Bodenrichtwerte Grundstückspreise in Bremen steigen sprunghaft

Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte hat neue Bodenrichtwerte festgelegt. Ergebnis für Bremen-Nord: Überall steigen die Bodenpreise. Dennoch sind sie im Norden der Stadt immer noch vergleichsweise günstig.
10.03.2019, 14:02
Lesedauer: 3 Min
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Grundstückspreise in Bremen steigen sprunghaft
Von Detlev Scheil

Der Bauboom ist auch in Blumenthal, Burglesum und Vegesack an vielen Stellen sichtbar. Wer bauen will, braucht ein Grundstück. Die starke Nachfrage lässt die Preise für Grund und Boden überall im Bremer Norden steigen – mancherorts sprunghaft. Das belegen die jüngsten Auswertungen des unabhängigen Bremer Gutachterausschusses für Grundstückswerte, die zu neuen, höheren Bodenrichtwerten geführt haben.

In Teilen von Bremen-Nord könne man ebenso wie im Bremer Westen von einer preislichen Aufholjagd sprechen, sagt Ernst Dautert, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte und stellvertretender Leiter von Geoinformation Bremen. In Bremer Gebieten mit überdurchschnittlich hohen Bodenrichtwerten wie Schwachhausen und Östliche Vorstadt sei offenbar die Preisspitze allmählich erreicht, sodass die Richtwerte nur um fünf oder zehn Euro pro Quadratmeter erhöht worden seien, erläutert Dautert. „Viele andere Stadtteile haben Nachholbedarf. Das Preisniveau zog dort bei Verkäufen deutlich an und führte zu Aufschlägen von jeweils zehn bis 20 Euro.“

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Für das Bremer Stadtgebiet sind zum Stichtag 31. Dezember 2018 insgesamt 425 Richtwerte neu bestimmt worden. Acht Richtwerte sind neu hinzugekommen, weil sich die Preise in den entsprechenden Zonen unterschiedlich entwickelt haben. Die Bodenrichtwerte sind nicht nur wichtige Orientierungswerte für Verkäufer und Kaufinteressenten, sondern auch für das Finanzamt unter anderem bei Erbfällen interessant. Künftig werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch eine Grundlage für die Berechnung der Grundsteuer sein.

Die Richtwerte sind – wie der Name schon sagt – zwar nicht bindend, doch Käufer und Verkäufer bekommen mit diesen Werten gute Anhaltspunkte für die Festlegung des Kaufpreises eines unbebauten oder auch bebauten Grundstücks. Alle zwei Jahre wird die Bodenrichtwertkarte aktualisiert. Dafür wertet der Gutachterausschuss, dem neben Mitarbeiter von Geoinformation unter anderem Architekten, Makler sowie Vertreter von Bauträgern und der Finanzbehörde angehören, die aktuelle Kaufpreissammlung aus. Basis dieser Sammlung sind die notariell beglaubigten Käufe und Verkäufe von Grundstücken.

Spanne von 30 bis 1200 Euro

Nach der jüngsten Festsetzung reicht die Bremer Preisspanne bei Wohnbaugrundstücken von 30 Euro in Seehausen bis 1200 Euro pro Quadratmeter im Schwachhauser Ortsteil Barkhof sowie auf dem Stadtwerder nahe der umgedrehten Kommode und in der Spitze 1600 Euro an der Contrescarpe in der Stadtmitte. Wegen der ungebrochen starken Immobiliennachfrage sind die Bremer Werte fast durchweg heraufgesetzt worden. Preisstillstand gibt es lediglich im dörflichen Strom und Seehausen.

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Die höchsten Steigerungen bei Grundstücken für Reihen- und Einfamilienhäuser betreffen Huchting (plus 24 Prozent), Vegesack (plus 18 Prozent), die Vahr (plus 18 Prozent) sowie Osterholz und Blumenthal (jeweils plus 17 Prozent). Geht es um Bauland für Mehrfamilienhäuser, beträgt die Preissteigerung in den Stadtteilen Burglesum, Huchting, Osterholz, Vahr und Walle mehr als 20 Prozent. „Das liegt daran, dass besonders in diesen Stadtteilen Eigentumswohnungen in Wohnanlagen zu stattlichen Preisen verkauft werden konnten“, erläutert Ernst Dautert. Dies sei auf die Bodenrichtwerte durchgeschlagen. Gerade die ältere Generation sucht derzeit verstärkt Wohnungen mit Fahrstuhl, die zu gehobenen Preisen angeboten werden.

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Für weniger als 100 Euro ist ein Quadratmeter Grund und Boden bremenweit nur noch in Seehausen (ab 30 Euro), im Blockland (50 Euro) sowie in den Blumenthaler Ortsteilen Rekum (ab 70 Euro), Farge (75 Euro), Lüssum-Bockhorn (ab 90 Euro) und Rönnebeck (ab 85 Euro) und in einem Teilbereich Oslebshausens (90 Euro) zu haben. Im Blumenthaler Zentrum gelten 110 bis 120 Euro.

Hohe Preise durch Immobilien-Knappheit

Im Vegesacker Zentrum gelten aktuell bis zu 400 Euro für einen Quadratmeter Wohnbaufläche als marktüblich. In Randbereichen geht es ab 180 Euro los. Das Preisniveau liegt in Fähr-Lobbendorf bei 120 bis 140 Euro, in Aumund-Hammersbeck bei 105 bis 150 Euro, in Schönebeck bei 140 bis 170 Euro und in Grohn bei 125 bis 160 Euro. Grohn lag vor zwei Jahren in der Spitze noch bei 120 Euro. „Auch Lagen, die früher nicht so begehrt waren, haben inzwischen aufgrund der Immobilien-Knappheit gute Chancen“, stellt Ernst Dautert fest. „Und Bremen-Nord profitiert zunehmend von der Angebotsknappheit in vielen Bremer Stadtteilen“, erklärt der Immobilienfachmann.

Trotz des Preisanstiegs seien die Bodenwerte in Bremen-Nord immer noch als „vergleichsweise preisgünstig“ einzustufen. Die Burglesumer Richtwerte haben sich durchschnittlich um 14 Prozent erhöht. Die teuersten Lagen befinden sich mit bis zu 200 Euro in St. Magnus. In Lesum gelten 130 bis 180 Euro als üblich, in Burgdamm 110 bis 170 Euro und in Burg-Grambke 130 bis 180 Euro. Der Nachbar-Stadtteil Gröpelingen erlebt ebenfalls einen Preisauftrieb, die Richtwerte dort (ohne Oslebshausen) pendeln zwischen 195 und 270 Euro. Im Ortsteil Oslebshausen gibt es zwar Teilbereiche, wo 90 Euro bezahlt werden, die Höchstmarke liegt in anderen Oslebshauser Quartieren aber bei 190 Euro.

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