Vor 17 Monaten hat Cerry Ziel Aufgabe ehrenamtlich übernommen / Dreiviertel der Hilfesuchenden sind Frauen Gleichstellungsbeauftragte für alle Fälle

Hambergen. Cerry Ziel kommt sich manchmal wie Matula, der Privat-Detektiv im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, vor. Um ihre Arbeit als ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Hambergen zu erledigen, müsse sie vielen Dingen nachforschen, berichtet die 48-Jährige. "Das Telefon ist mein bester Freund geworden", lautet Cerry Ziels Fazit nach knapp eineinhalb Jahren Gleichstellung.
05.01.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Gleichstellungsbeauftragte für alle Fälle
Von Brigitte Lange

Hambergen. Cerry Ziel kommt sich manchmal wie Matula, der Privat-Detektiv im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, vor. Um ihre Arbeit als ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Hambergen zu erledigen, müsse sie vielen Dingen nachforschen, berichtet die 48-Jährige. "Das Telefon ist mein bester Freund geworden", lautet Cerry Ziels Fazit nach knapp eineinhalb Jahren Gleichstellung.

Als ihre hauptamtliche Vorgängerin Katja Lipka zum Landkreis wechselte, nahm sich Ziel der frei gewordenen Aufgabe an. Ehrenamtlich. "Ich habe keine vertraglich vereinbarte Wochenarbeitszeit mit der Samtgemeinde", sagt sie. Nur der Donnerstag sei eine feste Größe in ihrem Terminkalender: "Da bin ich von 15 bis 18 Uhr in meinem Büro im Hamberger Rathaus." Dann könne jeder, der Rat und Tat suche, zu ihr kommen. Telefonisch sei sie unter der Nummer 04793/7812 zu erreichen. Außerhalb des Rathauses mache sie auch Hausbesuche, bemerkt Ziel.

Dass sie sich einzig um Frauen kümmere, sei ein Irrtum: "Anfangs wurde ich oft als Frauenbeauftragte angesprochen", sagt die 48-Jährige. Das habe sie immer gleich korrigiert: "Als Gleichstellungsbeauftragte bin ich auch für Männer da." Auf Zahlen angesprochen, räumt Cerry Ziel jedoch ein, dass etwa drei Viertel ihrer "Klienten" - wie sie die Bürger nennt, die zu ihr kommen - Frauen seien. Nichtsdestotrotz: ein Viertel seien Männer. Und was das Alter betrifft, sei alles von Jung bis Alt vertreten. Mit welchen Fragen und Problemen sie als Gleichstellungsbeauftragte konkret konfrontiert wird, darf Ziel nicht berichten. Zu persönlich sind viele Situationen, über die mit ihr gesprochen werden. "Stellen Sie sich einfach alles vor, von dem Sie schon gelesen oder gehört haben - und mit über der Hälfte dieser Probleme habe ich zu tun gehabt." Oft gehe es um Geldsorgen, dann werde um Hilfe bei Ämtergängen gebeten. Manchmal recherchiere sie wichtige Informationen für die Klienten zusammen,

stelle Verbindungen zu anderen Institutionen her, vermittele Kontakte. "Und manche sind einfach schon froh, mit jemandem über ihre Lage reden zu können", so Cerry Ziel. Dann wieder drehten sich die Gespräche um familiäre Themen und um Probleme mit Kindern und Jugendlichen im schulischen sowie im privaten Bereich. Ein Schwerpunkt, der sich dabei für die Gleichstellungsbeauftragte wie von selbst ergeben hat, ist die besondere Hilfe für Alleinerziehende. Ziel: "Die Zeiten für sie sind wirklich nicht rosig."

Über Frauen und Politik recherchiert

All das kostet Zeit. Ziel hat ihren Arbeitsaufwand dokumentiert. Durchschnittlich kommt sie im Monat auf 20 bis 25 Stunden. In Ferienzeiten sind es mitunter nur 15 Stunden. Im vergangenen August waren es wiederum fast 41 Stunden. "Da hatte ich es mit einem Fall zu tun, der mir wirklich nahe gegangen ist", so Ziel. Was auch immer sie zu hören bekommt: "Ich kann sehr wohl zwischen meiner Arbeit und meinem Leben trennen", sagt die 48-Jährige. Wenn sie dazu nicht in der Lage wäre, könnte sie den Menschen schließlich nicht helfen.

Rein aus Interesse hat sich Cerry Ziel in den vergangenen Monaten auch mit der Frage der Gleichstellung als solche in der Region auseinander gesetzt. Dazu hat sie sich zum Beispiel über die Beteiligung von Frauen in der Politik informiert. Ergebnis: Vor 19 Jahren waren sieben Frauen im Rat der Samtgemeinde. 2010 waren von 26 Mitgliedern noch sechs Politikerinnen. In den Räten der Mitgliedsgemeinden bewegt sich der Anteil in den Gremien von einer bis zu vier Frauen. "Der Umkehrschluss daraus ist für mich aber nicht, dass die Frauen in der Samtgemeinde nicht in die Politik können", sagt Ziel. Sie habe eher das Gefühl, dass viele der Frauen nicht in die Politik wollten.

Aus ihrer Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte ist ebenfalls die Frage nach der Zahl an Gewalttaten erwachsen. Wieder hakte sie nach und erfuhr, dass von 2005 bis 2010 die Fälle häuslicher Gewalt in der Samtgemeinde Hambergen von vier auf zehn gestiegen ist. Diese Entwicklung beunruhigt sie. Denn: "Jeder Fall ist einer zu viel", so Ziel.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+