Stuhrer Gruppe Frau trifft sich Anne Scheen gibt Leitung ab

Mehr als 20 Jahre hat sich Anne Scheen um die Leitung der Gruppe „Frau trifft sich - Frauen ab 60“ in Stuhr gekümmert. Nun gibt sie das Amt an Uschi Skoda weiter.
19.03.2021, 17:30
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Anne Scheen gibt Leitung ab
Von Eike Wienbarg

Als Anne Scheen vor mehr als 20 Jahren in den Ruhestand ging, hatte sie eine Idee. Auch für Frauen jenseits der 60 müsste es eine Gruppe geben, in der sie gemeinsam etwas erleben und unternehmen können - abseits von Sportvereinen oder Kirchengemeinden. Angetrieben von dem Gedanken initiierte sie in der Gemeinde Stuhr die Gruppe „Frau trifft sich - Frauen ab 60“. Seit deren Beginn leitete Scheen auch die Treffen der Runde. Vor Kurzem hat die 83-Jährige die Leitung nun an ihre Nachfolgerin Uschi Skoda übergeben.

Zur Zeit der Gründung im Jahr 1999 habe es nur wenig Angebote für Frauen in ihrem Alter gegeben, erinnert sich Scheen an die Anfänge zurück. „Ich wollte, dass Frauen eine Möglichkeit haben, auch mal an sich zu denken und Zeit für sich zu haben“, erklärt sie ihren damaligen Grundgedanken. Oftmals waren die Frauen familiär stark eingebunden und wandten ihre Zeit für andere auf. Nach ihrer langjährigen Arbeit als Erzieherin - damals hieß es laut Scheen noch Kindergärtnerin und Hortnerin - bei der Bremischen Evangelischen Landeskirche wandte sie sich mit ihrer Idee eines Frauenkreises an die damalige Stuhrer Gleichstellungsbeauftragte Annegret Merke. Diese stieg auf den Vorschlag gleich ein.

Über eine Zeitungsannonce im WESER-KURIER suchte Scheen Mitstreiterinnen. „Wir suchten Frauen, die etwas unternehmen und neue Wege gehen wollten“, erzählt sie. Und der Aufruf hatte Erfolg: Mehr als 30 Frauen kamen beim ersten Treffen im Frühjahr 1999 in der Alten Schule an der Jahnstraße in Brinkum zusammen. „Es war so voll, das war Wahnsinn. Wir haben gar nicht gewusst, wie wir alle unterbringen sollen“, erinnert sich Anne Scheen zurück. Aufgrund des enormen Interesses zog die Gruppe später in den damaligen Frauentreffpunkt Sie(h) da an der Jupiterstraße 1 in Brinkum um. Er sollte in den kommenden Jahren genau wie das Haus Lohmann der Anlaufpunkt der Gruppe werden.

Das Konzept der Gruppe war dabei eigentlich ganz einfach: In der Runde sollten Themen besprochen werden, die von den Frauen selbst kamen. „Es war wichtig, dass die Frauen auch Aufgaben übernehmen“, sagt Scheen. Gemeinsam wurden Themen und Vorschläge für Veranstaltungen und Ausflüge gesammelt. Die Fäden liefen dann aber bei Scheen zusammen. „Es ist eine ganz reiche Zeit gewesen“, resümiert sie.

Egal ob Vorträge zu Themen, kleine Ausflüge oder Führungen, Anne Scheen denkt gerne an die Zeit zurück. So erinnert sie sich zum Beispiel an den Abend mit Frauen aus der Brinkumer Ahmadiyya-Gemeinde zum Thema Frauen im Islam oder die Reihe von Besuchen von Stuhrer Ratsfrauen bei der Doris Karin Hofmann den ersten Part übernahm und unter anderem über die Arbeit im Gemeinderat berichtete. Auch um den Enkeltrick ging es mit der Polizei, hinzu kamen Abende zu medizinischen Fragen oder auch Lichtbildvorträge des Varreler Hobbyfilmers Gert Zittlosen, zählt Scheen auf. Zu Gast waren auch Pro Dem oder der Stuhrer Hospizverein. Ihr sei immer eine Mischung aus Information und Leichtem wichtig gewesen, sagt Anne Scheen über ihren Anspruch.

