Straßen-Einweihung

Großer Bahnhof für Richard Beuss

Nach dem Komponisten des Verden-Walzers ist im Borsteler Neubaugebiet ein Weg benannt worden. Auf diesem Wege ehrt der Ortsrat bereits seit Jahren verdiente Bürger.
01.03.2019, 16:33
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Großer Bahnhof für Richard Beuss
Von Jörn Dirk Zweibrock

Etwas Besseres hätte Renate Rathmann vom Borsteler Ortsrat gar nicht einfallen können. Für die feierliche Enthüllung des Straßenschildes am Rande des Neubaugebiets Am Grundhof hatte sie einfach ein güldenes Ballkleid reaktiviert und damit eine richtige Punktlandung hingelegt. Schließlich ist der, nachdem am Freitagvormittag der neue Weg benannt wurde, niemand Geringeres als Verdens Tanzsport-Legende und Walzerkönig Richard Beuss.

Im Beisein der Familie und der Ortsratmitglieder befreite dessen Enkel Jürgen Beuss das frisch polierte Schild ganz vorsichtig von der goldenen Abendrobe. Borstels Ortsbürgermeister Jürgen Weidemann freute sich bei seiner Ansprache sichtlich darüber, dass nun ein weiterer Weg nach einer Borsteler Größe benannt wurde. „Wie schon in der Nachbarschaft mit der Helga Köhler-, Hanna Zuschneid- und Holger Schmezer-Straße soll mit diesem Weg ein Mensch geehrt werden, der viele Jahrzehnte lang in Borstel gelebt und den Sport, in diesem Fall den Tanzsport, nachhaltig beeinflusst hat“, sagte Weidemann. Der Ortsrat wolle mit der Straßenbenennung an Richard Beuss erinnern, der stellvertretend für die Familie Beuss stehe, die seit mehr als 150 Jahren den Tanzsport in Deutschland geprägt habe.

Die Idee, den Weg am Rande des von Hans-Jürgen Klauner entwickelten Baugebiets nach Richard Beuss zu benennen, stammt von Ortsratsmitglied Timo Dienstmann. „Wir haben einen Namenspool, aus dem wir schöpfen, wenn hier bei uns in Borstel neue Straßen, Wege und Plätze benannt werden“, verriet Weidemann. Während dort mit Helga Köhler an eine Springreiterin erinnert wird und mit Hanna Zuschneid an eine Turnerin, hatte sich Holger Schmezer zu Lebzeiten der Dressur verschrieben.

Und Richard Beuss? Der Großvater von Helga Schöppe-Beuss und Jürgen Beuss gehörte zur zweiten Generation der bekannten Tanzlehrer-Dynastie, die nach eigenen Worten sogar zu Europas ältester zählt. Sein Vater Wilhelm hatte die Tanzschule 1868 gegründet. Fünf seiner insgesamt elf Kinder traten dann in die väterlichen Fußstapfen. „Richard Beuss wurde 1874 in Borstel geboren“, erinnerte der Ortsbürgermeister. Von seinem Vater Wilhelm habe er damals das Stammhaus in Borstel übernommen.

„Richard Beuss war der Star seiner Generation, von seinen Geschwistern der Musikalischste“, berichtete Sigrid Beuss stolz über ihren Vorfahren, den Großvater ihres Mannes Jürgen Beuss und Urgroßvater ihrer Tochter Cathrin Beuss. Und weiter: „In seinen Adern floss französisches Blut, er war überall sehr beliebt. Humorvoll, temperamentvoll – eben ein richtiges Unikum. Und er spielte Violine. Er komponierte Tanzmelodien und war Choreograf am berühmten Mellini-Theater in Hannover.“ Schon in jungen Jahren wurde Richard Beuss von seinem Vater als Vortänzer in die umliegenden Dörfer mitgenommen. Bereits im zarten Alter von 17 Jahren gab er seine ersten Tanzstunden in der Provinz. Um zu seinen Schülern zu gelangen, sei Richard Beuss manchmal sogar mehrere Stunden am Tag zu Fuß unterwegs gewesen, erzählte Sigrid Beuss lachend.

Weil er auch im Heidekreis unterrichtete, schrieb sich der Namensgeber für den neuen Weg damals auf die Fahnen, die traditionellen Heidetänze für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. In der im Spätsommer in kräftigem Violett leuchtenden Landschaft machte der Verdener sogar „das Hauptursprungsgebiet der deutschen Volkstänze aus“. Richard Beuss brachte Mitte der 1920er-Jahre eine erste Sammlung mit Heidetänzen heraus.

Mit dem Walzer „Du mein schönes Verden“ hat er seiner Heimatstadt Verden ein musikalisches Denkmal gesetzt. Der Text geht so: „Du mein schönes Verden, so dicht am Allerstrand, hier bin ich geboren, es ist mein Heimatland (...) Muss ich einmal scheiden von dieser bunten Welt, kann ich nicht mehr wandern, nehmt mein letztes Geld, schafft mir einen Wagen, bringt mich zum Allerstrand. Ruhen möcht ich allzeit im weichen Allersand.“

Richard Beuss grüßt übrigens noch heute vom Bild, das im Bar-Bereich der Tanzschule hängt. Er ist eben der Verdener Johann Strauss.

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