Borgfelder Paar feiert 70 Jahre Ehe Rosa Nelken wie im Brautstrauß

Rudolf und Käte Hanel aus Borgfeld sind seit 70 Jahren miteinander verheiratet. Sie haben bewegte Zeiten durchgestanden. In diesem Jahr feiern sie ihre Gnadenhochzeit.
22.09.2020, 16:46
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Von Christina Klinghagen

Borgfeld. Luftiges Knabbergebäck und hübsch verzierte Sektgläser stehen bereit. Die Festtagstorte soll am Nachmittag geliefert werden, wenn Tochter Bettina Hanel-Schnackenberg mit ihrer Familie aus Lilienthal zum Gratulieren vorbeischaut. Ganz besondere Aufmerksamkeit erfährt an diesem Tag ein kleiner Blumenstrauß mit rosa Nelken, den Käte Hanel mitten auf dem Küchentisch positioniert hat. „Ich habe rosa Nelken als Brautstrauß gehabt“, erinnert sich die 89-Jährige mit leuchtenden Augen. Rudolf Hanel weiß eben ganz genau, womit er seiner Liebsten eine große Freude bereiten kann – und das seit mittlerweile 70 Ehejahren.

Gerne hätten die gebürtigen Dresdener ihre Gnadenhochzeit im großen Kreis gefeiert. Doch die aktuelle Corona-Situation lässt dies nicht zu und so haben es sich die beiden in ihrer Wohnung im Stiftungsdorf Borgfeld gemütlich gemacht. „Wir müssen es so hinnehmen, wie es ist. Verschieben kann man in dem Alter nichts mehr“, erklärt Käte Hanel, die bereits am Morgen ihre Nachbarin Sigrid König freudestrahlend begrüßt. Vor fünf Jahren zog das Ehepaar König in die untere Etage des selben Hauses ein. Schnell entwickelte sich zwischen den Dresdenern und den Bremern eine lebhafte Freundschaft, die täglich gepflegt wird. „Es ist eine Seelenverwandtschaft und Herzensfreundschaft“, betont Sigrid König, die kürzlich mit ihrem Mann Peter die Diamantene Hochzeit feierte und sich am Ehrentag der Hanels gerne hilfsbereit zeigt.

Der 90-jährige Rudolf Hanel und seine Ehegattin Käte haben zusammen bewegte Zeiten erlebt. Als junge Menschen begegneten sie sich nach Ende der Kriegszeit erstmals beim Tanzen. Die Sympathie war auf beiden Seiten sofort vorhanden und so dauerte es nur ein Jahr, bis sie sich das Ja-Wort gaben. „Damals war man erst mit 21 Jahren volljährig. Wir mussten zum Jugendrichter, damit wir heiraten konnten“, schildert Käte Hanel, die leider nie die Eltern von ihrem Rudolf kennenlernen konnte, weil diese verstarben, als ihr Sohn neun Jahre alt war. Als eine Art Familienersatz sah Rudolf Hanel seinen Fußballverein, in dem er bis zum 29. Lebensjahr aktiv war.

Mit Käthe an seiner Seite meisterte er auch schwierige Lebenssituationen wie die Flucht 1959 aus der ehemaligen DDR. „Man sucht ja erst mal die Anbindung an die Familie. Mein Bruder war schon in Bremen und so sind wir auch da hin“, berichtet Käte, die Bremen als ihre Wahlheimat bezeichnet.

1961 unterzeichnete Rudolf seinen Vertrag beim Flugzeughersteller Focke-Wulf und war bis zur Rente im Flugzeugbau tätig. „Ich habe eigentlich alles Mögliche gemacht, um durchzukommen“, verrät Käte, die den Beruf der Floristin erlernte und später als Referentin für Fortbildungen bei größeren Institutionen beschäftigt war, nachdem sie Kurse im Schwerbehindertenrecht und Betriebsrecht an der Universität Bremen absolviert hatte. In der Freizeit spielte das Thema Musik im Hause Hanel immer eine große Rolle. So wurden unter anderem regelmäßig Besuche in der Semperoper Dresden geplant. Bis 2013 gönnte sich das Ehepaar Hanel auch gerne Urlaubsreisen und besondere Anlässe wurden in der Ferne gefeiert. Zur Silberhochzeit ging es nach Italien, wo in Zitronenhainen dieser besondere Tag zelebriert wurde. In Schottland erlebten die Hanels ihre Goldene Hochzeit und die Diamantene Hochzeit wurde im großen Stil in Dresden gefeiert.

„Wir haben in der Martin-Luther-Kirche noch einmal geheiratet. Unsere Enkel hatten eine Kutsche bestellt, womit wir eine Stunde durch Dresden gefahren sind“, schwärmt Käte, die alles gibt, um sich auch noch im hohen Alter fit zu halten. Seit ihrem 30. Lebensjahr startet sie den Tag mit einer 30-minütigen Gymnastik. „Auch wenn es wehtut“, wie sie sagt. Aus gesundheitlichen Gründen hat sich das Ehepaar Hanel vor sechs Jahren von seiner Eigentumswohnung in Bremen-Grambke getrennt. „Es ist schwer, im Alter woanders hinzuziehen, wenn es nicht der eigene Wille ist“, gibt Käte zu verstehen, die sich aber mit ihrem Rudolf gut im Stiftungsdorf Borgfeld eingelebt hat. Nicht zuletzt, weil die beiden hier auch neue Freunde gefunden haben. „Das ist ein Gewinn im Alter. Man kann sonst auch schnell vereinsamen“, sagt Käte Hanel, und darin sind sich die Beiden einig.

Und auch sonst blickt das Ehepaar in eine Richtung, denn laut Rudolf ist der Zusammenhalt in der Partnerschaft das Wichtigste. „Natürlich hat man mal Meinungsverschiedenheiten. Die kann man aber vernünftig klären“, ergänzt Käte. Auf die Frage, ob sie ein Patentrezept für eine lebenslange Liebe hätte, antwortet sie: „Das Leben ist kurz und doch so lang. Je nachdem wie man es sieht.“

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