Klaus Göken, Franz-Josef Schulte und Frank Rohlfs sichern sich die Namensrechte am Schatz aus der Bronzezeit Gesseler Gold in der Bremer Böttcherstraße

Im April 2011 gruben Archäologen des Landesamtes für Denkmalschutz in Gessel einen Goldschatz aus. Der Fund, der durch das Verlegen einer Gaspipeline von Lubmin nach Rehden erst möglich wurde, sorgte für großes Interesse. Wie kann er vermarktet werden? Wo soll er ausgestellt werden? Fragen gab es viele. Nur eine Frage, die stellte niemand: Wer erhält die Namensrechte? Am schnellsten reagierte ein Trio aus Gessel: Jetzt bekamen Klaus Göken, Franz-Josef Schulte und Frank Rohlfs den Zuschlag.
13.08.2013, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Gesseler Gold in der Bremer Böttcherstraße
Von Micha Bustian

Im April 2011 gruben Archäologen des Landesamtes für Denkmalschutz in Gessel einen Goldschatz aus. Der Fund, der durch das Verlegen einer Gaspipeline von Lubmin nach Rehden erst möglich wurde, sorgte für großes Interesse. Wie kann er vermarktet werden? Wo soll er ausgestellt werden? Fragen gab es viele. Nur eine Frage, die stellte niemand: Wer erhält die Namensrechte? Am schnellsten reagierte ein Trio aus Gessel: Jetzt bekamen Klaus Göken, Franz-Josef Schulte und Frank Rohlfs den Zuschlag.

Syke-Gessel. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur hat harte Geschütze aufgefahren. "Es ist ferner zu erwarten, dass die Anmelder die Marke dazu benutzen, Dritte – insbesondere das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur oder die Stadt Syke oder andere – zu veranlassen, die Marke zu erwerben", heißt es in einem Brief an das Deutsche Marken- und Patentamt, der unserer Redaktion vorliegt. Der Sinn dieses Schreibens: Es sollte verhindert werden, dass die Namensrechte für den "Gesseler Goldschatz" an Klaus Göken, Franz-Josef Schulte und Frank Rohlfs übertragen werden. Der Effekt: keiner. Seit Ende Mai dieses Jahres hat das Gesseler Herren-Trio die Namensrechte sicher.

Auch die Stadt Syke störte sich daran, dass die Namensrechte für den spektakulären Fund aus der Bronzezeit in die Hand dreier Privatmenschen geraten waren. Die Stadt beauftragte eine Anwaltskanzlei aus Bremen und München, die ebenfalls versuchte, den Übertrag der Namensrechte zu verhindern. Die Rechtsexperten argumentierten mit dem öffentlichen Interessen, anderen Fällen, in denen Namensrechte zurückgewiesen worden wären und behaupteten: "Im Sinne eines funktionierenden Wettbewerbs muss dies vermieden werden." Ihr Fazit: "Die Markenanmeldung ist daher zurückzuweisen."

Wurde sie nur nicht. Klaus Göken und seine Mitstreiter können inzwischen darüber schmunzeln. Göken ist Patentanwalt und wusste damals ganz genau, was er tat. Auch mit Reaktionen hatte er gerechnet. "Aber das war schon heftig", blickt er zurück. "Vieles war pure Spekulation. Uns wurde unterstellt, dass wir uns persönlich bereichern wollen." Und was dem Trio am sauersten aufstieß: "Niemand hatte es für nötig empfunden, vorher direkt mit uns zu reden."

