Überschwemmte Weidenfläche dienen Mensch und Natur Hammewasser als Lebenselixier

Osterholz-Scharmbeck. In den Hammewiesen vor Osterholz-Scharmbeck herrscht Hochwasser. Wie seit Jahrhunderten bilden auch in diesem Jahr zum Winterende tiefgelegene Weiden eine zusammenhängende Seenlandschaft. Die Tierwelt hat ihre hörbare Freude an dem Naturschauspiel.
02.03.2010, 07:44
Lesedauer: 2 Min
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Von Christian Valek

Osterholz-Scharmbeck. In den Hammewiesen vor Osterholz-Scharmbeck herrscht Hochwasser. Wie seit Jahrhunderten bilden auch in diesem Jahr zum Winterende tiefgelegene Weiden eine zusammenhängende Seenlandschaft. Die Tierwelt hat ihre hörbare Freude an dem Naturschauspiel. Daran soll sich nach Willen des Landkreises zunächst nichts ändern - die neu angelegten Retentionsbereiche sollen getestet werden.

Hans Jürgen Stelljes haut einen Schlag ran. Der Wasserbauwerker des Gewässer- und Landschaftspflegeverbandes (GLV) schiebt unweit von Tietjens Hütte die sechste Schubkarre voll Treibgut auf den Komposthaufen. Am Schöpfwerk Waakhausen laufen die Pumpen auf Hochtouren. An den Ansauggittern sammeln sich in diesen Tagen besonders viele Schilfreste und Zweige. Ein automatischer Rechen zieht das Treibgut aus dem Entwässerungssiel nach oben. 'Das ist ganz normal zu dieser Jahreszeit. Gerade, wenn es zuvor soviel geschneit hat', weiß Stelljes - er arbeitet seit 30 Jahren beim GLV.

Erich Bödeker, Geschäftsführer des GLV, kann da nur zustimmen. 'Das ist eben die Natur', kommentiert er die derzeitige Lage in den Wiesen vor Osterholz-Scharmbeck. 'Wir können daran wenig ändern.' Schneeschmelze und Regenfälle hätten den Wasserspiegel in den vergangenen Tagen stark ansteigen lassen. Dazu erschwere der starke Nordost-Wind das Ablaufen der Wassermassen aus der Hamme.

Zweimal am Tag sei die Schleuse in Ritterhude für etwa vier Stunden geöffnet. Sollte es weniger regnen, werde der natürliche Wasserstand sicher in den nächsten Tagen wieder fallen, so Bödekers Einschätzung.

Beim Planungs- und Naturschutzamt des Landkreises wartet man indessen auf den Scheitelpunkt des Hochwassers. 'Wenn er erreicht ist, werden wir die Sieltore zu den Retentionsräumen schließen und einen ein- bis zweiwöchigen Probebetrieb starten', erklärt Johannes Kleine-Büning, Leiter des Landkreisbehörde. Wegedämme würden dann das weitere Ablaufen des Wasser verhindern.

Die Überschwemmungsräume hätten eine bedeutsame Funktion für Mensch und Natur. 'Neben der hohen Bedeutung für Rastvögel dienen sie auch dem Hochwasserschutz', so der Leiter des Planungs- und Naturschutzamtes. Mitarbeiter der Biostation Osterholz-Scharmbeck (BioS) werden voraussichtlich morgen, Mittwoch, mit einer Zählung der Vögel im Wasserrefugium beginnen. Tierökologe Karsten Schröder geht von etwa 10 000 Vögeln aus, die sich zurzeit im Bereich der Hammeniederung aufhalten, darunter seltene Goldregenpfeifer, Weißwangengänse, Wanderfalken und Seeadler. 'Mit der eiweißreichen Nahrung in den überfluteten Wiesen sammeln viele Vögel schnell Kraft, um nach Sibirien weiterzuziehen', so der Biologe.

Auch Fischarten nutzen die uberfluteten Wiesen zur Laichwanderung; Pflanzen können ihre Samenkörner verbreiten. Fuchs und Marder würden kurzzeitig verdrängt. 'Das ist ein bedeutender Vorteil für Bodenbrüter. Sie können später im Kern des Überschwemmungsgebietes gefahrlos brüten und Junge aufziehen, so Schröder.

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