Demenzcafé im Tarmstedter Gemeindehaus Gedächtnistraining für die Besucher

Tarmstedt. Alle zwei Wochen wird das Tarmstedter Gemeindehaus zu einem Treffpunkt für Demenzkranke. Die Altenpflegerin Elke Jagels und mehrere Ehrenamtliche trainieren liebevoll und auf spielerische Art das Gedächtnis der Besucher.
01.03.2010, 17:32
Lesedauer: 3 Min
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Gedächtnistraining für die Besucher
Von Undine Zeidler

Tarmstedt. Der Tisch ist gedeckt - mit Geschirr und Frühlingsblumen. Geschäftiges Klappern und Stimmen schwirren aus der Küche herüber. Zwei Frauen - Marianne Wacker und Grete Hoops - bemühen sich um eine dritte, helfen ihr aus der Jacke. Hoops beugt sich zu ihr herab, spricht sanft und ruhig mit ihr: 'Du hast einen hübschen Pullover an'. Wacker hält derweil eine Hand der Frau und schiebt ihr behutsam den Ärmel über die Schulter. In wenigen Minuten beginnt das Tarmstedter Demenz-Café.

Jeden zweiten Freitag laden die Altenpflegerin Elke Jagels und ihre ehrenamtlichen Helferinnen zu diesem Treff in das Gemeindehaus in der Kleinen Trift 1 ein. Fünf Helferinnen gehören gemäß Jagels zum festen Kern: Marianne Wacker, Grete Hoops, Erika Fink, Ursel Stein und Brigitte Rugen. Sie sind auch an diesem Nachmittag dabei und zum zweiten Mal der Zivi der Tarmstedter Diakoniestation Henning Gröffel.

Plan für den Nachmittag

Von 15 bis 17 Uhr betreuen sie Demenzkranke. Trinken mit ihnen Kaffee, singen, spielen und basteln mit ihnen und trainieren spielerisch deren Gedächtnis. Leiterin Jagels hat dafür nach eigenem Bekunden ein Konzept. Neben ihrem Kaffeegedeck liegt der Plan für den Nachmittag. Darauf stehen Stichworte wie 'Frühjahr, Haus, Garten, Gedichte'. Um diese Themen soll sich das Tischgespräch während des Kaffeetrinkens ranken. Die Atmosphäre ist familiär. Jagels und die Helferinnen plaudern zwanglos mit den Kaffeegästen. Überwiegend in Plattdeutsch und nur gelegentlich wechseln sie nahtlos ins Hochdeutsche über.

Jagels spricht jeden Besucher an der Kaffeetafel an, sucht dabei den Blickkontakt. Beispielsweise beugt sie sich zu dem einzigen Mann der Runde hinüber. Sagt lächelnd Vater zu ihm und nennt ihn beim Nachnamen. Laut fragt Jagels - weil er schlecht hört - in ihrem geschmeidigen Plattdeutsch: Was hast du getan, während deine Frau Frühjahrsputz hielt? Seine Antwort sorgt für Gelächter. Für seinen Humor werde er in der Gruppe geliebt, erzählt Jagels.

Das Plattdeutsche nutze sie viel, hatte Jagels zuvor erzählt. Das schaffe einen schnelleren Zugang zu den Menschen, ein Gefühl von 'gleichgesinnt' entstehe. Während des Tischgespräches sind es viele kleine Gesten, die auf die zugewandte Atmosphäre im Demenz-Café hindeuten: Finks geduldige Hilfe für ihre Stuhlnachbarin beim Essen oder Wacker, die ihre Nachbarin liebevoll an der Hand hält und beim Geburtstagslied drückt. Seit vielen Jahren sind die Helferinnen dabei, erzählen sie. So ganz genau lassen diese sich jedoch nicht mehr beziffern. Auf fünf oder sechs einigen sich Wacker und Stein.

Unter dem Dach der Diakonie wurde das Café von Brigitte Cleve gegründet, erzählt Jagels. Sie habe die Leitung vor etwa zweieinhalb Jahren übernommen. Ihr Antrieb dazu: 'In meiner Jugend habe ich gelernt, dass man die Älteren ehrt und wertschätzt. Sie haben ihr Leben lang viel geleistet.' Jetzt sei es an der Zeit, ihnen etwas zurückzugeben.

Um Wertschätzung für die Alten geht es auch Hoops, die nach eigener Angabe seit eineinhalb Jahren beim Demenz-Café dabei ist - weil sie gut mit alten Menschen umgehen könne und sich dort gebraucht fühle. 'Etwas Sinnvolles tun' wollte auch Wacker, die sich in diese Arbeit zunächst 'hineinfinden' musste. Stein wollte aus ihrer Erfahrung heraus diesen Menschen helfen. Sie hatte nach eigenem Bekunden ihre Mutter sechs Jahre gepflegt und Rugen setzt im Ehrenamt fort, was einst ihr Beruf war, die Betreuung von alten Menschen. 'Man freut sich so richtig herzukommen', sagt sie über das Demenz-Café. Anschließend wenden sich die Helferinnen wieder ihren Gästen zu. Ein großes Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel ist aufgebaut und Hoops spielt der ehemaligen Chorkameradin auf der Mundharmonika bekannte Melodien vor.

Planmäßig gibt es das nächste Demenz-Café am Freitag, 12. März, ab 15 Uhr im Gemeindehaus, Kleine Trift 1. Interessierte können sich bei Elke Jagels unter der Nummer 04283/1234 informieren.

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