JU-Vorsitzender Ziemiak in Weyhe "Hier lässt sich einiges abfangen"

Deutliche Worte, aber auch selbstkritische Töne fand Paul Ziemiak, Bundesvorsitzender der Jungen Union, bei seinem Besuch der Jugendwerkstatt Weyhe. Es ging auch um die "Kernkompetenz Aufstehen".
21.08.2018, 07:21
Lesedauer: 2 Min
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Von Sebastian Kelm

Weyhe-Kirchweyhe. Als Paul Ziemiak seine Zusage gab, bei seiner deutschlandweiten Sommertour der Jugendwerkstatt Weyhe einen Besuch abzustatten, ahnte der Bundesvorsitzende der Jungen Union (JU) wohl noch nicht, mit welch aktuellen Themen er sich dort am Montag konfrontiert sehen würde. Denn derzeit wird viel über den Vorstoß von SPD-Chefin Andrea Nahles diskutiert, Hartz-IV-Sanktionen für jüngere Menschen abzuschaffen – und über die Ablehnung durch die CDU, Ziemiaks Partei. Auch der 32-jährige Bundestagsabgeordnete outete sich in Kirchweyhe als Gegner von Ausnahmen, wenn "Mitwirkungspflichten" nicht nachgekommen wird. Und das vor Ort gegenüber jungen Leuten, die Probleme haben, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, die Arbeitslosengeld II beziehen, die nicht leicht zu vermitteln sind.

Von der zu erlernenden "Kernkompetenz Aufstehen" sprach daher auch Petra Scholten, Leiterin der seit nunmehr 20 Jahre bestehenden Einrichtung von Bethel im Norden in der Gemeinde Weyhe. 16 Plätze für 16- bis 27-Jährige – momentan zwölf belegt mit 18- bis 22-Jährigen – stehen zur Verfügung, in den Bereichen Hauswirtschaft und Holzwerkstatt werden sie auf das Berufsleben vorbereitet. Es handele sich um Jugendliche mit teils "erheblichen Lücken in der Allgemeinbildung", die überwiegend über keinen Schulabschluss verfügen. "Beziehungsarbeit ist bei ihnen das A und O", betonte Scholten die Bedeutung individueller Förderung, um sie für die Arbeitswelt zu motivieren. Die Kosten dafür teilen sich EU, Land und Landkreis Diepholz über das Jobcenter. Und die Unterstützung der jungen Männer und Frauen lohnt sich laut Petra Scholten: "Ein bis zwei kriegen wir jedes Jahr in Ausbildung. Wenn die weiterarbeiten, hat sich das schon refinanziert."

Eine Rechnung, die der Politiker zustimmend zur Kenntnis nahm. Wenngleich er zur Jugendwerkstatt Weyhe klarstellte: "Das ist eine Stelle, die ausbessert. Bei denen, die herkommen, ist vorher schon viel schief gelaufen. Hier wird auch nicht gezaubert, aber hier lässt sich einiges abfangen." Marcel Scharrelmann, hiesiger CDU-Landtagsabgeordneter und jugendpolitischer Sprecher seiner Fraktion in Hannover, pflichtete ihm bei: Es müsse viel früher angesetzt werden, "schleichende Schulschwänzerei" sei zu unterbinden.

Sollten Schwierigkeiten bei der schulischen Laufbahn bereits auf Erfolglosigkeit bei der beruflichen hindeuten, so Paul Ziemiak, dürfe die Situation nicht noch durch Wohnungslosigkeit verschlimmert werden. Schuldenfallen wie zum Beispiel teure Handyverträge seien andere Bereiche, auf die man ein Auge haben müsse. Konkrete Lösungsvorschläge bei Armut der jungen Generation? Hatte der Herner durchaus auch dabei: Beim Deutschlandtag der Jungen Union Anfang Oktober in Kiel soll ihm zufolge der Vorschlag vorgebracht werden, dass Kinder von Hartz-IV-Empfängern sich etwas dazuverdienen dürfen, ohne dass es gleich angerechnet wird.

Was Ziemiak sonst mitnahm aus Weyhe, was die Erkenntnis, Einrichtungen wie diese bislang wenig auf dem Schirm gehabt zu haben, wie er selbst einräumte. Finn Kortkamp, JU-Kreisvorsitzender aus Stuhr, gestand ebenfalls, man habe den Fokus zuletzt eher auf Akademiker gelegt. Und Marcel Scharrelmann gab zu bedenken, der Fortbestand von Jugendwerkstätten wie dieser müsse dauerhaft geklärt werden.

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