Ausstellungseröffnung in der Galerie im Moor / Freunde von Horst Nagel und Peter Zimmermann stellen aus Himmelsleiter und Speckgürtel

Grasberg. Seit vielen Jahren sind sie miteinander befreundet, teilten Freud und Leid sowie kleine und große Geheimnisse. Aus Anlass des fünften Todestages des Keramikers Horst Nagel wurde am Wochenende die Ausstellung "Freunde" in der Galerie im Moor eröffnet. Bis zum 8. Mai werden Keramiken der Künstlerfreunde Peter Fröhlich, Peter und Heide van Veen sowie Radierungen und Ölmalereien des im Oktober vergangenen Jahres verstorbenen Peter Zimmermann gezeigt.
14.04.2011, 05:00
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Von Sabine von der Decken

Grasberg. Seit vielen Jahren sind sie miteinander befreundet, teilten Freud und Leid sowie kleine und große Geheimnisse. Aus Anlass des fünften Todestages des Keramikers Horst Nagel wurde am Wochenende die Ausstellung "Freunde" in der Galerie im Moor eröffnet. Bis zum 8. Mai werden Keramiken der Künstlerfreunde Peter Fröhlich, Peter und Heide van Veen sowie Radierungen und Ölmalereien des im Oktober vergangenen Jahres verstorbenen Peter Zimmermann gezeigt.

Heide und Peter van Veen haben sich auf der aus Knochenporzellan bestehenden "Himmelsleiter" das Leid über einen persönlichen Verlust von der Seele geschrieben. Im Laufe der Jahre änderten sich die auf den Keramiksprossen stehenden Texte zu Märchen und Geschichten - geschrieben von der holländischen Keramikerin Heide van Veen. Die Idee der Himmelsleiter ist geblieben, die Intention hat sich gewandelt. Als Erinnerung an besondere Tage kann die Porzellanleiter mit guten Wünschen oder mit der Gästeliste beschriftet werden, sagt Peter van Veen. Jede Keramik des holländischen Ehepaars Heide und Peter van Veen ist von beiden angefertigt worden und damit immer ein Gemeinschaftswerk.

Mehr als 20 Jahre währte die Freundschaft von Horst Nagel mit Heide und Peter van Veen. Darum folgten sie sehr gern der Einladung zu einer Ausstellung ihrer Keramiken nach Grasdorf. "Es klickte, und ähnlich wie ein Blitzschlag war unsere Freundschaft da", erinnert sich der Keramiker van Veen an den Beginn. Kennen gelernt haben sie sich auf internationalen Keramikermärkten und tauschten dort Erfahrungen über Glasuren und Brände aus. "Horst Nagel tat mit seiner Kunst und Erfahrung nicht so geheimnisvoll", kommentiert van Veen den freundschaftlichen Umgang miteinander.

In der Galerie im Moor sind neben Keramiken aus Porzellan und Knochenporzellan auch Kombinationen von Keramik mit Glas zu sehen. Dafür verwenden Heide und Peter van Veen Altglas, dem sie durch die Glasschmelze neue Formen geben. "Das Experiment und der Weg dahin ist das Wichtigste", so Peter van Veen, dem Abwechslung und Veränderung das Wichtigste sind.

Wie Eiskristalle erscheinen die Kristallbildungen, die der österreichische Keramiker Peter Fröhlich auf seine Objekte bannt. Mit seiner Technik brennt er kurzlebige Naturkristalle in seine Keramiken ein und lässt sie damit unvergänglich werden. Gebrannt wird bei 1300 Grad Celsius, die Kunst besteht darin, die Temperatur auf 1100 Grad Celsius zu halten. "Je länger die Temperatur gehalten werden kann, umso größer erscheinen die Kristalle auf der Keramik. "Es ist viel Ausschuss dabei, denn drei bis fünf Grad Temperaturunterschied entscheiden darüber, ob es wird oder nicht", verriet Fröhlich. Den Entstehungsprozess seiner Keramiken verglich der Österreicher mit der Entstehung von Halbedelsteinen. Horst Nagel und Peter Fröhlich verband nicht nur eine äußerliche Ähnlichkeit. Einmal pro Woche tauschten sie sich telefonisch über Glasuren aus, machten keine Geheimnisse aus Rezepturen oder Methoden und kannten keinen Konkurrenzneid. "Entweder man mag jemanden oder eben nicht", brachte Fröhlich

die Freundschaft der beiden Keramiker auf den Punkt. Ein weiteres verbindendes Element zwischen Nagel und Fröhlich war die Liebe zum Essen.

"Ohne Nagel kann der Zimmermann nicht arbeiten", mit dem Zitat Karl-Heinz Margs erläuterte Lilienthals Kulturbeauftragte Antke Bornemann die innige Freundschaft des Keramikers mit dem Grafiker und Radierer. Aufgrund dieser Verbundenheit folgte auch Liane Zimmermann gern der Einladung und bestückte die Ausstellung mit ausgewählten Radierungen und großformatigen Ölbildern. "Peter Zimmermann interessierte sich für die Umwelt und das Wohnen im Grünen", so Liane Zimmermann über den Themenkreis, den der im vergangenen Jahr verstorbene Künstler bevorzugt bearbeitete. Visionär erscheinen dabei seine Werke, die bereits vor vielen Jahren Natur- und Umweltkatastrophen sowie Stadtentwicklungen thematisierten. Dabei gleicht die "Umgehungsstrasse" einem Labyrinth und der "Speckgürtel" um die Stadt herum besticht durch starke Farbigkeit. Verbindendes Element zwischen Nagel und Zimmermann war die Akribie, mit der die Autodidakten ihre Kunst perfektionierten, aber auch gemeinsame Interessen wie die

Liebe zum Segeln verbanden die Künstler miteinander. Doppeldeutig mit einem Schuss Humor und Dokument der Freundschaft ist nicht zuletzt "Stilleben mit Nägeln".

Die Ausstellung "Freunde" ist noch bis zum 8. Mai in der Galerie im Moor, Grasdorfer Straße 15, zu sehen.

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