Der Brötchenbursche

Nicht nur Backwaren bis zur Haustür

Der Brötchenbursche aus Syke, Sebastian Fiedel, hat durch die Corona-Lage viele Kunden gewinnen können. Seit diesem Jahr liefert er nicht mehr nur Backwaren, sondern auch weitere Lebensmittel.
26.10.2020, 17:45
Lesedauer: 3 Min
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Von Sarah Essing

Syke-Gessel. Frische Brötchen gleich morgens bis an die Haustür – „der Luxus des kleinen Mannes“, nennt Sebastian Fiedel das. Mit seinem Lieferservice „Der Brötchenbursche“ bietet er als Franchisenehmer des bundesweiten Betriebs diesen kleinen Luxus seit 2012 in der Hachestadt. Zunächst nebenberuflich, seit 2017 in Vollzeit und zusätzlich auch in Bremen. „Das Angebot schlug ein wie eine Bombe“, sagt er selbst über sein Geschäft, das seitdem Jahr für Jahr wuchs. Doch in diesem Jahr explodierte es förmlich. Grund dafür? Die Corona-Pandemie.

„Viele mochten nicht mehr aus dem Haus gehen“, erinnert sich Sebastian Fiedel an die Anfänge der Pandemie im März. Immer mehr seiner Kunden fragten nach, ob er auch etwas anderes als Backwaren bis an die Haustür liefern könnte. Ein Gedanke, mit dem sich der gelernte Außenhandelskaufmann ohnehin schon seit einiger Zeit beschäftigte. „Mit Backwaren allein ist der Umsatz nicht so groß.“ Daher war der Gedanke, zu den Brötchen fürs Frühstück könnte man ja auch Butter und Marmelade liefern, schon länger da. „Eigentlich wollte ich bis zum Sommer damit warten“, sagt er. Doch Corona ließ ihn schnell werden.

Das Konzept hatte der Gesseler schon im Kopf. „Wir sind ja sowieso schon unterwegs. Da macht es keinen Unterschied, ob wir mehr liefern“, sagt Fiedel dazu. Das Angebot wurde daher bereits im April ausgeweitet, und es blieb bei weitem nicht nur bei Marmelade und Butter. „Wöchentlich kamen neue Produkte dazu“, sagt er. „So können wir nun das ‚Gröbste‘ abdecken.“ Milch und Milchprodukte, Wurst, Obst, Gemüse, Eier, Nudeln, Senf und Soßen, Getränke, Honig und sogar Chips liefern seine rund 50 Mitarbeiter seitdem aus. Ausschließlich von regionalen Anbieter, wie Fiedel betont. „Es gibt viele tolle Produkte in der Region“, ist er überzeugt. „Und die Leute wollen regionale Produkte.“ Die wenigsten nehmen dafür allerdings in Kauf, von Hofladen zu Hofladen zu fahren, weiß er auch. Sein Lieferservice bündele daher das Angebot aus der Region. Wie etwa Backwaren von der Bäckerei Meyer aus Bassum, mit der Fiedel von Anfang an zusammenarbeitet, Fleisch- und Wurstwaren von der Fleischerei Guder aus Stuhr, Eier und Nudeln vom Hühnermobil Allhusen aus Engeln, Kartoffeln von Winte aus Syke, Marmeladen vom Martinshof und Honig vom Honigstudio aus Weyhe.

Die erste Corona-Woche im März sei allerdings „heftig“ gewesen, sagt er. Allein die Logistik sorgte für so manche Überstunde. „Wir durften ja nicht mehr in die Bäckerei“, erinnert er sich. Bei Meyer in Bassum waren bis dahin die Lieferungen für seine Kunden auch gepackt worden. Ersatz musste her, so schnell wie möglich und vor allem passend für die nun geltenden Hygiene- und Abstandsregeln. Mit der Schützenhalle Bassum wurde Fiedel fündig. In Bremen hatte er dasselbe Problem. Ein leer stehendes Tanzstudio dient dort seitdem als Packstation. Zudem mietete er ein Lager in Syke für das stetig wachsende Warensortiment an. Für den Transport wurden zudem weitere Fahrzeuge benötigt. „Das war logistisch eine Herausforderung.“ Und das alles innerhalb einer Woche. „Das ging nur zack-zack-zack.“

Hinzu kam die wachsende Nachfrage. Rund 20 Prozent mehr Kunden habe er in der Anfangszeit der Corona-Pandemie verzeichnen können, sagt der Firmeninhaber. „Ostern war der absolute Wahnsinn“, sagt er. „Ich weiß nicht, wie wir das geschafft haben.“ 2300 Brötchen werden an einem normalen Wochenende ausgeliefert. Ostern seien es 6200 gewesen. „Und das alles mit der gleichen Mannschaft.“ Glücklicherweise habe jeder seiner Mitarbeiter gesagt, dass sie dabeibleiben und auch mehr machen. Dafür ist er heute noch dankbar. „Es war bemerkenswert, wie da jeder mitgezogen hat.“ Mittlerweile hat sich alles eingespielt, die Lage hat sich etwas beruhigt. Dennoch rechnet Sebastian Fiedel damit, dass die Nachfrage weiter bleibt. Das sei ein Trend, der auch in vielen anderen Bereichen zu beobachten sei. Und: „Viele Ältere kennen diesen Service noch von früher.“ Wie sein eigener Vater. Als Sohn eines Bäckers habe dieser früher auch Brötchen ausliefern müssen, ein echter Brötchenbursche eben. Fiedel möchte seinen Service auch noch ausweiten, vor allem mit Blick auf die regionalen Produkte. Gerade konnte er einen Bio-Großhändler als Lieferanten gewinnen. Und es muss ja nicht ausschließlich bei Lebensmitteln bleiben.

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