Keine Entlassungen

"Gorch Fock"-Werft will ans Vermögen ihrer Ex-Vorstände

Die Elsflether Werft repariert nicht nur das Schulschiff "Gorch Fock". Der insolvente Betrieb saniert in Eigenverwaltung auch sich selbst. Ein Teil der Aufgabe: Die Suche nach verlorenem Geld.
02.05.2019, 13:14
Lesedauer: 2 Min
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"Gorch Fock"-Werft will ans Vermögen ihrer Ex-Vorstände

Die "Gorch Fock" wird seit Ende 2015 saniert.

Carsten Rehder/dpa

Auf der Suche nach mutmaßlich verschwundenen Millionen der Elsflether Werft will die neue Führung an das Vermögen der entlassenen ehemaligen Vorstände. Man habe in Oldenburg und Hamburg Pfändungsbeschlüsse für deren Privatvermögen erwirkt, teilte die Elsflether Werft AG mit. "So sichern wir die Vollstreckung unserer Geldforderungen gegen die ehemaligen Vorstände", sagte der neue Generalbevollmächtigte Tobias Brinkmann der Mitteilung nach.

Mitten in der millionenteuren Sanierung des Marineschulschiffs "Gorch Fock" hatte die Werft am 20. Februar Insolvenz angemeldet. Sie konnte ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen.

Am Donnerstag eröffnete das Amtsgericht in Nordenham offiziell das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Der Betrieb werde mit rund 130 Mitarbeitern fortgeführt, teilte die Werft mit.

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Bei einem Kassensturz vor dem Insolvenzantrag fehlten rund 20 Millionen Euro, die in Nebengeschäften des Ende Januar abgesetzten Vorstands vermutet werden. Der Betrieb sei in diese prekäre Lage gekommen, weil der frühere Vorstand Geld "zu betriebsfremden Zwecken" abgezogen habe, hieß es in der Werft-Mitteilung. Die zwei Manager bestreiten, Geld für sich abgezweigt zu haben. Die Investitionen in andere Firmen hätten wieder der Werft zugute kommen sollen.

Den Gerichtsunterlagen zufolge, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen, will die Werft bei einem ihrer Ex-Chefs 12,3 Millionen Euro pfänden lassen. Der Pfändung unterliegen Lebensversicherungen und Konten, aber auch eine Motorjacht und eine Uhr. Beim anderen Vorstand geht es um 3,9 Millionen Euro. Er soll Geld, den Inhalt von Bankschließfächern, ein Haus in Hamburg und sein Motorboot abgeben. Die Ex-Vorstände können Widerspruch gegen die Pfändung einlegen.

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"An beiden Fronten müssen wir heute arbeiten: Geld zurückholen und einen wirtschaftlichen Auftrag abliefern", sagte der neue Werft-Vorstand Axel Birk dem NDR zur Strategie. Die "Gorch Fock" liegt derzeit in Einzelteilen in Bremerhaven in einem Dock. Der Rumpf soll bis zum Sommer wieder schwimmfähig werden.

Die Elsflether Werft saniert den Großsegler seit Ende 2015. Dafür waren ursprünglich 9,6 Millionen Euro eingeplant. Weil aber immer mehr Schwachstellen an dem 1958 gebauten Schiff entdeckt wurden, sind bislang bereits etwa 70 Millionen Euro ausgegeben worden. Insgesamt wird die Sanierung mittlerweile auf 135 Millionen Euro geschätzt.

Das Bundesverteidigungsministerium und die Marine stehen wegen der Kostensteigerung in der Kritik. Falls die Werft absehbar mit der jetzt vereinbarten Summe nicht auskommt, will Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Sanierung abbrechen. Dann soll aus der "Gorch Fock" ein Museumsschiff werden. Wegen der Vorgänge um die Sanierung ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Untreue und Korruption. (dpa)

+++Dieser Artikel wurde um 16.03 Uhr aktualisiert+++

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