Hurricane-Festival in Scheeßel Hochkonjunktur für Dosenravioli

Echte Festivalfans sind hart im Nehmen. Sie vertilgen tagelang Dosenravioli, grillen sich zum Frühstück eine Bratwurst und trinken Bier aus Plastikbechern, ertragen vermüllte Campingplätze, stinkende Klos und endlose Schlangen vor den Duschen.
17.06.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Uwe Dammann und Irena Güttel

Echte Festivalfans sind hart im Nehmen. Sie vertilgen tagelang Dosenravioli, grillen sich zum Frühstück eine Bratwurst und trinken Bier aus Plastikbechern, ertragen vermüllte Campingplätze, stinkende Klos und endlose Schlangen vor den Duschen. Besoffene, die nachts in ihr Zelt fallen und Nachbarn, die rund um die Uhr laut feiern, gehören für sie einfach dazu.

Doch nicht jeder liebt diese spezielle Festival-Atmosphäre. Darauf haben die Veranstalter reagiert: Wer es ruhiger, sauberer, gemütlicher mag, kann in Luxus-Zelten, Hütten oder gleich im Hotel übernachten. Zehntausende Musikfans werden am Wochenende beim Hurricane-Festival in Scheeßel wieder dicht an dicht in ihren Zelten hausen. Drei Tage im Ausnahmezustand. Doch mitten im Trubel gibt es eine Oase der Ruhe: das Hurricane Resort. Dort nächtigen Musikfans nach Auftritten von Bands wie Placebo oder Farin Urlaub in Wohncontainern oder geräumigen Zelten, in weichen Betten mit Decke und Kissen statt Schlafsack. Befestigte Wege schützen vor schlammigen Füßen, Klos und Duschen sind sauber, Mülleimer reichlich vorhanden – die Besucher können kommen.

Die monatelangen Vorbereitungen für das Riesenspektakel sind abgeschlossen,

auch die Bühnen sind aufgebaut und lassen bereits erahnen, dass von kommenden Donnerstag an bis Sonntag in Scheeßel alles wieder ein bisschen anders laufen wird, als im normalen Alltag. Das Hurricane-Festival wird ab Donnerstag wieder an die 80 000 Musikfans aus ganz Europa in das kleine beschauliche Scheeßel in den Landkreis Rotenburg locken. Mit rund 70 000 Besuchern des Musikfestivals wird gerechnet, viele andere pilgern aber auch ohne Eintrittskarte zum Gelände, um hier am Rande des Spektakels zu zelten und zu feiern. Die Karawane von bepackten Festivalgängern wird voraussichtlich am Donnerstag vom Bahnhof zum Gelände ziehen, während sich auf der B 75 der Autoverkehr staut.

Also alles wie immer? Nicht ganz, denn in diesem Jahr geht es auf dem Festivalgelände sowie auf den Campingplätzen bargeldlos zu – und zwar ausschließlich. In den Bändchen, die in diesem Jahr ausgegeben werden, ist ein Chip enthalten, den der Träger zuvor mit einem Guthaben auflädt und dann beim Kauf lediglich vor einen Scanner halten muss. „Kein langes Schlange stehen mehr“, versprechen die Veranstalter von FKP Scorpio und Koopmann Concerts auf der Festival-Internetseite. Überall auf dem Gelände sind sogenannte Balance Checks geplant, an denen die Besucher ihr Guthaben überprüfen können. Nicht verwendetes Restguthaben können sie sich nach Ende des Hurricane 2015 zurücküberweisen oder vor Ort auszahlen lassen.

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Wer zwar Rock’n’Roll auf dem Gelände, aber Ruhe und Sauberkeit beim Campen zu schätzen weiß und nicht gleich das Luxus-Hurricane-Resort für einen höheren Festivalpreis buchen will, kann sich beim Hurricane im „Grüner Wohnen“ einquartieren. Dies ist ein abgesperrter Bereich, der Besuchern mit umweltbewusster Gesinnung die Möglichkeit geben soll, sauber und ruhig übernachten zu können. Das „Grüner Wohnen“ reguliert sich in erster Linie selber. Bei groben Verstößen gegen die grundsätzliche „Grüner Wohnen“-Philosophie verliert der Besucher seine Zugangsberechtigung und wird auf den normalen Campingplatz verwiesen.

Und natürlich hat, wie in den Vorjahren auch, die Polizei umfangreiche Vorbereitungen für das Massenspektakel getroffen. Auch in diesem Jahr stehen den Polizisten wieder geländegängige Quads zur Verfügung, um schnell vor Ort sein zu können, wenn es brenzlig wird. Zu Pferd, auf Mountainbikes, mit Motorrädern, im VW-Bulli oder zu Fuß sind die Ordnungshüter auf dem Gelände anzutreffen. Auch ein „Phönix“-Polizeihubschrauber ist stationiert. Mit dabei sind Hundertschaften der Bereitschaftspolizei aus Lüneburg, Hannover und Oldenburg.

Besonders im Fokus stehen erneut die Verhinderung von Taschendiebstählen und Diebstählen aus Zelten. Über 400 Straftaten nahm die Polizei im vergangenen Jahr auf. Die Polizei Rotenburg reagiert mit einem umfangreichen Präventions-, Fahndungs- und Ermittlungskonzept, um es den Ganoven so schwer wie möglich zu machen. Besonders bei der Bekämpfung der Taschendiebstähle hatten die Beamten in den Vorjahren viel Erfolg und konnten den bandenmäßig organisierten Dieben, die teils von weit her angereist waren, das Leben schwer machen. Bei den Tätern handelte es sich zumeist um Leute, die nach Alter, Aussehen und Bekleidung nicht unbedingt zum Festival passten, warnt die Polizei. Die Ermittler fordern die Festivalbesucher auf, die Wertsachen nah am Körper, am besten in einer Brusttasche, aufzubewahren. Portemonnaies in Gesäßtaschen würden im Gedränge völlig unbemerkt gestohlen, hören die Fahnder immer wieder von den Anzeigeerstattern. Sollte es bei der Anfahrt zum Gelände mit dem Auto zu Störungen kommen, wird die Polizei frühzeitig über Verkehrsfunk warnen und die Anreisenden informieren. Daher sollte bei der Anfahrt das Radio angeschaltet sein. Auch über die App des Veranstalters oder die Facebookseite der Polizei Lüneburg gibt es, wenn nötig, Informationen.

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