Blühende Wiesen in Tarmstedt Gedeckter Tisch für Biene und Co.

Peter Hoops hat in Tarmstedt und umzu auf 50 000 Quadratmetern Blühwiesen anlegen lassen. Die EU finanziert das Projekt, kontrolliert aber auch streng.
15.08.2018, 17:31
Lesedauer: 2 Min
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Von Johannes Heeg

Tarmstedt. Wer Bienen und Hummeln was Gutes tun will, braucht mitunter starke Nerven. Insbesondere dann, wenn er die Blühflächen mit Hilfe von EU-Förderprogrammen anlegt. „Das ist mit viel Bürokratie und strengen Kontrollen verbunden“, sagt Peter Hoops. Trotzdem bereut der 48-jährige Tarmstedter sein Engagement keine Sekunde: „Das Bienen- und Insektensterben schreitet weiter voran, wir müssen was tun.“

Hoops hat was getan. 2016 hat er in Tarmstedt und umzu insgesamt fünf Hektar Acker in blühende Landschaften verwandelt. Oder verwandeln lassen, denn die Arbeit hat ein Lohnunternehmen aus Wehldorf für ihn erledigt. Hoops hat verschiedene Blühmischungen ausprobiert, die er nicht so optimal fand, bevor ihn der Tarmstedter Gärtner Michael Kranz auf die „Verdener Mischung“ aufmerksam gemacht hat. „Da sind Samen von elf Pflanzen drin, die nacheinander von Mai bis Oktober blühen. Das funktioniert bis jetzt ganz prima. Zu jeder Zeit blühen mindestens zwei Sorten.“ Die Verdener Mischung, auch „Vielfalt hoch elf“ genannt, sei von Heinrich Kersten zusammengestellt worden, einem Praktiker, der selbst auch Imker sei. Im Moment dominieren die großen Sonnenblumen die Bienenweiden. Kaum eine, auf der nicht mindestens eine Hummel sitzt.

Um die Bevölkerung über Sinn und Zweck der Blühwiesen zu informieren, hat Hoops an jeder seiner fünf Flächen Hinweisschilder aufgestellt. Von Landvolk und Landwirtschaftskammer gefördert, informieren sie Spaziergänger und Radfahrer über die neue Artenvielfalt inmitten der ausgeräumten Landschaft.

Hoops will den Landwirten gar keinen Vorwurf machen. „Die Landwirtschaft wird gezwungen, immer betriebswirtschaftlicher zu arbeiten. Wachsen oder Weichen, das sind die Möglichkeiten.“ Seit Jahrzehnten gingen durch das Zusammenlegen von Flächen immer mehr Feldraine verloren. „Dadurch geht die Artenvielfalt auf Wiesen und Äckern verloren. Blütenreiche Wiesen und Säume sind fast ganz verschwunden“, sagt Hoops.

Seinen Einsatz für die Bienen bekommt Hoops von der EU mit 700 Euro je Hektar und Jahr vergütet. Kooperiert er dabei mit einem oder mehreren Imkern, gibt es noch mal jeweils 100 Euro oben drauf. Das Geld kann er allerdings nicht komplett einstecken, denn Saatgut und Lohnunternehmen wollen schließlich bezahlt werden. Ausgezahlt wird die Subvention auch nur, wenn sämtliche Vorgaben der EU eingehalten werden. So müssten bei den unangemeldeten Kontrollen durch die Landwirtschaftskammer stets mindestens fünf der erlaubten 20 Blühpflanzen auf den Flächen nachweisbar sein. Sind es weniger, wird die Förderung gestrichen. Auch würden die gemeldeten Flächen genau vermessen: „Kahle Stellen werden abgezogen, der Zuschuss reduziert“, berichtet Hoops. Düngen ist verboten, nicht mal Mist dürfe aufgebracht werden. Nur Kalk sei erlaubt. Die auf fünf Jahre angelegte „Agrarumweltmaßnahme“, wie das Projekt auf Bürokratendeutsch heißt, läuft bis 2021. Trotz des Aufwands ist Hoops froh über sein Werk. „Ich sehe da so viele Bienen und Schmetterlinge, aber auch Eidechsen. Das ist ganz wunderbar“, freut sich der Naturfreund. Bewusst habe er für seine Blühwiesen nur Flächen ausgewählt, die aufgrund ihrer Beschaffenheit für Bauern nicht gut nutzbar seien.

Der Bezug zur Landwirtschaft ist ihm praktisch in die Wiege gelegt worden, die Großeltern mütterlicher- wie väterlicherseits waren Bauern. Peter Hoops hat nach der Schule eine Landschaftsgärtnerlehre begonnen, die er aufgrund einer langwierigen Erkrankung allerdings abbrechen musste.

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