ihren Filialen im Kreis Verden, in Bremen und in Cuxhaven vertreten. Die Stadtbäckerei in Achim wurde laut Firmenhistorie 1886 von Bäckermeister August Harries gegründet. Das Unternehmen erwirtschaftete im Jahr 2018 einen Umsatz in Höhe von 15 Millionen Euro.

+++Aktualisiert um 15.48 Uhr+++

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