Netzbetreiber droht mit Stilllegung

Verbraucherberatung berät bei Gasumstellung in Bremen-Nord

Rund 100 Monteure sind derzeit im Bremer Norden unterwegs, um Heizungen auf das neue H-Gas umzustellen. Doch nicht alle alten Anlagen lassen sich problemlos anpassen...
13.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Verbraucherberatung berät bei Gasumstellung in Bremen-Nord
Von Patricia Brandt
Verbraucherberatung berät bei Gasumstellung in Bremen-Nord

Wenn die Monteure von Wesernetz wegen der Gasumstellung unterwegs sind, stoßen sie in Einzelfällen auf Probleme.

Frank Thomas Koch

29.000 Heizungen werden derzeit in Bremen-Nord auf das langfristig verfügbare High-Gas umgestellt. 100 Monteure sind täglich in den Stadtteilen im Einsatz. In den meisten Fällen verläuft die Umstellung problemlos. Doch es gibt Fälle wie den eines Hausbesitzers aus Farge. Seine Heizung ist rund 30 Jahre alt und muss laut Wesernetz ausgetauscht werden, weil sie nicht für das neue Gas taugt. Der Farger hat etwas anderes herausgefunden.

Dennoch droht das Unternehmen nun mit Stilllegung. Wie berichtet, soll die Umstellung die Zukunft der Gasversorgung in Deutschland sichern, da die heimische Förderung von L-Gas zurückgeht. Bis 2021, so das Ziel, sollen alle Stadtteile Bremens umgestellt sein. Der lokale Netzbetreiber Wesernetz hatte bereits 2016 in den ersten Stadtteilen begonnen, Gasthermen, Gasheizkessel und nicht zuletzt Gaskamine zu erfassen.

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Die Gasumstellung in Bremen-Nord läuft auf vollen Touren. Der Netzbetreiber hat den Stadtteil in Sektionen unterteilt, die jeweils geschlossen an einem Tag umgestellt werden. Teile von Burglesum sind laut Wesernetz bereits Ende September auf H-Gas umgestellt worden. Wie Christoph Brinkmann, Sprecher der SWB-Guppe, weiter berichtet, sei die Umstellung in weiteren Teilen von Burglesum, Vegesack und Blumenthal für März beziehungsweise Mai 2021 vorgesehen. Brinkmann: „Das betrifft noch gut 20.000 Haushalte.“ Nicht immer verläuft die Umstellung reibungslos. In Bremen-Nord, so der Eindruck der Energieberaterinnen der Verbraucherzentrale, müssten derzeit viele alte Heizungsanlagen komplett ausgetauscht werden.

Diese seien oft nicht mehr auf das neue Gas anzupassen. Was zu tun ist und wo es Fördermittel gibt, erfahren Nordbremer kostenlos bei der Verbraucherzentrale. Energieberaterin Inse Ewen macht Hausbesitzern Mut: „Wir begleiten den Prozess der Umstellung auf das neue Gas seit rund vier Jahren und stellen fest, dass sich viele Probleme lösen lassen.“ Manchmal fehlten nur die passenden Ersatzteile, um die Heizung auf das neue Gas anzupassen. Es könne sich deshalb im Zweifel lohnen, den Heizungsbauer zu fragen, ob er zufällig genau diese Ersatzteile hat. „Manchmal hängen die Original-Ersatzteile sogar an der Heizung, mit Kabelbinder festgemacht“, berichtet Inse Ewen.

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Im Fall eines Farger Hausbesitzers liegt das Problem anders. Ende September wurde ihm vom Netzbetreiber mitgeteilt, dass sein „Brennwertkessel nach sorgfältiger Prüfung der uns zur Verfügung stehenden Daten vom DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfachs) nicht auf die neue Gasbeschaffenheit H-Gas anpassbar“ ist. In dem Brief drohte ihm der Netzbetreiber sofort mit Stilllegung: „Ein nicht anpassbares beziehungsweise ein technisch nicht zugelassenes Gasverbrauchsgerät kann bei Nutzung der neuen Gasbeschaffenheit eine Gefahr für Leib und Leben bedeuten.“

