Umgang mit dem Smartphone an Weihnachten

Handy bleibt aus: "Es ist einfach unhöflich"

Landkreis Osterholz. Wie halten es die Osterholzer mit ihrem Smartphone? Haben sie ihre Geräte eingeschaltet und stets in Reichweite oder gilt in diesen Tagen die Regel, offline beim Fest? Die Redaktion hat nachgefragt.
24.12.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Kim Wengoborski

Alle Jahre wieder – klingelt das Smartphone beim Weihnachtsfest. Wie halten es die Osterholzer damit? Haben sie ihre Geräte eingeschaltet und stets in Reichweite oder gilt in diesen Tagen die Regel, offline beim Fest? Die Redaktion hat nachgefragt.

Ständiges Gebimmel am Esstisch und Gesprächspartner, die sich lieber ihrem Handy zuwenden, anstatt einen Satz bis zu Ende zu hören. Mittlerweile scheint das in vielen Familien und Freundeskreisen Realität zu sein. Doch wie ist es in Osterholz-Scharmbeck? Bei einer Umfrage in der Innenstadt erzählen die Kreisstädter, wie sie über das Phänomen Handy beziehungsweise Smartphone denken und wie bei der Bescherung und dem Festessen damit umgegangen wird.

„Keine Frage, das Handy bleibt weg“, sagt Anne Weidenhöfer, genau wie alle anderen Befragten. Das kleine Schwarze, Silberne oder Pinke, will niemand bei der Bescherung dabei haben. „Es ist wirklich unhöflich, es am Tisch liegen zu haben“, waren sich Alina Schmidtsdorf und Steven Brauckemüller, beide 15 Jahre, einig. „Man fühlt sich nicht mehr wahrgenommen, wenn der Gesprächspartner plötzlich nur noch auf sein Handy guckt“, meint Alina. Auch Anne Weidenhöfer möchte, dass sich ihr Gegenüber im Gespräch auf sie und nicht aufs Handy konzentriere. Ob Jung oder Alt: „Durch die Bank liegt immer sofort das Handy auf dem Tisch, sobald man sich zusammensetzt“, seufzt Anne Weidenhöfer. Fotos von Essen und Geschenken, die sofort an Freunde geschickt werden, seien gerade zum Fest nun wirklich nicht nötig. „Man muss nicht jeden Handgriff online stellen und glauben, dass das die Welt interessiert“, so Weidenhöfer. Erreichbarkeit, Wichtigkeit und Vereinsamung, all das könnten Gründe dafür sein, dass Menschen ihr Mobiltelefon stets bei sich führten, glaubt die Kreisstädterin.

Andreas Prieser aus Lilienthal und Mirco Johannsmeyer aus Lübberstedt stört es am meisten, dass durch Handys gute Gespräche insgesamt weniger werden. „Wenn man mit seinen Arbeitskollegen Pause macht, geht es nur noch um das Handy und die Videos, die verschickt werden. Jeder lacht sich schlapp, aber wirklich unterhalten wird sich nicht mehr.“ In Gesellschaften, die sich untereinander noch nicht so gut kennen, würde das Mobiltelefon oft benutzt, um Kontakten aus dem Weg zu gehen. „Um nicht miteinander reden zu müssen, holen alle schnell ihr Handy raus. Doch so kommt es gar nicht mehr zu einem richtigen Kennenlernen“, meinte Andreas Prieser.

Mirco Johannsmeyer hat daher nur ein Handy für die Arbeit. Weihnachten gibt es auf diese Weise keine Konflikte. Seine Frau Alexandra benutzt das Handy meist nur zum Telefonieren. „Wenn man etwas übermitteln will, geht es so viel schneller, als wenn man lange Nachrichten hin und her schickt“, sagt sie. Für die fünfjährige Tochter Maya soll so lange wie möglich kein Handy unter dem Weihnachtsbaum liegen: „Wir versuchen es, so lange wie es geht, hinauszuzögern“, sagte Johannsmeyer zwinkernd. Andreas Prieser hat außerdem beobachtet, dass das Handy einem die Zeit für andere Dinge nimmt: „Man beschäftigt sich so viel damit, dass anderes liegen bleibt. Anstatt mal ein gutes Buch zu lesen, gucken die Leute lieber, was die anderen gerade so machen.“

Auch Sandra Czempik (22) und Christian Heins (26) sind gar nicht davon begeistert, wenn Weihnachten ständig das Handy klingelt: „Im Notfall wird es ausgemacht, sonst stört es nur“, sagte Sandra Czempik. Sie erwartet, dass auch in diesem Jahr viele Weihnachtsgrüße und Anfragen, was sie aktuell mache und was am Abend noch los sei, per Mobiltelefon eintrudeln werden. Am Essenstisch wolle sie aber lieber gemütlich mit ihrer Familie reden, als über derlei Dinge nachzudenken und viele Grüße zurückschicken zu müssen. Nur die kleine Schwester sieht das wohl nicht so: „Die fummelt die ganze Zeit am Handy rum“, stöhnt Sandra Czempik.

„Wenn wir gemütlich mit unseren Liebsten zusammensitzen, haben wir gar keine Lust aufs Handy“, meinten Jenny Offermann (30) und Dan Oliver Finke (25). Bei dem Besuch in der Kirche sei es zwar dabei, würde aber später in der Sakkoinnentasche vergessen, so Dan Oliver Finke. Ausgemacht würde es nicht, schließlich könnte es auch mal einen dringenden Fall geben. „Wenn wir aber gerade beschäftigt sind, dann hat keiner was zu wollen“, fügte Finke lachend hinzu. Dann würde er sich eben später zurückmelden. Privat verschicke er ohnehin nur wenige Nachrichten.

Wenn Jenny Offermann sich an den Weihnachtstagen tatsächlich mit dem Handy beschäftigt, dann ganz in Ruhe: „Ich setzte mich abseits und nehme mir Zeit. Wie wenn ich eine Postkarte schreibe“, erzählte sie. Dan Oliver Finke sieht allerdings auch praktische Gründe: „Beim Weihnachtsbesuch von Verwandten die weiter weg wohnen, suche ich mir die Zugfahrzeiten online raus.“

Einen einzigen Grund scheint es zu geben, warum unter dem Tannenbaum mit dem Handy gespielt werden darf: Wenn es frisch ausgepackt aus dem Geschenkpapier kommt. „Dann ist es wie mit jedem anderen neuen Spielzeug. Es darf erst mal ausprobiert werden“, sagte Aldo Kobel (62). Aber sonst gehöre es nicht in die Weihnachtsgemeinschaft.

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