Park-and-Ride-Plätze im Test Gute Ausstattung, wenig Platz

Im offiziellen Test des ADAC tauchen die beiden Park-and-Ride-Plätze in Borgfeld und Falkenberg nicht auf. Doch eine Begehung mit dem Automobilclub zeigt, wo Stärken und Schwächen liegen.
10.09.2019, 23:02
Lesedauer: 4 Min
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Von Lutz Rode

Lilienthal/Borgfeld. Kleine Überraschung am Morgen: Während auf dem Park-and-Ride-Platz (P+R-Platz) direkt an der Borgfelder Allee alles dicht ist und jeder Quadratmeter von Autos genutzt wird, ist auf dem Warftgelände wenige hundert Meter entfernt noch reichlich Platz. Dirk Matthies, Leiter der Verkehrsabteilung des ADAC Weser-Ems, kann sich die unerwartete Leere nur so erklären: An der Einmündung zum Hamfhofsweg fehlt der Hinweis auf den hinteren P+R-Platz. Es gibt ein Schild, doch zeigt der Pfeil dort nur nach links. Daumen runter für die Pendler-Information – selbst wenn das Warftgelände nach dem Abbau der Flüchtlingsunterkunft erst seit Kurzem wieder zur Verfügung steht und sich das vielleicht noch nicht herumgesprochen hat.

Bundesweit hat der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) in diesem Jahr 60 P+R-Anlagen getestet. Im Bremer Umland waren Achim, Syke und Kirchweyhe dabei, Lilienthal und Borgfeld fielen durchs Raster. Denn untersucht wurden nur Anlagen mit mehr als 200 Stellplätzen. In früheren Jahren waren die ADAC-Tester auch schon mal auf beiden Seiten der Wümme unterwegs. Kein Problem: Die Wissenslücke, wie es um die beiden Plätze an der Linie 4 aktuell bestellt ist, lässt sich schließen. Als die WÜMME-ZEITUNG beim ADAC nachfragt, kommt eine spontane Zusage zur gemeinsamen Begehung. Der Zufall will es, dass ADAC-Mann Dirk Matthies in Lilienthal wohnt, mit den Örtlichkeiten vertraut ist und schon an früheren Tests beteiligt war. Und auch wenn so ein Rundgang strenge wissenschaftliche Maßstäbe vielleicht nicht erfüllen kann, so fördert er doch einige Hinweise zu den Stärken und Schwächen der beiden Pendlerparkplätze und heutige Mobilitäts-Ansprüche zutage.

Um es vorwegzunehmen: Wenn es um die Ausstattung der beiden Pendler-Parkplätze geht, gibt es aus Sicht des ADAC eigentlich nicht viel zu meckern. In Borgfeld mit den insgesamt 180 Stellplätzen vermisst Matthies eine Ladestation für E-Autos, die heutzutage eigentlich zum Standard eines P+R-Platzes gehören sollte. In Borgfeld hat man zuletzt bekanntlich anders entschieden und eine E-Zapfstation in die Ortsmitte gesetzt. Das Warftgelände könnte eine bessere Ausleuchtung gebrauchen, und die Zuwegung ließe sich noch verbessern. Als unglücklich erweist sich die Zu- und Abfahrt zum vorderen P+R-Platz an der Borgfelder Allee: Wenn die Ampel an der Kreuzung Hamfhofsweg in Richtung Allee auf Rot steht und sich die Autos stauen, gibt es kaum ein Raus- und Reinkommen. Richtig blöd wird es, wenn, so wie bei unserem Besuch, in der Zufahrt trotz Halteverbots geparkt wird.