Auch gemeinsame Ausflüge standen auf dem Programm der Frauen. Eindrücklich in Erinnerung ist Anne Scheen dabei der Besuch der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Bergen-Belsen geblieben. Außerdem ging es in die Baumwollbörse nach Bremen, in die Bürgerschaft und die Glocke oder auch ins Weserstadion. Fest eingeplant war auch immer die Veranstaltung „Sommer in Lesmona“ in Bremen-Nord, erzählt Scheen. Manchmal verreiste die Gruppe auch über ein Wochenende.

Die Gruppe bestand dabei immer aus rund 30 Frauen. Diese kamen aus allen Stuhrer Ortsteilen und teilweise auch aus Weyhe, Syke oder Bremen, weiß Scheen zu berichten. „Meistens waren 15 bis 20 Frauen da“, erzählt sie von den regelmäßigen Treffen. „Manche sind auch schon seit Beginn dabei“, sagt Scheen. In all der Zeit habe die Gruppe auch immer wieder um Teilnehmerinnen trauern müssen, immer kamen aber auch neue dazu. „Einige kommen zu den Themen, die sie interessieren. Viele kamen, weil sie sich wohlgefühlt haben“, erzählt Scheen. „Das Zusammengehörigkeitsgefühl war sehr ausgeprägt.“

Nach 22 Jahren als Koordinatorin der Gruppe ist für Anne Scheen nun aber Schluss. „Aus Altersgründen“, wie die 83-Jährige betont. „Ich habe nicht mehr die Möglichkeit, mich so intensiv um die Gruppe zu kümmern“, sagt sie weiter. Ihr Abschied fällt dabei in eine schwierige Zeit. Durch die Corona-Pandemie kann die Gruppe aktuell nicht zusammenkommen. „Im Sommer hatten wir die Möglichkeit, uns zu zehnt im Haus Lohmann zu treffen“, sagt Scheen. Gerade für ältere und alleinlebende Frauen sei es aber derzeit auch nicht einfach. Das Corona-Jahr habe Unsicherheit und viele Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens mit sich gebracht.

Um ihre Nachfolge macht sich Anne Scheen aber keine Gedanken. Bereits vor zwei Jahren habe sie Uschi Skoda angesprochen, ob sie nicht die Aufgabe übernehmen möchte. „Sie ist mir aufgefallen, da sie so engagiert war“, sagt Scheen über die 65-Jährige. Skoda sei dann auch bereit gewesen, die Leitung der Gruppe zu übernehmen. Bereits im vergangenen Jahr kümmerte sie sich nach Angaben von Scheen um die ersten Aufgaben und den Zusammenhalt der Gruppe in Corona-Zeiten. „Ich bin begeistert und freue mich, dass die Gruppe so weitergehen kann“, sagt Scheen. Auch heute sei es noch wichtig, dass Frauen einen eigenen Raum für sich und zum Austausch mit Gleichgesinnten haben. Die Gruppe sei dabei eine Art „Refugium im Alltag“, findet Scheen.

Auch der Vorstand des Treffpunkts Sie(h) da und die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Stuhr Nicole Feldmann-Paske danken Anne Scheen für ihren „gesellschaftlich wichtigen Beitrag über diese lange Zeit hinweg“. Sie habe es immer geschafft, die Frauen zu erreichen und durch ihren Beitrag ein nachhaltiges und auch wichtiges Angebot für aktive Seniorinnen zu kreieren, heißt es seitens der Gemeinde. Die Gruppe soll auch weiterhin beibehalten werden. „Themen wie Altersarmut und Alterseinsamkeit von Frauen, aber auch Frauen als pflegende Angehörige und die Gleichstellung von Frauen und Männern insgesamt finden hier neben vielseitigen anderen Themen Platz und Raum“, sagt Anne-Lene Alyanak, erste Vorsitzende des Fördervereins Treffpunkt Sie(h) da.

„Ich habe in der Zeit so viele tolle Frauen kennengelernt“, sagt Anne Scheen rückblickend auf die lange Zeit mit der Gruppe. Wenn es wieder richtig losgehen kann, möchte sie auch weiterhin Teil der von ihr ins Leben gerufenen Gruppe bleiben. Nur eben nicht mehr in der ersten Reihe.

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