Nachhaltig wirtschaften

Grüne Geldanlagen liegen im Trend

Nachhaltige Geldanlagen sind eher Nischenprodukte, sagen Experten. Pioniere der Branche schwören jedoch seit Jahren auf grüne Investments. Inzwischen entdecken auch bekannte Kreditinstitute den Trend.
29.08.2020, 11:55
Lesedauer: 4 Min
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Grüne Geldanlagen liegen im Trend
Von Petra Scheller
Grüne Geldanlagen liegen im Trend

Nachhaltige Geldanlagen liegen im Trend, sagt Expertin Anke Behn.

Verbraucherzentrale Bremen

Bremen/Landkreis Osterholz. Anke Behn überlegt einen Moment. So einfach ist die Sache nicht. Hier geht keiner mit einem perfekten Sparplan für nachhaltige Geldanlagen raus, stellt die Finanzberaterin der Bremer Verbraucherzentrale klar. "Wir beraten, empfehlen aber keine konkreten Finanzprodukte. Das unterscheidet uns von anderen“, sagt Behn. 90 Minuten nimmt sich die diplomierte Ökonomin Zeit für ein Beratungsgespräch zum Thema grüne Geldanlagen. 146 Euro stehen am Ende auf der Uhr. Dafür gibt es Hilfe zur Selbsthilfe.

„Ethisch-ökologisch anlegen und vorsorgen“ steht auf einer Informationsbroschüre, die die Finanzberaterin ihren Kunden mit an die Hand gibt. Nachhaltige Geldanlagen liegen im Trend, sagt Behn. Das bestätigen Anlageberater verschiedener Geldinstitute.

„Im Bereich Geldanlagen entwickelt sich Nachhaltigkeit gerade erst so richtig“, berichtet Thomas Wegener von der Volksbank Osterholz-Bremervörde. Allerdings könne er „derzeit leider noch keine eigenen nachhaltigen Anlageprodukte am Markt anbieten.“ Anders sieht es bei der Sparkasse Rotenburg Osterholz aus. Dort haben sich schon regionale Bürgerbeteiligungsmodelle etabliert. „So entstand vor einiger Zeit in Lübberstedt ein Windpark. Die Sparkasse gab dazu einen Energie-Sparbrief Windpark-Hambergen heraus“, berichtet Sprecherin Ellen Bade. Vier Prozent Jahreszinssatz, ein Mindestbetrag von 1000 Euro und eine Laufzeit von sechs Jahren wurden dabei festgeschrieben. Allerdings konnten ausschließlich Bürgerinnen und Bürger der Gemeinden Lübberstedt und Hambergen die Papiere zeichnen. Nachhaltige und regionale Geldanlagen kommen gut an, sagt Bade. „Die Nachfrage überstieg das Angebot."

269 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr in nachhaltige Anlageprodukte investiert, die Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsaspekte ausdrücklich festschreiben. Diese Zahl nennt das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), ein Fachverband aus Kapitalgesellschaften, NGOs und Privatpersonen. Die Stiftung Warentest prüft indes regelmäßig, wohin ein Teil dieser Gelder fließt.

Aktuell hat die Stiftung Warentest 73 nachhaltige Fonds, die weltweit investieren, unter die Lupe genommen. Finanzberaterin Anke Behn war vor sechs Jahren am Untersuchungsdesign der Studie beteiligt. Die Tester wollten unter anderem wissen, welche Branchen und Geschäftspraktiken die Anbieter ausschließen. Denn nachhaltige Fonds sollen nicht nur Rendite und Sicherheit bieten, sondern auch Ziele jenseits der Finanzwelt verfolgen. Nachhaltige Investments gehen einher mit Umweltschutz, weniger Kinderarbeit und besseren Arbeitsbedingungen. Sogenannte ESG-Kriterien sind hier ausschlaggebend. „Die englische Abkürzung steht für Environmental, Social and Governance, also für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung“, erklärt Behn.

Auf dem Markt sind inzwischen Varianten aller Finanzprodukte – von grünen Sparbüchern, über Festgeld und Sparbriefe bis hin zu nachhaltigen Fonds. „Es gibt allerdings keine gesetzliche Definition für nachhaltige Geldanlagen“, kritisiert die Ökonomin.

