Haus am Burgberg verfällt seit Jahren Gerüchte und Geschichten um "Spuk-Villa"

Die leerstehende Villa am Burgberg in Verden übt einen gespenstischen Reiz aus. Für Jugendliche etwa ist ein nächtlicher Besuch eine Art Mutprobe, andere glauben, dass in dem Haus übernatürliche Phänomene am Werk sind.
21.09.2013, 00:00
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Gerüchte und Geschichten um
Von Marius Merle

Die verlassene Villa am Burgberg in Verden übt einen gespenstischen Reiz aus. Für Jugendliche etwa ist ein nächtlicher Besuch eine Art Mutprobe, andere wiederum glauben, dass in dem Haus übernatürliche Phänomene am Werk sind. Im Internet kursieren verschiedene Erfahrungsberichte über heimliche Besuche der Villa. Gerüchte zur Geschichte des immer weiter zerfallenden Hauses sorgen zudem zuverlässig für Gänsehaut.

Gepflegte Grundstücke mit Gärten prägen das Bild am Verdener Burgberg. Doch mitten in dieser Idylle steht ein Haus, das bereits seit vielen Jahren weiter und weiter verfällt. Der Garten gleicht einem kleinen Urwald, der den Weg zur Eingangstür fast vollständig versperrt. Und Scheiben gibt es in den von der Straße aus sichtbaren Fenstern schon lange nicht mehr. Um dieses Haus, das vielen nur als „Alte Villa in Verden“ bekannt ist, ranken sich zahlreiche Geschichten und Gerüchte. Oftmals ist dabei von Spuk die Rede, der angeblich im Haus für mysteriöse Ereignisse verantwortlich sein soll.

Dass sich nachts bereits seit vielen Jahren immer wieder Menschen unerlaubt Zugang zum Haus verschaffen, ist ein offenes Geheimnis. „Ich habe so etwas schon häufiger mitbekommen“, erzählt eine Nachbarin. Und eine andere Anwohnerin weiß zu berichten, dass an manchen Tagen zu erkennen sei, dass jemand in der Nacht zuvor auf dem Grundstück gewesen sei. Auch die Polizei hat Kenntnis davon. „Es gibt vereinzelte Einträge, dass Jugendliche da gewesen sind“, sagt Anika Wrede, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Verden.

„An einen Spuk glaube ich nicht, bei mir war es eher die Abenteuerlust und eine Mutprobe“, beschreibt eine 19-jährige Verdenerin die Gründe, weshalb sie nachts in das Haus eingestiegen ist. Viel größer als die Angst vor einem Spuk sei dabei die Angst davor gewesen, von den Nachbarn erwischt zu werden. Mysteriöses konnte auch ein junger Verdener bei seinem „Besuch“ vor einiger Zeit nicht ausmachen. Eingestiegen sei er, weil von dem alten Haus „ein gewisser Reiz“ ausgehe, aber nicht, um einen möglichen Spuk auf dem Grund zu gehen.

Dass es aber durchaus zahlreiche Menschen gibt, die an einen Spuk und übernatürliche Ereignisse in dem Haus glauben und dies teilweise auch selbst schon miterlebt haben wollen, zeigt ein Blick in diverse Internetforen. „Es stimmt, dass es da spukt, und es soll auch schon des Öfteren aufgefallen sein“, schreibt etwa eine Person unter dem Nutzernamen „Orisiorden“. Und „Kurayami“ ist sicher, „dass dort einige Sachen vor sich gehen, die einfach unerklärlich sind“.

Viele der Leute, die sich in diesen Foren austauschen, berichten unter einem Pseudonym detailliert über ihre Erfahrungen und Empfindungen. „Die Villa hat mir beim reinen Anblick eine unglaubliche Angst gemacht... sie hat in mir eine Art beklemmende Stimmung hervorgerufen“, beschreibt etwa „Miss Mogwai“ die Gefühlslage, als sie der alten Villa am Verdener Burgberg erstmals einen Besuch abstattete.

Dabei ist das Betreten des Grundstücks und des Hauses nicht nur strafrechtlich verboten, sondern durchaus gefährlich – auch ohne jeden Spuk. Besonders im Dunkeln ist die Verletzungsgefahr in dem verfallenden Gebäude hoch. Viele unerlaubte Einsteiger berichten davon, dass die Böden und Decken bereits sehr morsch sein. „In einer Decke ist sogar ein großes Loch, durch das wohl bereits etwas oder jemand durchgefallen ist“, berichtet ein Verdener Jugendlicher. Wem beim verbotenen Aufenthalt im Haus etwas zustößt, der hat kein Recht auf einen Schadensersatz. „Einsteiger haben keine Chance, bei einem Zwischenfall Ansprüche beim Hauseigentümer geltend zu machen“, betont der Verdener Rechtsanwalt Rüdiger Banse. Wer unerlaubterweise in ein verfallendes Gebäude geht, der habe selbst Schuld, wenn ihm etwas dabei zustoße.

Wie das Haus überhaupt zu seinem unheimlichen Ruf gekommen ist, lässt sich aus den Beiträgen im Internet nur vermuten. Viele merkwürdige Geschichten existieren über den Hauseigentümer und die Frage, warum er das Grundstück so verkommen lässt. Bekannt ist nur, dass sich die alte Villa offenbar im Privatbesitz befindet.

In den Internetforen berichten Leute, die laut eigener Aussage selbst einmal in dem Gebäude waren, von Pentagrammen an den Wänden und Tierkadavern, zum Teil an Seilen von der Decke hängend. Die Rede ist auch von angeblichen schwarzen Messen, die Satanisten dort abgehalten haben sollen und bei denen auch Tiere geopfert worden sein sollen. Von toten Tieren im Haus spricht auch ein 20-jähriger Verdener, der in der Nähe der Villa wohnt und selbst schon mal im alten Gebäude gewesen sein will. „Da lagen eine tote Katze und eine Taube ohne Kopf. Das sah ein bisschen aus wie in einem schlechten Horrorfilm“, sagt er.

Bei der Polizei ist von solchen schwarzen Messen nichts bekannt, was die Existenz aber auch nicht wirklich ausschließt. „Ob es solche Fälle gab, lässt sich nicht mehr zurückverflogen, und ob die Polizei so etwas überhaupt mitbekommen würde, ist sehr fraglich“, erklärt Wrede. Es sei nicht so, dass solche leer stehenden Objekte speziell überwacht würden.

Eine Vermutung, wie es überhaupt zu den Mythen und Geschichten kommt, hat Wrede aber: Wenn ein Haus längere Zeit leer stünde und verfalle, sei so eine solche Entwicklung doch ganz normal, sagt die Polizei-Sprecherin. Und auch in den Internetforen suchen einige der Mitglieder eher nach rationalen Erklärungen dafür, wieso das Haus auf viele einen großen Reiz ausübt und es dort spuken soll. So schreibt „ylayazz“: „Ich glaube, das Haus hat seinen Ruf nur, weil es völlig zerfallen in einer ansonsten sehr gepflegten und schönen Straße steht.“

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