Widersprüchliche Angaben

Der Nordbremer wunderte sich über das Schreiben, da er in der Original-Montageanleitung des alten holländischen Gasbrennwertkessel von 1991 gelesen hatte, dass dieser an unterschiedliche Brennwerte des verwendeten Heizgases bei Erdgas anpassbar sei. Nicht einmal zusätzliche Teile seien für eine Umstellung notwendig. Lediglich der Druckregler müsse neu eingestellt werden. Das habe er inzwischen schriftlich vom Hersteller. Er fragt sich, wie der Verein des Gas- und Wasserfachs zu seiner Aussage kommt: „Aus meiner Sicht gibt es keine Gründe, warum eine einwandfrei funktionierende Anlage nur aufgrund des Alters ersetzt werden sollte.“

Laut Wesernetz rate der Hersteller der Heizung trotz der vorhandenen H-Gas-Düsen aufgrund des Alters vom Weiterbetrieb ab, da es hier zu Folgeschäden kommen könne. „Wenn er das Gerät weiterbetreiben möchte, muss er einen Vertragsinstallateur finden, der die Verantwortung für den Weiterbetrieb mit H-Gas übernimmt. Das wird aber bei alten Geräten tendenziell schwierig“, sagt Christoph Brinkmann. Für Wesernetz bleibe die Aussage der DVGW-Datenbank verbindlich. „Seitens Wesernetz wird keiner die Verantwortung tragen, denn im Falle eines späteren Schadens würde vor Gericht auch die Aussage aus der DVGW-Datenbank herangezogen.“

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Nach den Worten von Christoph Brinkmann stoßen die rund 100 Monteure, die derzeit in Bremen-Nord unterwegs sind, immer wieder mal auf Schwierigkeiten. "Das sind aber Einzelfälle. Unsere Monteure treffen auf Heizungen aus allen Jahrzehnten. Es gibt Heizungen, die verhalten sich nach der Umstellung merkwürdig und gehen auf Störung.“ Manchmal sorgt ein kleiner Knopf am Gerät für großen Ärger. So brach einer der Wesernetz-Monteure bei der Anpassung einen Drehknopf an der alten Gastherme ab.

„Der Monteur meinte dann, das Teil wäre schon vorher kaputt gewesen. Dabei hat der Schornsteinfeger die Heizung einwandfrei abgenommen“, so die Hausbesitzerin aus Oslebshausen. Nachdem ein Heizungsinstallateur festgestellt habe, dass der Knopf nicht mehr lieferbar sei, habe sie für mehr als 6000 Euro eine neue Therme kaufen müssen. „Ein Problem war auch, einen Heizungsmonteur zu bekommen: Wir hatten drei Wochen kein warmes Wasser.“

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Wesernetz bestätigt, dass der Drehknopf abgebrochen wurde. Doch: „Der Knopf war schon zu Beginn der Arbeiten beschädigt, weswegen den Monteur nach unserer Beurteilung keine Schuld an dem Schaden trifft.“ Brinkmann sagt auch: „Wenn ein Knopf, der zum Drehen da ist, beim Drehen kaputtgeht, dann liegt es normalerweise an der Beschaffenheit des Knopfes.“ Auf Nachfrage beim Hersteller will Wesernetz erfahren haben, dass der beschädigte Knopf trotz des Gerätealters (1999) noch ohne Probleme lieferbar ist. Der Listenpreis betrage 8,94 Euro. Brinkmann: „Für den jetzt entstandenen Ärger ist aus unserer Sicht der Vertragsinstallateur der Kundin verantwortlich, da der Austausch des kompletten Gerätes nicht erforderlich war.“

Weitere Informationen

Die Energieberatung der Verbraucherzentrale Bremen zum Thema Gasumstellung ist kostenlos. Termine können montags bis donnerstags von 10 bis 16 Uhr und freitags von 10 bis 13 Uhr unter der Rufnummer 0421/ 160 777 vereinbart werden. Zu Fördermöglichkeiten finden Interessierte auch auf der Internetseite von Wesernetz (www.gasumstellung.de) Informationen.

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