„El Camino“: Menschen mit und ohne Behinderung pilgern zusammen / Etappe endet in Wildeshausen Gemeinsam auf dem richtigen Weg

Über 350 Menschen haben gestern die dritte Etappe des Projekts "El Camino" bewältigt. Menschen mit und ohne Behinderungen sind gemeinsam von Harpstedt nach Wildeshausen gepilgert. Das etwa 17 Kilometer lange Teilstück des Weges, der von Bremen nach Osnabrück führt, bot dabei wieder viele Gelegenheiten, das Miteinander zu suchen und zu finden.
24.05.2013, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Marco Julius

Über 350 Menschen haben gestern die dritte Etappe des Projekts "El Camino" bewältigt. Menschen mit und ohne Behinderungen sind gemeinsam von Harpstedt nach Wildeshausen gepilgert. Das etwa 17 Kilometer lange Teilstück des Weges, der von Bremen nach Osnabrück führt, bot dabei wieder viele Gelegenheiten, das Miteinander zu suchen und zu finden.

Landkreis Oldenburg. Es ist ein Wort, das immer wieder fällt. Ein Wort, das ausdrücken soll, was das Pilgerprojekt "El Camino 2013" ausmacht: Gemeinschaft. In zehn Etappen pilgern Menschen mit und ohne Behinderung von Bremen nach Osnabrück. Der Weg ist Teil des Baltisch-Westfälischen Jakobsweges von Polen über Usedom und von Skandinavien über Flensburg zum Apostelgrab des heiligen Jakobus in Santiago de Compostela in Spanien. Gestern stand die dritte Etappe auf dem Plan. Von Harpstedt ging es nach Wildeshausen. Pastorin Sabine Spieker-Lauhöfer, verantwortlich für die Tagesetappe, war schon zur Halbzeit bei der Mittagspause auf Hof Schwarting in Mahlstedt/Winkelsett begeistert: "Über 350 Pilger sind auf dieser Etappe dabei, es ist ein tolles Bild, das diese Gemeinschaft abgibt."

Auch Christa Espelage aus Vechta, die zum ersten Mal auf einem Pilgerweg unterwegs ist, und gleich mehrere Etappen läuft, sagte gestern: "Man lernt so schnell neue Leute kennen, kommt direkt ins Gespräch und fühlt sich wohl in der Gemeinschaft." "Gemeinsam auf dem Weg" lautet auch das übergreifende Motto des Pilgerweges. Die Gemeinschaft lässt sich nicht nur auf dem Hof Schwarting mit Händen greifen.

Begegnungen mit Weggefährten, mit dem eigenen Ich und mit Gott, das soll der Weg bieten. Die Initiative für "El Camino 2013" ging vom Caritas-Verein Altenoythe aus. Das Bistum Osnabrück und das Bischöflich Münstersche Offizialat Vechta haben dann gemeinsam eingeladen. "Die Schöpfung mit neuen Augen sehen", sagten Bischof Franz-Josef Bode und Weihbischof Heinrich Timmerevers, die gestern beide die Gemeinschaft der Pilger suchten, das sei eine weitere Möglichkeit, die das Pilgern schaffe.

Über 100 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter aus Einrichtungen der Behindertenhilfe, aus Verbänden und den Bistümern waren und sind noch mit der Organisation beschäftigt. Menschen mit und ohne Behinderung profitieren von der guten Organisation. "Bisher hat alles geklappt", freute sich Sabine Spieker-Lauhöfer. Auch wenn der bange Blick ob der grauen Wolken immer wieder Richtung Himmel ging, blieb es lange trocken. "Da habt ihr aber den richtigen Draht nach oben", sagte Landwirt Schwarting. Wem der Weg mitunter zu beschwerlich wird, der wird per Bus eingesammelt. "Die Strecke von Harpstedt nach Wildeshausen ist die kürzeste auf dem Weg", sagte Spieker-Lauhöfer, die besonders das Engagement des Ökumene-Forums Wildeshausen hervorhob.

"Es ist schön zu spüren, mit wie viel Herzblut die Pilger, aber auch die Helfer dabei sind", sagte Karin Ternieten aus Weyhe, die sich auch zum ersten Mal auf einen Pilgerweg gemacht hat. "Ich habe es nicht bereut", sagt sie. Auch wenn sie zugibt, dass das Wandern auch beschwerlich sein kann. Aber auch hier zähle am Ende eines Tages das Gefühl, in der Gemeinschaft einen Weg gemeistert zu haben.

Die gestrige Etappe stand unter dem Bibelwort "Dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht". In der Mittagspause konnten die Teilnehmer dann mit verschiedenen Materialien ihren eigenen individuellen Pilgerstab gestalten. Landwirt Holger Schwarting fotografierte munter das Treiben auf seinem Hof. So viele Gäste hat man schließlich nicht alle Tage.

Auf der gestrigen Wanderung, die an der Christuskirche zu Harpstedt startete, gab es neben der Pause auf dem Hof einen weiteren Halt am Jüdischen Friedhof und eine Pause bei der Diakonie Himmelsthür, ehe der Zielpunkt, der Gildeplatz in Wildeshausen, erreicht wurde. Mit einer Bischofsvesper in St. Peter klang der Tag aus. Pilger, die heute auf der vierten Etappen von Wildeshausen nach Visbek wandern, werden froh gewesen sein, danach ein wenig Ruhe gefunden zu haben. Zwischen 30 und 50 Pilger, so schätzt Spieker-Lauhöfer, wandern den kompletten Weg, also rund 170 Kilometer an zehn Tagen. Andere laufen bis zu fünf Etappen mit, der Großteil der Teilnehmer aber kommt nur für einen Tag dazu. Gerade für Menschen mit Behinderungen ist die Strecke eine Herausforderung. Aber gemeinsam ist vieles möglich.

"Es ist das Besonders an diesem Projekt, das Menschen ohne Behinderung und Menschen mit Behinderung sich treffen und austauschen – und sich helfen", sagte Irene Block vom Caritas-Verein Altenoythe. Die Teilhabe, der Gedanke der Inklusion komme im Alltag oft zu kurz. "Die Pilger leben diesen Gedanken", freute sich Block. Dabei, und das ist Block wichtig, erhalten auch die Nichtbehinderten etwas zurück: Lebensfreude, Dankbarkeit, Zuverlässigkeit und Entschleunigung.

Die Spiritualität und das Glaubenszeugnis kommen auf der Wallfahrt nicht zu kurz. Pilgerlieder, Gebete, der Gong am Morgen, Mittag und Abend: der Weg, so haben es die Veranstalter angelegt, ist ein Zeugnis des Glaubens und des Innehaltens – und ganz im Sinne der christlichen Werte dient der gemeinsame Weg als Zeichen des Für- und Miteinanders von Menschen, eben der Gemeinschaft.

Gemeinsam auf dem richtigen Weg

„El Camino“: Menschen mit und ohne Behinderung pilgern zusammen / Etappe endet in Wildeshausen

Zitat:

"Es ist ein tolles Bild,

das diese

Gemeinschaft abgibt."

Pastorin Sabine Spieker-Lauhöfer

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