Museum Hoya Hinter Hoyas Kulissen

Das Haus am Bürgerpark rollt den Berühmtheiten der Grafenstadt mit einer neuen Sonderausstellung den roten Teppich aus. Dort gibt es ein Wiedersehen mit Schauspiel-Legende Rosel Zech.
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Hinter Hoyas Kulissen
Von Jörn Dirk Zweibrock

Hoya. Für das Publikum hat es keine Bedeutung, wo ein Künstler aufgewachsen ist oder wo Bücher geschrieben werden. Und dennoch ist jede Stadt stolz auf ihre berühmten Söhne und Töchter, die dem Ort oft zusätzlichen Glanz verleihen. „Für die Mitbürger spielt das eine Rolle – und sei es, um selbst kleine Geschichten erzählen zu können. Das passiert ganz von alleine, auch wenn der Künstler den Bezug zum Herkunftsort lange Zeit ganz bewusst als Privatangelegenheit betrachtet hat. So wird der Heimatort zum Ort hinter den Kulissen, der für die Öffentlichkeit nicht sichtbar ist“, weiß Ulrike Taenzer, Leiterin des Heimatmuseums Hoya. Das kleine Grafenstädtchen Hoya an der Weser kann gleich mit zwei Persönlichkeiten aufwarten, nämlich der 2011 verstorbenen Schauspielerin Rosel Zech und dem Jerry-Cotton-Autor Horst Friedrichs. Beide sind damals in Hoya zur Schule gegangen. Mit der aktuellen Sonderausstellung „Hinter Hoyas Kulissen“ rollt das Museum der Grafenstadt beiden Künstlern nun also im wahrsten Sinne des Wortes den roten Teppich aus.

Von Zadek entdeckt

Im vergangenen Jahr hat das Haus am Bürgerpark die persönlichen Gegenstände, unter anderem den Bayerischen Filmpreis, der in Hoya aufgewachsenen Darstellerin erhalten. Rosel Zechs Mutter Helga sowie ihr Cousin Bernhard und seine Frau Caterina Schulze leben noch heute im Weserstädtchen und halten die Erinnerung an die berühmte Künstlerin wach. „Bücher und das Theater – das war ihre Welt“, erinnert sich Caterina Schulze gerne an ihre angeheiratete Cousine zurück. Als Tochter eines Binnenschiffers ist Rosel Zech damals in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hoyaer Lichtspielhaus, dem Filmhof, aufgewachsen. Bei Familie Möller konnte sie also schon als Mädchen Filmluft schnuppern. „Rosel wollte schon immer Schauspielerin werden, hat sogar für die Nachbarskinder im Hof Theaterstücke aufgeführt und gelbe Reclam-Hefte auswendig gelernt“, erinnerte sich ihre inzwischen hoch betagte Mutter Helga Zech 2013 im Interview mit dem WESER-KURIER. Irgendwann wurde das Mädchen aus Hoya dann von Star-Regisseur Peter Zadek entdeckt, spielte am Bochumer Schauspielhaus. Mit Rainer-Werner Fassbinder drehte die Zech gleich mehrere Fime. Für „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ erhielt sie 1982 sogar den Goldenen Bären. Passt irgendwie zu Hoya, denn schließlich finden sich auch Bärentatzen im Stadtwappen.

Passend zur Sonderausstellung zeigt der Hoyaer Filmhof (Deichstraße 80-82) am Freitag, 18. Januar, noch einmal den Fassbinder-Klassiker „Die Sehnsucht der Veronika Voss“. Darin verkörpert Rosel Zech eine morphiumsüchtige Ex-Schauspielerin und trällert mit rauchiger Stimme den Pop-Song „Memories Are Made Of This“. Der Kinovorhang im Hoyaer Lichtspielhaus hebt sich um 19 Uhr.

Für ihre Eltern war es nie ein Problem, dass Rosel Zech irgendwann die Kleinstadt Hoya gegen die große weite Welt eintauschte. Sie standen immer voll hinter ihr. Helga Zech hat ihre berühmte Tochter beim Drehbuchlernen abgehört und war bei jeder wichtigen Premiere dabei. Nur über die Stadt ihrer Kindheit und Jugend, also Hoya, hat die Schauspielerin nur äußerst ungern gesprochen. Und das, obwohl sie ihre Mutter dort all die Jahre im Sommer und zu Weihnachten besucht hatte. „Warum hätte sie auch über ihr Privatleben reden sollen – das macht der Jauch doch auch nicht“, konterte Helga Zech noch 2013. Angesprochen auf den frühen Krebstod ihrer Tochter sagte sie damals: „Ein Mann geht einem von der Seite, ein Kind geht einem vom Herzen.“

Recherche im Rotlichtmilieu

Neben Rosel Zech hat Hoya noch eine weitere Persönlichkeit hervorgebracht – nämlich Horst Friedrichs. „Hoya ist mein Ersatz für Hamburg. Obwohl es nicht am Meer liegt, hat es mit der Weser doch etwas Maritimes“, findet der 1943 an der Elbe geborene Autor. Ende der 1960er-Jahre hat er sogar einige Jahre als Reporter für die Bremer Nachrichten gearbeitet. „Ich war damals für Hoya und den Altkreis Sulingen zuständig“, erinnert er sich. Heute kennen ihn dagegen die meisten als einen der geistigen Väter des berühmten FBI-Agenten Jerry Cotton. Friedrichs hat es damals sogar geschafft, über New York zu schreiben, obwohl er bis dato noch nie da gewesen war. Er rekonstruierte alles auf dem Stadtplan. Sein Lektor habe ihm jedoch erklärt, was Cotton bedeute: „Der Leser muss New York spüren. Er muss praktisch die Mülleimer auf dem Hinterhof riechen können.“ Nach unzähligen Recherche-Reisen – Hausdurchsuchungen, Rotlichtfahrten über Bordsteine, Exkursionen zum FBI-Hauptquartier – kennt er die Metropole inzwischen besser als seine Heimatstadt Hamburg. Auch seine Schreibbilanz kann sich mehr als sehen lassen – über 300 Heftromane hat Horst Friedrichs seit 1968 veröffentlicht. Spricht er heute von Jerry Cotton, klingt das fast so, als würde er von einem alten Bekannten erzählen. Bekanntschaft mit Jerry Cotton können die Ausstellungsbesucher am Sonntag, 3. Februar, bei der Lesung (15 Uhr) von Horst Friedrichs im Museum Hoya machen.

Weitere Informationen

Die Sonderausstellung "Hinter Hoyas Kulissen" ist noch bis zum 10. Februar jeweils sonntags von 15 bis 18 Uhr im Heimatmuseum Hoya, Im Park 1, zu sehen.

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