Der Parkplatz, auch das zeigt sich bei dem Rundgang, wird fast durchweg von Autos mit OHZ- oder ROW-Kennzeichen genutzt. Dass er bei den Pendlern von außerhalb so beliebt ist und sie dafür längere Wege zurücklegen, hängt nach Ansicht von Dirk Matthies weniger mit den möglichen Ersparnissen bei den Ticketpreisen zusammen: Es gibt zwar einen Tarifsprung von der einen zur anderen Wümme-Seite, doch so viel günstiger kommen die Pendler auch nicht weg, wenn sie erst in Borgfeld zu- oder auf der Rückfahrt aussteigen. Die Zeitersparnis mag da schon entscheidender sein: 13 Minuten braucht die Linie 4 von Falkenberg bis Borgfeld. Hinzu kommt, dass die Straßenbahnen von und nach Borgfeld in einem engeren Takt fahren. Der scheinbare Vorteil kann aber auch schnell dahin sein, wenn es sich schon auf der Fahrt zum P+R-Platz staut. „Wer von Lilienthal und weiter auswärts morgens nach Borgfeld fährt, steckt schon mitten im Berufsverkehr. Doch gerade das soll mit P+R ja vermieden werden“, sagt Matthies. Dass die Borgfelder Anlage dort ist, wo sie ist, hat historische Gründe: Als sie gebaut wurde, gab es noch keine Verlängerung der Straßenbahn bis nach Falkenberg.

Dirk Matthies kennt den P+R-Platz in Falkenberg noch aus Zeiten vor dem Straßenbahnbau. „Von einem richtigen Park-and-Ride-Platz konnte man damals aber nicht sprechen. Das war eine Wiese mit einem P+R-Schild“, sagt er. Kein Wunder also, dass der Parkplatz in Lilienthal bei den Tests des ADAC stets ziemlich mies abschnitt. Heute, nach dem großen Umbau für die Linie 4, sieht das anders aus. „Der Park-und-Ride-Platz in Falkenberg würde von uns sicher eine gute Note bekommen. Der ist von Leuten geplant worden, die das nicht das erste Mal gemacht haben“, lobt Matthies. E-Ladestation, abschließbare und überdachte Fahrradabstellmöglichkeiten in größerer Zahl, Behinderten-Parkplätze, dazu Postkasten und Geldautomat nebenan – das Gesamtpaket für Pendler stimmt, vorausgesetzt sie finden einen freien Parkplatz.

Und genau das ist das Problem: Der Parkplatz ist in der Regel ausgelastet, schon so mancher Pendler hat dort morgens mit dem Auto vergeblich seine Runde gedreht. Für ADAC-Mann Matthies ist klar: Wer möchte, dass die Menschen möglichst nicht mit dem Auto in die Stadt fahren, muss neben dem attraktiven ÖPNV-Angebot natürlich auch genügend Parkplätze bereitstellen. Ständig ausgelastete P+R-Plätze haben auch Folgen für die nähere Umgebung: Pendler weichen nach den Erfahrungen auf umliegende Wohnstraßen oder Supermarktparkplätze aus.

Offiziell empfiehlt der ADAC den Kommunen, bei Bedarf auch die Aufstockung von P+R-Anlagen in Betracht zu ziehen. Doch im konkreten Fall würde das Verkehrsfachmann Matthies für Falkenberg nicht empfehlen. „Das sieht dann am Ende aus wie bei Lestra, wo mithilfe einer Stahlkonstruktion eine zweite Parkebene gebaut wurde. So etwas passt hier nicht hin. Abgesehen von den Kosten, die so etwas verursachen würde“. Mehr abgewinnen könnte der Lilienthaler schon der Idee, an der Ecke zur Lilienthaler Allee in Höhe der Haltestelle Kutscher Behrens einen zweiten P+R-Platz zu errichten – die Konflikte, die es dabei mit dem Naturschutz und dem Otter-Tunnel geben kann, mal außen vor gelassen. Aus Verkehrsplaner-Sicht würde sich der Standort laut Matthies eignen.

Ein klares „ungenügend“ gibt es zu den Informationen, die im Internet zu den beiden P+R-Plätzen bereitgestellt werden: An der Bremer Verkehrs-Management-Zentrale ist die Erneuerung der P+R-Anlage in Falkenberg zum Beispiel gänzlich vorbeigegangen. Die Angaben und Fotos beziehen sich noch auf den alten Schlackeplatz mit 50 Stellplätzen. In Borgfeld befindet sich das P+R-Symbol auf der Karte an der Borgfelder Heerstraße, der tatsächliche Standort an der Borgfelder Allee/Ecke Hamfhofsweg ist lediglich als normaler Parkplatz gekennzeichnet.

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