Grasberg: Aussprache zu Gewerbegebiet-Plänen

70 Meter lange Halle ist der CDU zu groß

Das vom Grasberger Planungsausschuss befürwortete neue Gewerbegebiet stößt bei vielen Anwohner des Wiesendamms auf Skepsis. Die CDU hat daher zu einer Bürgerversammlung unter freiem Himmel eingeladen.
20.09.2020, 18:03
Lesedauer: 4 Min
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Von Johannes Kessels

Grasberg. Eine Bürgerversammlung im Freien hat es in Grasberg schon lange nicht mehr gegeben. Jetzt trafen sich ungefähr 30 Anwohner des Wiesendamms auf der Wörpebrücke mit der CDU-Fraktion des Gemeinderats. Dabei sollte geklärt werden, wie und ob überhaupt das geplante Gewerbegebiet an der Wörpedorfer Straße neben den Hallen der Tischlerei Bahrenburg so gestaltet werden kann, dass die Anwohner auf der Flussseite des Wiesendamms sich dadurch nicht gestört fühlen – noch können sie bis zur Wörpedorfer Straße blicken und über einem Baumwipfel sogar den Kran des Neubaugebiets am Kreisverkehr sehen.

Die Schausberger-Gruppe, der Grundstück und Gebäude des Edeka-Markts (ehemals Aktiv) an der Wörpedorfer Straße gehören, möchte als Ersatz für diesen langsam zu klein werdenden Supermarkt einen neuen an der Wörpedorfer Straße auf der anderen Seite des Kreisverkehrs bauen. Dann soll aber außerdem vor und neben den Hallen von Bahrenburg ein Gewerbegebiet entstehen. Der Planungsausschuss des Gemeinderats hat vor knapp zwei Wochen empfohlen, die Planungen für einen Bebauungsplan aufzunehmen – einstimmig mit den fünf Stimmen der CDU und jeweils einer Stimme von SPD und Grünen. Schon in der Sitzung hatten sich viele Anwohner des Wiesendamms zu Wort gemeldet, die um die Aussicht hinter ihren Häusern fürchten – derzeit ein sehr lauschiges Plätzchen.

Der stellvertretende Bürgermeister Kai Entelmann sagte, es gebe bei der Gemeinde immer wieder Anfragen nach Gewerbeflächen, besonders für Lagerhallen. Das Gewerbegebiet am Wörpedorfer Ring sei voll, und anders als vor 20 Jahren gedacht könne es nicht erweitert werden. Auf der einen Seite befinde sich eine Hofstelle, deren Eigentümer nicht verkaufen wolle, an der anderen Seite sei der Moorboden 4,50 Meter tief. An der Huxfelder/Meinershauser Straße bei der Tankstelle Hanschen sei die Hochspannungsleitung im Weg, und eine Fläche in Rautendorf sei ebenfalls nicht geeignet. Jetzt habe ein Grundeigentümer an der Wörperdorfer Straße sein Grundstück verkauft, und Gewerbe gebe es dort ja schon auf dem Grundstück von Bahrenburg. Aber vielleicht, so der zweite stellvertretende Bürgermeister Michael Frerks, habe ja jemand eine andere Idee.

Zunächst aber machte Birgit Teller darauf aufmerksam, dass bei starkem Regen die Wörpe volllaufe und alle Häuser unterkellert seien. Wo das Regenwasser abfließen solle, wenn die Wiesen versiegelt würden, wollte sie wissen – eine andere Anwohnerin wusste noch, dass vor Jahren die Wörpe schon einmal bis zum Ützenbarg über die Ufer getreten ist. Wenn das Gebiet als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen sei, dürfe dort nicht gebaut werden, sagte Kai Entelmann. Die Fraktionsvorsitzende Silke Paar meinte, notfalls müsse ein hydrologisches Gutachten erstellt werden.

Mohsen Mirsanaye hatte grundsätzlichere Einwände. Man müsse einmal überlegen, wohin sich die Gemeinde entwickeln solle, meinte er. „Wir müssen die Wörpe viel stärker in den Vordergrund stellen.“ Er hätte sich erhofft, dass das Baugebiet am Kreisel auf dem Gelände der ehemaligen Mühle von Gieschen zu einem Ortsmittelpunkt ausgebaut werden könne, dann könne die Bebauung durchaus bis vor den Kreisel fortgeführt werden, aber nicht als Gewerbegebiet, sondern mit Wohnhäusern. Aber auch dann würde die Aussicht der Wiesendamm-Anwohner verbaut, meinte Kai Entelmann, und die Fläche der Mühle gehöre nicht der Gemeinde. Außerdem stünden einem durchgehenden Wohngebiet die Hallen von Bahrenburg im Weg. Mohsen Mirsanaye würde lieber das Gewerbegebiet Langenmoor erweitern; der Moorboden ließe sich sicherlich austauschen, glaubt er. „Fragt sich nur, zu welchen Kosten“, so Kai Entelmann.

Mohsen Mirsanaye störte sich auch daran, dass die Hallen im neuen Gewerbegebiet 70 Meter lang und zwölf Meter hoch werden dürfen. Das sei noch gar nicht festgesetzt, widersprach Egbert Petschke, der Bebauungsplan existiere ja noch nicht. Michael Frerks steuerte bei, dass die Hallen von Bahrenburg ungefähr 45 Meter lang und 9,50 Meter hoch seien, und vor diesem optischen Eindruck erklärte er, 70 Meter Länge und zwölf Meter Höhe werde der Gemeinderat nicht zulassen. Ratsherr Henning Detjen schlug vor, im Bebauungsplan festzusetzen, dass die Gebäude mit der Schmalseite zur Wörpe ausgerichtet sein müssen, damit die Anwohner nicht auf die langen Längswände blicken.

Egbert Petschke fragte auch nach dem jetzigen Edeka-Markt. Was auf dessen Grundstück geschehen solle, müsse die Gemeinde bestimmen, nicht die Schausberger-Gruppe. Das Gelände sei aber Privateigentum, erklärte Ruven Voss. Sollte das Konzept, das der Eigentümer vorlege, dem Rat nicht gefallen, werde es eben abgelehnt. Die Politik werde nicht zulassen, dass es zu einem jahrelangen Leerstand komme wie im alten Aktiv-Markt in der Speckmannstraße, in dem sich zum Schluss der Discounter NP befand, ergänzte Kai Entelmann.

Zum Schluss sprach Kai Entelmann noch die Baumfällungen im Wiesendamm an. Das sei unglücklich gelaufen, jetzt würden Bäume nachgepflanzt, und wenn Anwohner vor ihrem Haus keinen neuen Baum wollten, werde dieser an der Wörpe gepflanzt. Verkehrsberuhigungen in ihrer Straße wünschten bei einer improvisierten Abstimmung etwa die Hälfte der Anwesenden. Jetzt soll überlegt werden, ob am Straßenanfang versuchsweise Kissen auf der Fahrbahn befestigt werden sollen. Silke Paar hält es für dringend geboten, an den Einmündungen mit Haltelinien daran zu erinnern, dass in Tempo-30-Zonen rechts vor rinks gilt.

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