Tag des offenen Denkmals Geschichte wird erlebbar

Am Tag des offenen Denkmals gibt es viele historische Gebäude in der Region zu entdecken. Am Sonntag, 8. September, wird Geschichte erlebbar.
04.09.2019, 19:17
Lesedauer: 6 Min
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Von Irene Niehaus

Worpswede/Grasberg/Bevern. Jeder kennt sie, seit Jahrhunderten haben sie sich als Baumaterial bewährt: Ziegelsteine. Wie die kleinen roten Quader seit Beginn des Industriezeitalters produziert wurden, zeigt die historische Ziegelei in Bevern. Sie gewährt am Tag des offenen Denkmals, am 8. September, interessante Einblicke.

Johann Pape gründete die Ziegelei im Jahr 1840. Schließlich gab es hier Ton, den Baustoff für Ziegel, und so schien das Brennen von Ziegeln ein guter Nebenerwerb für den Bauern zu sein. Zum Brennen wurde Torf aus dem Teufelsmoor verwendet, der Brennstoff kam mit Kähnen über den Oste-Hamme-Kanal.

Mit ihrer 175-jährigen Geschichte gehört die Ziegelei Pape in der Nähe Bremervördes zu einem der ältesten Zeugnisse einer mittlerweile vergangenen Industriekultur. Die Produktion endete im Jahre 1974, das Werk war unrentabel geworden und verfiel. Sämtliche Gebäude des fünf Hektar großen Areals sind stehen geblieben: der zentrale Ringofen, das Maschinenhaus mit Walzwerken und Pressen, der 70 Meter lange Trockenschuppen und das Arbeiterwohnhaus, in dem sich ein Museum befindet. Seit 1997 kümmert sich ein Förderverein um den historischen Betrieb, der mit europäischen Mittel als Kulturdenkmal wieder aufgebaut wurde.

„Am originalen Schauplatz wird der ursprüngliche Produktionsprozess nachvollziehbar“, sagt Vereinsmitglied Hans Rademaker, ein pensionierter Schulleiter. Eine Feldbahn fährt Besucher über das Gelände an Trockenschuppen und Eimerkettenbagger vorbei zur Lehmkuhle. Eine besondere Attraktion bildet das „Lehmklassenzimmer“, in dem Kinder und Jugendliche unter Anleitung Handstrichziegel herstellen. „Die gut erhaltenen Gebäude und Maschinen sowie das beeindruckende Gelände machen Vergangenheit und die Arbeit unter harten Arbeitsbedingungen erlebbar", so Rademaker.

Die historische Ziegelei Pape (www.ziegelei-bevern.de, Malstedter Straße 38, Bremervörde) öffnet am Sonntag um 13 Uhr ihre Pforten. Nicht ohne Grund: Am Tag des offenen Denkmals können Besucher bundesweit hinter die Kulissen von Baudenkmalen, Parks und archäologischen Stätten blicken.


Auf Zeitreise gehen die Besucher der alten Windmühle in Worpswede, eines Erdholländers (An der Mühle 3) aus dem Jahr 1838, der von 11 bis 18 Uhr bestaunt werden kann. Neben Führungen auf Platt und Hochdeutsch sollen die Besucher Einblick in die „Sprache der Flügel“ und in die Geschichte der Windmüllerei des verhangenen Jahrhunderts bekommen, kündigt Heino Böhme vom Mühlenkreis der Freunde Worpswede an.


Auch die Kirchengemeinde in Borgfeld lädt zum Tag des offenen Denkmals ein. Am 8. September führt der Architekt Ulrich Ruwe durch den Borgfelder Backsteinbau. Der Rundgang startet um 11 Uhr vor der Kirche in der Borgfelder Landstraße 15. Die Führung dauert knapp eine Stunde. Anschließend ist das Gotteshaus noch bis 17 Uhr geöffnet.


In Grasberg öffnet ein originales Reetdach-Fachwerkhaus von 1852 seine Pforten. Es steht an der Seehauserstraße 43. Besucher können sich die Alkoven und Kieselmosaik anschauen, das Rauchhaus sowie die Kuh-und Pferdeställe. Heute wird es als Wohnhaus genutzt und für Scheunenkonzerte. Es ist am 8. September von 13 bis 18 Uhr geöffnet.


35 Liter Hubraum, 7,5 Tonnen schwer: Das sind zwei Eckdaten des stählernen Kolosses, den die Technikgemeinschaft Hepstedt am Tag des Denkmals vorführen will. Der alte Deutz-Stationärmotor, der einst in der Hepstedter Mühle zwei Mahlwerke sowie Förderschächte und Rüttelsiebe angetrieben hat, ist an der Schule von 10 bis 16 Uhr zu besichtigen. Der Einzylinder aus dem Jahr 1926 soll gegen 11 Uhr und gegen 15 Uhr laufen.


Von 9 bis 17 Uhr bieten Ehrenamtliche stündlich Rundgänge zur Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Stalag XB Sandbostel, seiner Nachnutzung und der Entstehung der Gedenkstätte an. Anlässlich des 30. Jahrestages des Falls der Berliner Mauer wird es zudem einen Themenrundgang mit dem Titel „Das DDR-Notaufnahmelager Sandbostel“ geben. Im Jahr 1952 richtete das Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte das „Notaufnahmelager Sandbostel“ für jugendliche männliche DDR-Flüchtlinge ein. Das Gelände bot Raum für bis zu 1000 Jugendliche, die in vier der Unterkunftsbaracken für sowjetische Kriegsgefangene untergebracht wurden. Insgesamt durchliefen 250 000 junge Männer das Lager.


