Prozess nach EWAP in Hüttenbusch Körperverletzung bleibt unaufgeklärt

So ganz genau erinnern konnten sich weder der Angeklagte, noch die Zeugen oder das Opfer. Klar war nur: Es gab eine Körperverletzung bei der der Erntewagen-Abschlussparty in Hüttenbusch im vergangenen Jahr.
26.08.2020, 20:02
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Von Friedrich-Wilhelm Armbrust

Worpswede/Osterholz-Scharmbeck. Am Ende des Prozesses gegen einen 34-Jährigen aus Scheeßel stand ein Freispruch. Daran war nicht zu rütteln. Wegen Körperverletzung sollte er sich verantworten. Klar war, am Ende der Erntewagen-Abschlussparty (EWAP) am 9. November des vergangenen Jahres in Hüttenbusch hatte es eine körperliche Auseinandersetzung gegeben. Offen blieb aber die Frage, wie der 34-Jährige überhaupt auf die Anklagebank gekommen war. Man hätte sich darüber eine Aufklärung gewünscht, meinte der Verteidiger des 34-Jährigen. Das aber gestaltete sich schwierig, denn alle Beteiligten hatten so ihre Erinnerungslücken.

Eine heute 22-jährige Kreisstädterin ist nach ihrer Aussage beim Verlassen der Party von einer ihr unbekannten Frau angeschrien und angerempelt worden. Dabei sei sie zu Boden gegangen. „Ich lag da auf der Erde. Die Frau hat auf mich eingetreten.“ Auch eine zweite Person sei in die Attacke einbezogen gewesen, sagte sie als Zeugin im Prozess im Amtsgericht aus. Ein Mann habe auf ihr gesessen. Die nachgewiesenen Folgen: eine Nacht im Kreiskrankenhaus und eine Gehirnerschütterung. Bis Mitte November sei sie krankgeschrieben gewesen, so die Kreisstädterin. Vier Wochen hat sie nach ihren Worten noch unter Schwindel und Übelkeit gelitten.

Auf die Frage von Strafrichterin Johanna Kopischke, wie es um ihren Alkoholkonsum bestellt gewesen sei, sagte die 22-Jährige: „Cola und Korn, über den Abend verteilt. Ich war normal gut dabei.“ Diese Frage stellte die Richterin auch weiteren Zeugen. Der 21-jährige Ex-Freund der Kreisstädterin aus Heilshorn entgegnete, er habe auf dem Erntewagen getrunken und sei angeheitert gewesen. „Ich war angetrunken, konnte aber noch geradeaus gehen“, war die Antwort eines weiteren 25-jährigen Zeugen.

Alle Zeugen befragte die Richterin, ob sie einen der Anwesenden als Angreifer wieder erkennen würden. Alle drei verneinten diese Frage nach einem Rundblick durch den Saal. Der 21-Jährige erinnerte sich daran, dass die Kreisstädterin von „einer jungen Frau angepöbelt“ worden sei. Er sei deshalb dazwischen gegangen. Dann habe er einen Schlag von hinten erhalten und sei hingefallen. Anschließend hat der Heilshorner nach seinen Worten versucht, eine Person von der am Boden liegenden Frau zu ziehen. „Dann war schon die Polizei vor Ort und hat das schnell geregelt.“

Der angeklagte Scheeßeler hatte nach seiner Aussage mit Kollegen zeitgleich die Party verlassen. „Ich war schon sehr gut angetrunken“, räumte er ein. Seinen Kollegen habe er noch Jacken in die Hand gedrückt. „Ab dann weiß ich nichts mehr. Erst als die Polizei da war, da musste ich pusten, ab da weiß ich wieder was.“ Der 34-Jährige hatte selbst auch eine Verletzung an der Nase davon getragen. Es blieb aber offen, wo die hergekommen war. Nach der Beweisaufnahme stand für Staatsanwältin, Verteidiger und Richterin fest: Der Scheeßler ist freizusprechen.

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