VSK-Coach kündigt an, mit seinem Team nur noch die Punktspiele zu bestreiten / Dramatische Sportplatzsituation Hermann stellt den Trainingsbetrieb ein

Osterholz-Scharmbeck. Günter Hermann hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen. Und der Coach des VSK Osterholz-Scharmbeck hat noch nie vor ungewöhnlichen Maßnahmen zurückgeschreckt. Doch diese Entscheidung hat eine neue Qualität: Der Coach stellt mit seiner Fußball-Oberligatruppe mit sofortiger Wirkung den Trainingsbetrieb ein. 'Ich habe da keine Lust mehr zu. Wir treffen uns jetzt nur noch zu den Spielen. Alles andere hat keinen Zweck. Und fertig.'
21.04.2010, 03:20
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Hermann stellt den Trainingsbetrieb ein
Von Werner Maaß

Osterholz-Scharmbeck. Günter Hermann hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen. Und der Coach des VSK Osterholz-Scharmbeck hat noch nie vor ungewöhnlichen Maßnahmen zurückgeschreckt. Doch diese Entscheidung hat eine neue Qualität: Der Coach stellt mit seiner Fußball-Oberligatruppe mit sofortiger Wirkung den Trainingsbetrieb ein. 'Ich habe da keine Lust mehr zu. Wir treffen uns jetzt nur noch zu den Spielen. Alles andere hat keinen Zweck. Und fertig.'

Die Rede ist nicht von der 3. Kreisklasse, Günter Hermann spricht von seiner Oberligamannschaft, die mitten im Kampf um die Plätze für die eingleisige Oberliga Niedersachsen steckt. Der Grund für den unermesslichen Groll des Ex-Weltmeisters ist seit Langem bekannt: die katastrophale Sportplatzsituation in der Kreisstadt mit Trainingsbedingungen, die eines Oberligisten sicherlich nicht würdig sind. Am Montagabend teilte er seinem Team die Entscheidung nach dem Training mit.

Hermann bringt damit Tempo in eine Diskussion, die schon seit Jahren ohne konkretes Ergebnis geführt wird. In den vorigen Wochen hat sich die Situation allerdings deutlich verschlimmert. Die Plätze sind hoffnungslos überlastet und demzufolge in einem katastrophalen Zustand. Von Rasen kann im neu hergerichteten Stadion keine Rede mehr sein. Einzelne Grasbüschel verlieren sich in einer Sand- und Matschwüste, dabei ist der Platz im Rahmen des Stadionneubaus erst im vorigen August komplett neu angelegt worden. Bürgermeister Martin Wagener und der VSK haben den Platz im Stadion bis zum Gastspiel der Profis von Werder Bremen am 25. Mai gesperrt. Der VSK trägt sein heutiges Oberligaspiel gegen Lupo Martini Wolfsburg sowie die Partie am kommenden Sonntag gegen den MTV Gifhorn auf dem ursprünglich als Bolzplatz ausgewiesenen Platz an der IGS in Buschhausen aus. Die weiteren Heimspiele gegen Ottersberg und Lüneburg finden in Pennigbüttel statt. Einzig für das Derby gegen Bornreihe am Montag,

17. Mai, ist eine Ausnahme angedacht, diese Partie könnte im Stadion in Osterholz-Scharmbeck stattfinden.

Der völlig ramponierte Rasen im Stadion ist der hoffnungslosen Überbelastung geschuldet. Neben dem VSK I spielen auch der VSK II, die ersten A-, B- und C-Junioren des VSK, die 1. und 2. Herren des 1. FC Osterholz-Scharmbeck sowie die Damen des ATSV Scharmbeckstotel zumindest vereinzelt im Stadion - da war der Kollaps programmiert.