Denn dann wäre sowohl dem Landesministerium als auch der Stadtverwaltung aufgefallen, dass eine Vereinbarung zwischen den drei Anmeldern besteht, in der fixiert ist, dass sämtliche Erlöse ausschließlich dem Förderverein der Kinder- und Jugendfeuerwehr Gessel-Leerßen zugute kommen. Unter Punkt zwei ist in diesem Schreiben zudem vermerkt, dass jede Nutzung der Marke "Gesseler Goldschatz" kostenfrei ist. Eine Anmeldung bei Klaus Göken, Franz-Josef Schulte oder Frank Rohlfs – und schon könne es im Normalfall losgehen. Sollten Einnahmen generiert werden, verpflichten sich die externen Nutzer der Rechte allerdings, "für jedes Jahr der Benutzung eine nach eigenem Ermessen angemessene Spende" an den Förderverein zu zahlen.

"Für uns sind die Kinder der wahre Goldschatz von Gessel", begründet Josh Schulte, Mitglied im Gesseler Ortsrat, das Tun des Dreierbundes. "Wir fühlen uns berechtigt, diese Rechte wahrzunehmen, denn der Schatz wurde in Gessel gefunden, wir kommen alle aus Gessel, und das Geld bleibt in Gessel." Reich werde man damit nicht, vermutet der Polizist, "aber wenn zwei- bis dreitausend Euro jährlich zusammenkommen . . ."

Dafür müssen aber erst einmal Produkte unter dem Namen "Gesseler Goldschatz" gefertigt und verkauft werden. Eingetragen ist das Gesseler Trio für Bekleidung, Schuhe und Kopfbedeckungen, für Brot, Backwaren, Schokolade und Zuckerwaren sowie Biere, Mineralwässer, kohlensäurehaltige Getränke, Säfte und Sirup. Darüber hinaus gilt der Eintrag für alkoholische Getränke. Ein praktisches Beispiel: In der Bremer Bonbon-Manufaktur in der Böttcherstraße werden ab sofort Lutschbonbons mit Mango-Ananas-Geschmack verkauft. Auf dem Etikett prangt der Name "Gesseler Goldschatz". Renate Brüning aus Ristedt hat bereits Liköre und Sirup unter diesem Namen hergestellt – das alles wird auf dem Dorffest am Gesseler Sportplatz am Sonntag, 17. August, erstmals zum Verkauf angeboten.

Gut möglich übrigens, dass Vertreter der Stadt Syke dann ordentlich zugreifen werden. Denn zeitnah nach dem Eintrag meldete sich die Stadt bei Klaus Göken, Franz-Josef Schulte und Frank Rohlfs und lud sie zu einem Gespräch ein. "Da wurde erstmalig deutlich, dass sie Gutes im Sinne haben", fasst Hauptamtsleiter Heinrich Sievers die Unterhaltung zusammen. "Das war vorher nicht klar." Sicher hätte man schon vorher darüber reden können, aber der Kontakt hätte ja auch aus Gessel kommen können. Dem widerspricht Klaus Göken: "Wir mussten schnell handeln, sonst wäre uns möglicherweise jemand zuvorgekommen. Wir wollten das nicht anderen Leuten ohne Bezug zu Gessel überlassen."

Die Stadt Syke wird nun laut Angaben von Heinrich Sievers klären, ob und wie sie den "Gesseler Goldschatz" für das Stadtmarketing nutzen wollen. "Wir werden schauen, wie wir reagieren – ob wir die Rechte nutzen und eine Spende abführen, oder ob wir einfach die fertigen Produkte kaufen und unter die Leute bringen." Groll oder Angst vor persönlicher Bereicherung durch die Namensrechtsanmelder sei "kein Thema mehr", so Sievers.

Am 7. September wird der Förderverein ein neues Fahrzeug an die Kinder- und Jugendfeuerwehr übergeben. 23000 der 30000 Euro dafür hat der Förderverein durch Spendensammeln und das Sponsoring der Syker Kreissparkasse bereits zusammen, für die restlichen 7000 Euro wurde ein Kredit aufgenommen. Beim Abtrag sind die Einnahmen aus den Produkten mit dem Namen "Gesseler Goldschatz" herzlich willkommen. "Wir selbst haben gar nichts davon", sagt Frank Rohlfs und ist mit sich vollkommen im Reinen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+