Huder Pastor Udo Dreyer predigt neben seiner Arbeit in der heimischen Gemeinde auf Kreuzfahrtschiffen Gottesdienste auf hoher See

Die Anwesenheit eines Pastors an Bord eines Schiffes war vor vielen Jahrzehnten Gang und Gäbe. Heutzutage sind sie selten geworden. Während Andere in einer Kirche predigen, zieht es Udo Dreyer auf das offene Meer. Der Huder ist seit 23 Jahren neben seiner Arbeit in der heimischen Gemeinde als Bordpastor auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs.
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Gottesdienste auf hoher See
Von Mareike Meyer

Die Anwesenheit eines Pastors an Bord eines Schiffes war vor vielen Jahrzehnten Gang und Gäbe. Heutzutage sind sie selten geworden. Während Andere in einer Kirche predigen, zieht es Udo Dreyer auf das offene Meer. Der Huder ist seit 23 Jahren neben seiner Arbeit in der heimischen Gemeinde als Bordpastor auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs.

Der Beruf des Bordpastors hat eine lange Tradition, doch heute werden nur noch wenige Schiffe von einem Gottesmann begleitet. Einer, der regelmäßig berufsbedingt auf Kreuzfahrt geht, ist Pastor Udo Dreyer. Seit 23 Jahren schippert der 53-Jährige in seinem Urlaub auf den Meeren dieser Welt herum und ist an Bord Ansprechpartner und Seelsorger für Passagiere und Besatzung. In dieser Zeit arbeitete er insgesamt zwölfmal dort, wo Andere Urlaub machen. Geblieben sind ihm von diesen mehrwöchigen Seereisen viele spannende Erinnerungen.

Der seefeste Pastor besuchte schon exotische Orte wie das Nordkap, die Karibik und Island. Den Kreuzfahrten verdankt Dreyer viele schöne Erinnerungen. Eine besonders einprägsame war eine Fahrt von Florida über die Karibik nach Europa. „Das war meine erste Fahrt, und jedem Anfang wohnt bekanntlich ein besonderer Zauber inne“, erinnert er sich. Egal ob das bedrückende Gefühl beim Anblick der Armut in der Karibik oder das pulsierende Leben in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires, der Bordpastor erlebte alles hautnah. „Manchmal muss ich mich selbst antippen, um glauben zu können, wie schön ein Sonnenaufgang oder Ähnliches ist“, erzählt er.

Zwölf Fahrten gemacht

1990 war Dreyer das erste Mal als Pastor an Bord eines Kreuzfahrtschiffes tätig – als Vertretung für einen Kollegen. Mittlerweile hat er zwölf Fahrten zu verbuchen – von der letzten, als Pastor auf der MS Astor, kehrte er Mitte Juni zurück. „Europa habe ich durch, und am Nordkap war ich auch schon dreimal“, zählt er auf. Überhaupt stünde für ihn nicht das Ziel der Reise im Vordergrund. Der Bordpastor wird dort eingesetzt, wo er gebraucht wird, aber „Afrika und Asien wären schon noch mal schön“.

Zu den Aufgabengebieten eines Pastors auf Seereisen gehören insgesamt vier Bereiche. Da wären zum einen die Gottesdienste und Andachten an Seetagen, die Begleitung von Landausflügen, die Seelsorge für Gäste und die Crew und das Halten von Vorträgen. Das sind zum Beispiel Themen wie „Wege zum Sinnvollen Leben“, „Glücklich im Alter – nur ein Traum?“ und ein Vortrage über den Islam, wenn es zur Reiseroute passt. „Da entwickeln sich schnell Gesprächsrunden und oft kommen zu den Vorträgen auch mehr Leute als zu den Gottesdiensten“, berichtet Dreyer.

Bei den Ausflügen an Land muss der Pastor besonders darauf achten, dass niemand aus seiner Touristengruppe verloren geht. „Da ist man nicht mehr der Hirte, sondern der Schäferhund“, sagt er schmunzelnd.

An Bord der MS Astor gibt es keine Kapelle, deshalb finden die Gottesdienste im Captains Club auf dem Promenadendeck statt. „Auf der MS Vistafjord, einem Schiff mit internationalem Publikum, habe ich einmal eine interreligiöse Andacht für Hochzeitsjubilare zusammen mit einem jüdischen Rabbiner und einem katholischen Priester gefeiert, etwas Einmaliges im Leben eines Pastors“, erzählt der 53-Jährige.

Doch manchmal muss Dreyer auch der Überbringer schlechter Nachrichten sein. „Wenn an Land jemand verstirbt, wird auf dem Schiff angerufen“, schildert er „dann muss ich eine Todesnachricht überbringen.“ Doch das bleibe zum Glück die Ausnahme.

Als Bordseelsorger ist der Pastor immer ansprechbar. Wichtige Themen in der Seelsorge sind Trauer, Alleinsein und Krankheit. „Oft sind es Witwen und Witwer oder Menschen mit begrenzter Lebenserwartung, die sich etwas Gutes tun wollen“, beschreibt Dreyer seine Gesprächspartner in seiner Funktion als Seelsorger.

Im Schnitt alle zwei Jahre versucht der Gottesmann, der normalerweise Pastor in den evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Holle-Wüsting und Hude ist, eine Kreuzfahrt zu begleiten. Dafür opfert Dreyer dann auch gerne seinen Urlaub. „Ich liebe einfach die See“, erklärt er seine Leidenschaft für das Maritime.

Besonders gut gefällt dem 53-Jährigen auch das Miteinander auf den Passagierschiffen. „Ein Schiff ist ein eigener Mikrokosmos“, weiß der Pastor zu berichten, „in dem ich die Kirche an Bord verkörpere.“ Das „Du“ gehöre dort zum guten Ton unter den an Bord Arbeitenden, auch dem Pastor gegenüber. So entstehen auf den Schiffen durchaus neue Freundschaften. „Es passiert auch hin und wieder, dass Passagiere mich wiedererkennen und sagen, wenn ich dabei sei, dann könne ja nichts passieren“, sagt Dreyer lächelnd. Auch zu der Crew pflegt er stets ein gutes Verhältnis. „Einige der Kellner sehen ihre Familien viele Monate lang nicht. Da ist es mir wichtig, wenigstens die Feiertage ihrer Heimat mit ihnen zu begehen – wie zum Beispiel, als ich gebeten wurde, den philippinischen Unabhängigkeitstag mit ihnen zu feiern“, erläutert er. Diese Gottesdienste fänden dann spät am Abend und ohne Passagiere statt.

Geblieben von seinen Reisen um die Welt sind dem 53-Jährigen viele schöne Erinnerungen und eine Menge Fotos auf dem heimischen Computer. „Man sieht wirklich sehr viel von der Welt“, fasst Dreyer seine Erlebnisse zusammen.

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