Von Langwedel nach Irland Hilfe der besonderen Art

Für die Zeit zwischen Abitur und Studienanfang hat sich Mia Feline Bruhn aus Langwedel für eine besondere Herausforderung entschieden: Seit einigen Monaten lebt sie in Irland und betreut dort obdachlose Frauen.
12.02.2019, 16:27
Lesedauer: 3 Min
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Hilfe der besonderen Art
Von Marius Merle

Mit dem Abiturzeugnis in der Hand zieht es viele Absolventen vor dem Ausbildungs- oder Studienbeginn ins Ausland. Auch Mia Feline Bruhn aus Langwedel entschied sich für diesen Schritt, nachdem sie im vergangenen Jahr am Gymnasium am Wall in Verden ihre Schullaufbahn erfolgreich beendet hatte. Seit September lebt sie in Irland und geht dort für insgesamt neun Monate einer wahrlich nicht alltäglichen Tätigkeit nach: Die 20-Jährige betreut im Rahmen eines Freiwilligendienstes obdachlose Frauen und hilft ihnen auf dem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben.

Eine sehr herausfordernde Arbeit für die junge Frau, die über den Verein für internationalen und interkulturellen Austausch (Via) an die diese Tätigkeit gekommen ist. „Ich wollte das schon immer gerne mal machen“, erzählt Bruhn. Via betreibt verschiedene Häuser in der westirischen Küstenstadt Galway, in denen Obdachlose wohnen, die noch nicht wieder in der Lage sind, selbstständig zu leben. Bruhn ist mit anderen Freiwilligendienstlern sowie auch immer einer Fachkraft für ein Haus mit vier Frauen zuständig, denen eine 24-Stunden-Betreuung geboten wird. Dabei ist es logischerweise wichtig, sich intensiv mit den Frauen zu beschäftigen und eine Verbindung aufzubauen.

Schwieriger Start

Nicht einfach für beide Seiten: „Man soll ja eine Bezugsperson für die Frauen sein und zunächst sind sie ziemlich skeptisch. Und für mich war es am Anfang schwierig, mit den psychischen Problemen und Krankheiten umzugehen“, erzählt Bruhn. Denn nicht wenige der Obdachlosen haben mit Drogen- oder Alkoholproblemen sowie bipolaren Störungen oder Schizophrenie zu kämpfen. „Aber man gewöhnt sich daran“, erzählt die 20-Jährige, die auch betont haben möchte, dass es trotz der harten Umstände für die Frauen auch immer wieder schöne Momente gibt. Sie erinnert sich etwa an einen Projektchor von Obdachlosen, der ein Weihnachtskonzert in einer Kirche gegeben hat. „Das war schön für sie, einfach mal wieder Aufmerksamkeit zu erhalten“, sagt Bruhn.

Erfahrungen hatte die Langwedelerin zuvor eher in der Arbeit mit Kindern gehabt. In der Heimat hatte sie einen einmonatigen Freiwilligendienst in einem Kindergarten absolviert und eine Nachwuchs-Handballmannschaft trainiert. Apropos Handball: „Der fehlt mir hier in Irland schon ziemlich“, betont Bruhn, die normalerweise für die Damenmannschaft des TSV Intschede aktiv ist. Sie habe sich direkt in der ersten Woche im neuen Land erkundigt, ob es dort einen Handballverein gibt. „Aber die kennen den Sport leider gar nicht, das ist schon ein bisschen traurig“, erzählt sie. Für die sportliche Betätigung bleiben ihr so derzeit das Joggen und über die Organisation angebotene Yoga-Kurse.

Grüne Insel spannender als England

Neben dem Handball vermisst Bruhn ihre Freunde und die gewohnten Bezugspersonen. Denn in Irland habe sie quasi immer nur mit den gleichen anderen zehn Freiwilligendienstlern aus ganz Europa zu tun, mit denen sie in einem Haus wohnt. Mit ihnen ist sie auch – wenn es die Zeit zulässt – auf der grünen Insel auf Entdeckungstour. Die Natur Irlands war einer der Gründe, wieso sie sich dafür entschieden hat, für ihren Dienst dort hinzugehen. „Ich wollte gerne in ein englischsprachiges Land, um mein Englisch zu verbessern und da fand ich Irland von der Natur und allem spannender als England“, erzählt sie.

Auf die Entsendeorganisation Via sei sie durch ihre beiden großen Schwestern gekommen, die durch diese bereits einen solchen Dienst gemacht und "ziemlich gute Erfahrungen" gesammelt hatten. Ganz genau stehen ihre Pläne nach der Rückkehr im Juni noch nicht fest. "Ich möchte auf jeden Fall studieren, aber schwanke noch zwischen ein paar Optionen." Von ihrer Betreuungszeit für die Obdachlosen werde sie in jedem Fall mehr mitnehmen, als nur bessere Englischkenntnisse. "Man wird selbstbewusster und offener", betont Bruhn. Auch ihre Erfahrungen im Umgang mit Obdachlosen möchte sie eventuell auch nach der Rückkehr weiter einbringen. "Ich könnte ich mir schon vorstellen, mich dann auch in Deutschland in diesem Bereich zu engagieren"", blickt die 20-Jährige voraus.


Für die Finanzierung der Freiwilligendienste ist der gemeinnützige Verein Via auf Spenden angewiesen. Wer Interesse an einer Unterstützung hat, kann sich mit Mia
Feline Bruhn per Mail an mia.feline@hotmail.com in Verbindung setzen.

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