Interessantes zu sehen gibt es in und an der Holländer-Galerie-Windmühle „Henriette“. Das Baudenkmal aus dem Jahr 1773 steht in Bremervörde-Elm an der Elmer Landstraße 66 und ist von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Es wurde in den Jahren 1979 bis 1981 umfangreich restauriert und noch bis 1994 bewirtschaftet. Es werden Führungen durch die Mühle, die historische Bäckerei und das Heimatmuseum im Mühlenspeicher angeboten.


Ein ehemaliger Hofschafstall aus dem 17. Jahrhundert ist in der Gemeinde Bötersen von 11 bis 18 Uhr in der Straße Höperhöfen 105 zu besichtigen ebenso wie an selber Stelle Thölkes Hus aus dem Jahr 1808.


Der Mühlenverein in der Gemeinde Brockel zeigt seine Holländergaleriewindmühle, die an der Bahnhofstraße 14 steht. Die Mühle aus dem Jahr 1860 ist von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Im Anbau befindet sich eine Ausstellung über das dörfliche Leben in der Vergangenheit. Der historische Moorhof in Augustendorf 11 in Gnarrenburg öffnet seine Pforten von 11 bis 18 Uhr. Am Tag des Denkmals zeigen Ehrenamtliche altes Handwerk, Tanz und Gesang. Auf dem Hof wird das Leben und Arbeiten der Moorbauern dargestellt. Eckes Hus in Ostereistedt, das älteste Bauernhaus im Kreis Rotenburg, ist von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Die Renovierung in der Diele, im Flett und im Kammerfach ist weitgehend abgeschlossen. Das Gebäude steht am Steinkampsweg 2 in Ostereistedt. Führungen um 11, 13 und 16 Uhr. In der Gemeinde Sittensen ist am 8. September die Wassermühle aus dem 16. Jahrhundert von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Die Mühle wird als Museum und für Veranstaltungen genutzt. Die Mühlentechnik ist funktionstüchtig, eine Ausstellung zeigt ländliches Handwerk.


Am Tag des offenen Denkmals beteiligen sich auch zwei Stätten in Schwanewede. Auf Gut Hohehorst in Löhnhorst öffnet Hans-Werner Liebig das Archiv im rechten Torhaus an der Hauptstraße 1. Das Anwesen mit Herrenhaus und großem Park hat glanzvolle und finstere Zeiten erlebt. 1928/29 ließ der Bremer Wollkönig Carl Lahusen das Herrenhaus als Sommersitz erbauen. Als sein Nordwolle-Unternehmen in der Weltwirtschaftskrise pleite ging, wurde Gut Hohehorst versteigert. Von 1937 bis 1945 richtete die SS-Organisation „Lebensborn“ auf dem Gut ein Heim für ledige Mütter ein, die hier „arischen“ Nachwuchs zur Welt bringen sollten. Nach dem Krieg residierte die US-Army bis 1948 mit einem Offizierscasino auf dem Anwesen.


Geöffnet ist am Sonntag von 10 bis 17 Uhr auch die Baracke Wilhelmine (An der Kaserne 122) in Neuenkirchen. Die heutige Gedenkstätte wurde 1939 als Teil eines Gemeinschaftslagers für den Bau eines Marine-Tanklagers in Neuenkirchen errichtet.


Es ist zu erwarten, dass neben den aufgezählten Objekten weitere interessante Baudenkmale und historische Anlagen am Tag des offenen Denkmals ihre Türen öffnen. Einige Aktionen sind im Internet unter www.tag-des-offenen-denkmals.de aufgeführt.

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Zur Sache

Bauhaus-Ausstellung gastiert in Worpswede

Der Tag des offenen Denkmals am 8. September ist Deutschlands größte Kulturveranstaltung. Ihr Motto lautet in diesem Jahr: „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“. Die landesweite Eröffnung des Tags findet dieses Mal in Worpswede statt. Dazu laden das Landesamt für Denkmalpflege und die Gemeinde Worpswede ins Rathaus ein. Das Programm sieht eine Podiumsdiskussion zu „Umbrüche in Kunst und Architektur“, die Ausstellung „Auf dem Weg zum Bauhaus“ und einen Informationsstand des Netzwerks Baukultur in Niedersachsen vor. Von 11 bis 18 Uhr öffnet das Rathaus in der Bauernreihe 1 seine Türen. Dieses Jahr steht der Tag des offenen Denkmals ganz im Zeichen des 100-jährigen Jubiläums der Bauhaus-Gründung 1919. Die Ausstellung im Rathaus Worpswede präsentiert rund 100 Beispiele, die in Niedersachsen vor und nach dem Ersten Weltkrieg mit architektonischen und konstruktiven Innovationen entstanden. Annette Schwandner, Abteilungsleiterin Kultur im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, wird die Veranstaltung in der Ratsdiele eröffnen. Es folgt das Podiumsgespräch zum Thema des Tages: „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“. Auf dem Podium sitzen Christina Krafczyk, Präsidentin des Landesamtes für Denkmalpflege, Rainer Stamm, Direktor des Landesmuseums für Kunst und Kultur, Hans-Eckhard Dannenberg, Geschäftsführer des Landschaftsverbands Stade, und Katharina Ritter, die Künstlerische Leiterin der Künstlerhäuser Worpswede. Moderiert wird das Gespräch von dem Bremer Kunstkritiker und Kulturjournalisten Rainer Beßling.

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