Linie 4-Bau in Lilienthal Gutachter dokumentieren Risse

Lilienthal. Der Riss in der Hauswand ist deutlich zu erkennen. Was ist die Ursache? Ist der Schaden durch die Bauarbeiten der Straßenbahnlinie 4 entstanden? Immerhin steht das Haus nicht weit von der Trasse entfernt.
10.03.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Gutachter dokumentieren Risse
Von Peter Hanuschke

Lilienthal. Der Riss in der Hauswand ist deutlich zu erkennen. Was ist die Ursache? Ist der Schaden durch die Bauarbeiten der Straßenbahnlinie 4 entstanden? Immerhin steht das Haus nicht weit von der Trasse entfernt.

Oder war der Riss schon vorher vorhanden? Um künftig auf solche Fragen eine verbindliche Antwort geben zu können , wird der Zustand aller Häuser entlang der künftigen Straßenbahntrasse festgehalten. Schließlich könnte es ja sein, dass der Immobilienbesitzer einen Schadensersatzanspruch hat.

Festgehalten heißt in diesem Fall, dass die Häuser von außen und innen fotografiert werden und der Gutachter die Beschreibung des Zustandes des Hauses direkt vor Ort ins Aufnahmegerät diktiert. Je nach Größe und Beschaffenheit der Immobilie kann so eine Begutachtung eine bis drei Stunden dauern, so Andree Sachmerda. Er ist Geschäftsführer von Klocke + Partner. Das Bremer Architekten- und Sachverständigen-Büro ist eines von drei Unternehmen, die ihre Gutachter für die Erfassung der insgesamt rund 400 Häuser entlang der Trasse in diesen Tagen im Einsatz haben. Von Klocke + Partner sind es fünf. Sie sind, wie Andree Sachmerda, von der Handelskammer Bremen öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Schäden an Gebäuden.

Gutachten vor Gericht anerkannt

Das sei insofern wichtig, weil solche Gutachten vor Gericht auf jeden Fall Bestand haben, so Andree Sachmerda. Wobei es auch nicht vereidigte Sachverständige gebe, die von Gerichten anerkannt seien, weil sie von ihrem Berufsweg und ihrer Erfahrung her über jeden Qualifikationszweifel erhaben seien. "Man sollte sich aber auf jeden Fall vorher erkundigen", rät Sachmerda. Gutachter könne sich nämlich im Prinzip jeder nennen.

Das Beweissicherungsverfahren der Häuser im Zusammenhang mit dem Projekt Linie 4 ist im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens vorgeschrieben. "Es gibt aber auch Bauträger, die so etwas von sich aus in Auftrag geben, um später nachweisen zu können, dass der Riss im Haus, das direkt neben dem Baugrundstück steht, schon vor der Grundwasserabsenkung beschädigt war."

Grundsätzlich sei so eine Dokumentation für beide Seiten sinnvoll, unabhängig davon, ob freiwillig oder vorgeschrieben. Im Falle eines Streits sei so leichter festzustellen, wer Recht habe. "Gibt es keine vor Beginn der Baumaßnahme erstellte anerkannte Dokumentation, kann es für den Betroffenen schwierig werden." Denn er müsse den Beweis erbringen, dass der Schaden aufgrund der in der Nähe stattfindenden Bautätigkeit entstanden sei. Es werde dann wesentlich mehr mit Wahrscheinlichkeiten argumentiert. Und daraus ergebe sich ein wesentlich größerer Interpretationsspielraum. Trotzdem gebe es auch im Nachhinein immer noch eindeutige Aussagen. "Ob der Riss tatsächlich entstanden ist, weil zwei Tage vorher ein Lastwagen gegen das Haus gefahren ist oder ob er schon seit fünf Jahren oder länger existiert, das können anerkannte Gutachter von der Struktur ableiten."

Die sichere Variante sei aber die vorherige Dokumentation. "Insofern haben wir bisher auch keine Probleme, Termine mit den Hauseigentümern zu vereinbaren", sagt Sachmerda. Die Dokumentation erfolgt immer nach einem gleichen Muster, egal, wie alt das Haus ist. "Denn auch bei Neubauten gibt es in der Regel Schäden."Am Anfang wird das Objekt grob beschrieben, dann erfolgen Aufnahmen von vorhandenen Schäden und Übersichtsfotografien, die Wandflächen werden in den Räumen im Uhrzeigersinn begutachtet. "Am Ende gibt es eine Gesamteinschätzung, und wir vergeben quasi Schulnoten."

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