Die Beraterin legt eine Liste mit Banken vor, die Nachhaltigkeitsstandards anwenden. Darunter befinden sich die GLS Gemeinschaftsbank, die Evangelische Bank, die Ethikbank und verschiedene Caritas- und Kirchen-Banken. „Bei konventionellen Banken weiß man oft nicht, was mit dem Geld geschieht, das sie von Anlegern sammeln“, erklärt Behn. „Finanziert da jemand Atomkraftwerke oder Solaranlagen? Eine nachhaltige Bank investiert das Geld der Kunden in umwelt- und sozialverträgliche Projekte und legt sich verbindlich fest.“

Als Kunde könne man die Arbeit einer Bank natürlich an der bloßen Rendite messen. „Aber vielen reicht das nicht mehr“, sagt die Ökonomin. „Sie wollen wissen, was mit ihrem Kapital passiert.“

Auf nachhaltige Geldanlagen spezialisiert hat sich aus diesem Grund die Bremer Beratungsfirma „Grüne Sachwerte“. Das Ehepaar Sandra und Michael Horling berät sowohl Firmen als auch Privatpersonen. „Schon zu meiner Schulzeit in Bremen hat mich das Umweltthema interessiert. Ich wollte den Atomausstieg voranbringen. Doch vor 20 Jahren gab es noch nicht genügend mutige Investoren, um neue Wind- und Solarprojekte zu finanzieren. Darum bin ich direkt nach meinem Wirtschaftsstudium in diesen Bereich eingestiegen“, berichtet Finanzberater Horling.

Seine Consulting-Firma setzt überwiegend auf Investments in erneuerbare Energien. „Gute Beratung bei grünen Investitionen ist wichtig“, sagt auch Sandra Horling. „Denn man möchte – neben einer ökologischen – ja auch eine finanzielle Rendite erwirtschaften und insbesondere kein Geld verlieren." Der Bereich direkter Investitionen in Umweltprojekte sei stets mit Risiken verbunden, die im schlimmsten Fall im Totalverlust enden können, warnen die Horlings. Man müsse die eigene Risikobereitschaft genau überprüfen und danach die Geldanlage auswählen.

Anke Behn stellt dazu ein Risikoportfolio auf: Sparanlagen bergen ein geringes Risiko. Geschlossene Fonds, Nachrangdarlehen und Genossenschaftsbeteiligungen ein hohes. Im mittleren Risikobereich stehen Aktienfonds. Anleger sollen hier auf eine breite Streuung achten. „Sie können Ihr Geld komplett nachhaltig anlegen“, empfiehlt die Stiftung Warentest in der Juli-Ausgabe im Finanztest. „Es ist ein hartnäckiges Vorurteil: Wer nachhaltig investiert, muss auf Rendite verzichten.“ Testsieger der Studie sind übrigens die nachhaltig aktiv gemanagten Fonds „GLS Bank Aktienfonds“ und „Superior 6 Global Challenges“ sowie der Indexfonds "Warburg Global Challenges“. Finanziell gesehen sind die drei allerdings nur mittelmäßig.

Info

Zur Sache

Tipps und Informationen zu

nachhaltigen Geldanlagen:

Finanzqualitäten von Fonds können auf der Datenbank von Stiftung Warentest eingesehen werden. Unter test.de/fonds und unter test.de/oekogeldanlagen stehen Tipps für nachhaltige Geldanlagen und Zinsangebote.

Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) stellt Interessantes im sogenannten Marktbericht zusammen, der online zur Verfügung steht. (www.forum-ng.org)

Das Forum Facing finance (siehe: http://datenbank.faire-fonds.info/funds) nimmt Banken und Nachhaltigkeit unter die Lupe.

Auf der Seite www.geld-bewegt.de hat die Verbraucherzentrale ihre Infos rund um nachhaltige Investments zusammengetragen.

Für Idealisten: Die BEGeno eG hat sich Anfang 2014 gegründet, um genossenschaftlich regenerative Energieprojekte im Großraum Bremen zu realisieren. Weitere Infos unter: www.begeno.de

Weitere regionale Projektgesellschaften sind unter anderem die wpd, das Energiekontor und die Gesellschaft Energiequelle.

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