Oldenburger Grünkohlkönig Guttenberg gibt sein Amt ab

Oldenburg. Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat am Montagabend sein Amt als Oldenburger Grünkohlkönig abgegeben. Das Zepter wird innerhalb des Bundeskabinetts weitergegeben und bleibt erstmals seit 2005 wieder in Niedersachsen.
08.02.2011, 12:41
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Oldenburg. Am Ende machte er es kurz: Auf gut Bayerisch mit einem "Habe die Ehre, servus, pfiat eich" dankte Karl-Theodor zu Guttenberg am Montagabend ab. Die Abschiedsworte galten jedoch nicht seinem Posten als Verteidigungsminister, wie es sich wohl mancher Oppositionspolitiker wünschen würde. Nur sein Amt als Oldenburger Grünkohlkönig musste der CSU-Politiker nach einem Jahr turnusgemäß abgeben.

Das Zepter wurde innerhalb des Bundeskabinetts weitergegeben und blieb erstmals seit 2005 wieder in Niedersachsen: Auf den Thron stieg Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP).

Schon zum 54. Mal verlieh die Stadt den Titel des Grünkohlkönigs. Seit 1956 nutzen die Stadtoberen das "defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten" (deftiges Oldenburger Grünkohlessen), um für Oldenburg zu werben. Schon als die Bundeshauptstadt noch Bonn hieß, hatte sich das Essen als Politpromi-Treff etabliert. Nur 1962 wegen der Flutkatastrophe und 1991 wegen des Golf-Kriegs fiel es aus. Diesmal platzte die niedersächsische Landesvertretung mit rund 330 Gästen - voran fast das komplette niedersächsische Landeskabinett unter Führung von Ministerpräsident David McAllister (CDU) - fast aus allen Nähten.

"Ich wollte immer mehr werden als nur Verteidigungsminister"

Der Star des Abends war nicht der neue, sondern der scheidende Grünkohlkönig. Mit einer Mischung aus Witz, politischen Seitenhieben und Selbstironie sorgte Guttenberg für Lacher reihenweise. "Ja, ich wollte immer mehr werden als nur Verteidigungsminister", bekannte der CSU-Politiker freimütig. Doch nicht die ihm in der Vergangenheit nachgesagten Kanzlerambitionen hatte er dabei im Sinn: "König wollte ich sein seit meiner Kindheit, Grünkohlkönig von Oldenburg." Ganz nach dem Motto: "Krone statt Gel auf dem Haupt."

Der "Oldenburger Oberfranke" Guttenberg erfuhr allerdings bald, dass diese Würde auch Bürde sein kann. "Ein Höhepunkt während meiner Regentschaft war ohne Zweifel die Eröffnung des Oldenburger Stadtfestes im August - ohne Johannes B. Kerner und ohne meine Frau", erinnerte sich Guttenberg und spielte damit auf die Kritik an seinem Truppenbesuch in Afghanistan vor Weihnachten zusammen mit dem Journalisten und seiner Frau Stephanie an. "Bei lausigem Wetter mehr Bier und Korn als Regen abzubekommen, gelingt wohl nur in Oldenburg."

"Inbegriff des feinen Pinkels"

Guttenberg frotzelte über seine CDU-Kabinettskolleginnen Ursula von der Leyen und Kristina Schröder - "das Quotengeschwader" - ebenso wie über sich selbst, den "Inbegriff des feinen Pinkels", der nun zum Grünkohl Pinkel (Grützwurst) auf dem Teller hatte. An das "Quotengeschwader" sowie CSU-Chef Horst Seehofer, den Europäischen Gerichtshof und die EU-Gleichstellungsbeauftragte richtete er die Bitte, dafür zu sorgen, dass sein "sehnlichster Karrierewunsch" in Erfüllung gehen kann: "Schafft Quoten - einmal im Leben möchte ich fränkische Weinkönigin sein."

Dagegen wirkten die Scherze von Nachfolger Rösler doch etwas matt, etwa, als er auf das eigentliche Thema des Tages zu sprechen kam, den Grünkohl. Der sei eines der gesündesten Lebensmittel hierzulande überhaupt. "Wenn Sie jede Woche einmal Grünkohl essen, und das machen Sie 100 Jahre lang, dann können Sie richtig alt werden."

Guttenberg lobt Rösler

Bis zu seiner Abschiedsrede in einem Jahr hat Rösler noch Zeit sich zu steigern. Vorgänger Guttenberg scheint dies für möglich zu halten, lobte er seinen Nachfolger aus Niedersachsen doch als "eines der besten Pferde im heimischen Stall". Rösler sei gewissermaßen ein "gelber Hannoveraner", die ja stattliche Tiere seien. "Was für eine Erscheinung unter den Ponys der FDP." (dpa)

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