Noch erheblich schlimmer sieht es auf dem Gut-Heil-Platz gleich nebenan sowie auf dem Platz am Gut Sandbeck aus. 'Diese Plätze sind eher geeignet für Sandbahnrennen', sagte VSK-Jugendwart Ralf Strömer. Negativer Höhepunkt: Am vorigen Wochenende musste die U23-Mannschaft des VSK vor dem Spiel gegen den Rotenburger SV Schulter an Schulter Meter für Meter den kompletten Gut-Heil-Platz abschreiten und Glasscherben und Steine aufsammeln, ansonsten hätte der Schiedsrichter die Partie gar nicht erst angepfiffen.

Günter Hermann hat jedenfalls die Nase gestrichen voll: 'Seit Wochen ist die Rasensprenganlage im Stadion kaputt. Und was hat sich bislang getan? Nix. Da musste Wolli Stöhr noch selbst zum Bauhof fahren, um die mobile Sprenganlage zu holen. Hier wurde nur Dünger raufgetan. Aber wenn nicht bewässert und vernünftig vertikutiert wird, dann bringt das rein gar nichts. Das weiß jeder Hobby-Gärtner.'

Jörg Fanelli-Falcke, 1. Stadtrat von Osterholz-Scharmbeck, macht die kühlen Temperaturen sowie die frühe Jahreszeit für die Tatsache verantwortlich, dass der Rasen im Stadion partout nicht wachsen will. Derweil ist Stadion-Platzwart Wolfgang Stöhr in dem ganzen Hickhack am ärmsten dran. Von ihm wird die Quadratur des Kreises verlangt: Picobello Rasenplätze im Frühjahr, quasi zum Nulltarif, das Ganze bei extrem hoher Beanspruchung.

Zumindest in einem Punkt sind sich sowohl die VSK-Verantwortlichen als auch die Stadt einig: Es fehlen ein bis zwei Plätze in Osterholz-Scharmbeck, unter den jetzigen Bedingungen ist der Probleme kaum Herr zu werden. Jörg Fanelli-Falcke bringt es auf den Punkt: 'Wir haben in Osterholz-Scharmbeck einen Platzmangel, das ist definitv. Wir haben aber in Osterholz-Scharmbeck auch einen Geldmangel, das ist noch definitiver.'

Die Ideallösung wäre ein Kunstrasen- sowie ein Naturrasenplatz. Der Kunstrasen ist und bleibt Utopie. Rund 500000 Euro würde ein Kunstrasenplatz kosten. 'Wir sind nicht in der Lage, das aus Steuergeldern zu finanzieren. Wir hätten als Stadt allerdings keine Probleme, Flächen zur Verfügung zu stellen', sagte Fanelli-Falcke.

Nun ist der VSK gefragt. Manager Hinrich Breden bestätigte, dass es bereits Gespräche mit der Stadt gegeben hat. Rund 50000 bis 70000 Euro müsste der VSK aufbringen, so lautet Bredens Rechnung, damit ließe sich in Eigenarbeit an der IGS ein umzäunter Naturrasenplatz für den Trainings- und Spielbetrieb herrichten. Die Stadt würde vier Flutlichtmasten von dem Platz hinter dem Schwimmbad zur Verfügung stellen. 'Das müssten wir alles über Sponsoren und mit vielen eigenen Helfern machen. Das ist ein Thema', sagte Breden.

Es besteht Handlungsbedarf. Fußballwird in der Kreisstadt derzeit mehr auf Sand denn auf Rasen gespielt. Und durch die Sperrung des Stadions ist die Not noch größer geworden. So übt sich Ralf Strömer in Diplomatie, wenn er einesteils auf die leeren Kassen der Stadt verweist, andererseits aber unmissverständlich den sozialen Auftrag seines Vereins anspricht: 'Wir haben zu wenig Plätze. Eigentlich müsste der VSK Kinder nach Hause schicken. Das werde ich als Jugendwart aber definitiv nicht machen', sagte Strömer und fügte an: 'Unsere Jugendbetreuer holen doch die Jungs von der Straße. Dann muss man sie aber auch ihre Arbeit machen lassen.'

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